Wie es sich mit Seeblick kocht

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Text: Claudia Simone Hoff


Die Aussicht ist grandios. Der See glänzt und glitzert und da kann vor lauter Begeisterung schon mal der Fisch anbrennen oder die Milch für den Latte Macchiato überkochen. Die Rede ist von einem schneeweißen Terrassenhaus, das Tec Architecture auf der schweizerischen Seite des Bodensees in Ermatingen realisiert hat.



Die extreme Hanglage des Grundstücks führte dazu, dass sich das Architektenteam für eine dreistufige Lösung entschieden hat, um sowohl die Schweizer Büros von Tec Architecture als auch ein Wohnhaus unterzubringen. Der gesamte Baukomplex ist auf den ersten Blick allerdings nicht zu erfassen, steht das Wohnhaus doch für sich und ist nur durch eine unterirdisch angelegte Garage mit dem Büro-Komplex verbunden, der am unteren Teil des Hangs situiert ist.

Wohnen mit der Natur

Auf der obersten Ebene der Anlage liegt das zweistöckige Wohnhaus des Geschäftsführers von Tec Architecture, das vor allem durch die raumhohen Fensterfronten begeistert, die viel Licht in das Innere bringen. Die Natur schwappt aber nicht nur durch die verschiedenen Lichtstimmungen in das Haus hinein, sondern vor allem durch die wunderbare Aussicht auf den Bodensee. Dabei scheint die grüne Wