Wege des Lichts: Apartment in Den Haag

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Text: Katharina Horstmann, Foto: Christiane Wirth

Nüchterne Leichtigkeit: Die niederländische Architektin Ana Rocha verwandelte zwei Klassenzimmer einer früheren Schule in eine offene Wohnlandschaft. Dabei schuf sie eine diagonale Raumachse mit unterschiedlichen Durchsichten, die das Tageslicht durch die gesamte Wohnung leiten.

Das 150 Quadratmeter große Apartment in einer alten Schule in Den Haag besitzt noch den Charme der Zwanzigerjahre, der Entstehungszeit des Gebäudes. Die freigelegte Decke, die nach oben mit Rundbögen abgeschlossenen Durchgänge und die großen, fast herrschaftlichen Fenster lassen erahnen, dass die Wohnung der Designer Susan Carvalho und Kai Bernau einmal einer ganz anderen Bestimmung diente.

Lichtfluss
Der Grundriss lässt keinen Zweifel offen, worum es Ana Rocha bei dem Umbau ging: der ungehinderte Fluss des Tageslichts. Zwei frühere Klassenzimmer wurden zusammengelegt und durch eine Wand verbunden, die sich diagonal durch den Grundriss schneidet und das Licht von der einen Gebäudeseite zur jeweils anderen hinüber leitet. Während die Morgensonne den Raum auf der Straßenseite mit einem weichen Licht durchflutet, verleiht das Abendlicht dem Klassenzimmer auf der Gartenseite eine warme Atmosphäre.

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Lichtachse
Die Architektin nutzte die Lichtachse für die räumliche Organisation und positionierte die geschlossenen Schlaf- und Badezimmer entlang dieser Zone – fast so, als würde sie Häuser um einen öffentlichen Platz gruppieren. Der offene Wohnbereich zeigt sich als ein fließendes Kontinuum von Salon, Esszimmer und einer geschickt dazwischen platzierten Küche, die das Zentrum des Apartments bildet.

Blickwinkel
Das Kinderzimmer erstreckt sich über zwei Ebenen. Hier wurde ein Halbgeschoss über das Badezimmer eingebaut, sodass die kleine Tochter von ihrem Bett aus über eine schmale Treppe in ihren „verborgenen“ Spielraum gelangt. Von dort kann sie durch ein großes Fenster das Geschehen sowohl in Küche und Esszimmer beobachten als auch bis ins Schlafzimmer ihrer Eltern auf der anderen Seite der Wohnung sehen. Das Gästezimmer besitzt für seine Zwecke eine außergewöhnlich große Fensteröffnung, sodass das Abendlicht trotz klar definierter Räumtrennungen auch bis zur dahinter gelegenen Küche durchdringt.

Durchlässigkeit
Die eingezogenen Wände sind mit Birkenfurnierplatten verkleidet, die einen warmen Kontrast zum geweißten Bestand und dem hellgrauen Fußboden bilden. Die Materialität des Holzes unterstreicht den skulpturalen Charakter der Einbauten und hebt eine klare Unterscheidung zwischen Architektur und Einbaumöbeln auf. Unkonventionelle Winkel und Öffnungen leiten das Licht in den Wohnbereich und schaffen eine Durchlässigkeit zwischen Innen- und Außenraum. Das Ergebnis ist eine nüchterne Leichtigkeit, ohne Sinnlichkeit inmitten der früheren Klassenzimmer auszusparen.

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