Wie der Fleck ins Badezimmer kam

9

Text: Claudia Simone Hoff
Foto: Ludger Paffrath


Verdutzt bleibt der Spaziergänger stehen: Inmitten eines Sammelsuriums von Parkplätzen, klassizistischen Häuserperlen und gesichtslosen Gebäuden steht in Berlin eine auffällige Fassade aus plastisch anmutenden Aluminiumlamellen. Dass sich dahinter ein siebenstöckiger Wohnungsneubau versteckt, fällt zuerst gar nicht auf.  Entworfen hat dieses architektonische Gebilde in der Johannisstraße 3 in Mitte das Architekturbüro J. Mayer H., das damit sein erstes Projekt in Berlin verwirklicht hat. Designlines hat sich im Rohbau umgesehen und auf die Suche begeben nach Privatgärten, Lounge-Ebenen, Dachterrassen mit Panorama- und Badezimmern mit Parkplatz-Blick.


Die Wahl fiel auf J. Mayer H. Architekten, nachdem der in München ansässige Bauträger Euroboden auch andere namhafte Architekturbüros wie Kühn Malvezzi, David Chipperfield Architects, Graft oder Diener & Diener Architekten kontaktiert hatte. Stefan Höglmaier, Gründer und Geschäftsführer des Bauträgers, will sich mit seinen Projekten vom üblichen Investorenarchitektur-Einerlei absetzen: Er beauftragt namhafte Architekten, um seiner Kundschaft Objekte mit speziellem Charakter anbieten zu können. „Architekturkultur" hat sich Höglmaier auf die Visitenkarte drucken lassen, ein hoher Anspruch, dem auch JOH 3 , wie das Berliner Projekt nach seiner Adresse heißt, gerecht werden soll.

Alles hat seinen Preis

Auf 3200 Quadratmeter Grundfläche wartet es mit 21 Eigentumswohnungen mit zwei bis sechs Zimmern sowie zwei Gewerbeeinheiten auf, die über eine Geschosshöhe von 2,70 bis 5,80 Meter verfügen. J. Mayer H. zeichnet nicht nur verantwortlich für die Architektur, auch die Wohnraum-Lounges, die Badezimmer-Gestaltung und der Entwurf des Innenhofs samt Terrassen und Gärten stammen aus seiner Feder, so dass ein einheitliches Bild entsteht. Während die kleinste Zweizimmerwohnung 40 Quadratmeter misst und wie eine Hotelsuite funktionieren soll, ist die größte Wohneinheit 320 Quadratmeter groß und ausgestattet mit einer privaten Dachterrasse mit 360-Grad-Panoramablick über die Berliner Mitte mit Synagoge und Museumsinsel. Die Wohneinheiten – bei denen sich der Quadratmeterpreis je nach Geschoss zwischen 4000 und 8000 Euro bewegt – sind weitgehend ähnlich ausgestattet: Zu den Annehmlichkeiten gehören Fensterverglasungen mit eloxierten und witterungsbeständigem Aluminiumrahmen, Echtholzparkett, eine permanente Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung sowie voll ausgestattete Badezimmer.

Hereinspaziert!

Man betritt das Gebäude durch einen schmalen geschwungenen Eingangsbereich mit einer wenig ambitionierten Anordnung von banalen Briefkästen, ehe man in ein nach oben geöffnetes Atrium gelangt. Das Atrium versorgt die nach Osten gelegenen Wohnräume mit Tageslicht. Über das Atrium im hinteren der zwei Treppenhäuser angelangt, hat der Besucher die Wahl: Entweder er folgt den mit Terrazzoplatten ausgelegten Treppenstufen oder nimmt den Fahrstuhl. Doch vorher macht er im Parterre Halt in der einzigen Maisonette-Wohnung des Gebäudes. Hier kommt der Bewohner in den Genuss eines Privatgartens, auch wenn er dort naturgemäß den neugierigen Blicken seiner Mitbewohner ausgesetzt ist. Vom Gartensitzplatz aus geht der Blick gen Brandmauer der denkmalgeschützten benachbarten Kalkscheune. Während das Wohnzimmer der Maisonette großzügig mit bodentiefen Fenstern angelegt ist, kommt die offene Küche klein und durch die Ausrichtung nach Osten auch sehr dunkel daher. Eine Treppe führt ins Obergeschoss.

Mosaik-Fleck im Badezimmer

Hier befinden sich zwei Badezimmer. Das Gäste-WC – ausgestattet mit einer Dusche, einem WC und einem Waschplatz – ist vom Flur von verschiedenen Räumen aus zugänglich. Visuell dominiert hier ein schwarz-weißer Farbklang: Weiße Rundmosaikfliesen vom deutschen Hersteller Hoppe werden an den Wänden und auf dem Boden von schwarzen, organisch geformten, fleckenartigen Mustern überzogen. Eine ähnliche Gestaltung – die ebenfalls der Architekt des Gebäudes verantwortet – findet sich im zweiten Badezimmer auf dieser Etage, das ausschließlich vom großen Schlafzimmer aus betreten werden kann. Ein raumhohes, zum Atrium ausgerichtetes Fenster versorgt das neun Quadratmeter große Bad mit Tageslicht. Während rechts vom Eingang eine bodengleiche Dusche angeordnet ist, befindet sich gegenüber das große Waschbecken Happy D von Duravit. Dieses ist mit einem hinterleuchteten Spiegelschrank mit abgerundeten Ecken überhangen. Durch eine Wand getrennt ist dahinter die Toilette positioniert, von der aus der Blick zu einer freistehenden weißen Badewanne schweift, die durch eine Glaswand von der Duschebene separiert wird. Passend zum schwarz-weißen Farbklang kommen auch die Armaturen ganz in Schwarz daher: der Arne-Jacobsen-Klassiker von Vola.

Duschvergnügen mit Parkplatz-Blick

JOH 3 bietet seinen Kunden neben dieser Mosaik-Variante, die auf Wunsch des Kunden gern auch knallig in Gelb-Weiß daherkommen kann, noch eine zweite Möglichkeit der Badgestaltung an: die gediegene Version in edlem Naturstein. Diese ist in der Wohnung von Stefan Höglmaier zu besichtigen. En suite vom Schlafzimmer zugänglich, bietet sich von hier ein schöner Blick bis zum Tacheles und zur Synagoge in der Oranienburgerstraße. Die Füße erwärmt durch eine Fußbodenheizung, zeichnet sich der Raum durch eine klare Anordnung der Sanitärobjekte aus: rechterhand das Waschbecken und angrenzend die gemauerte Regendusche, linkerhand die vor den Fenstern positionierte, freistehende Badewanne.

Comeback der Siebziger

Die 93 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung vereint alle Charakteristika des Gebäudes. Während der Wohnraum samt integrierter Küchenzeile von Holzrausch und abgesenkter Wohnlounge – eine Reminiszenz an die Siebziger und formschön ausgestattet mit dem Sofa Jalis, das Jehs + Laub für COR entworfen hat – sehr großzügig gelungen ist, gleichen Schlaf-, Kinder- oder Gästezimmer banalen Funktionsräumen. Zuweilen sehr ungünstig geschnitten, erinnern sie so eher an Schuhkartons als an Wohlfühloasen.

Skulptur oder Fassade?

Das Besondere der Architektur von JOH 3 sind sowieso weniger die Innenräume – obwohl jeder einzelne Wohnungsgrundriss unterschiedlich ausfällt – als vielmehr die Qualität der Fassadengestaltung. Diese hebt sich wohltuend ab vom Berliner Einheitsraster. Unzählige, vertikal angeordnete, CNC-gefräste Lamellen wellen sich organisch über die Fassade und sind nicht nur Sicht- und Sonnenschutz für die dahinter liegende Glasfassade, sondern bilden auch die Brüstungen der Balkone. Schaut man von den oberen Stockwerken auf die Dächer Berlins – sind die doch sehr klein geratenen Funktionsräume wohl schnell vergessen.
Weitere Artikel 13 - 14 von 14 Monsieur Etienne: Loft in Paris Wiedergeburt einer Ikone

Informationen aus erster Hand zu internationalen Messen, Ausstellungen und Events.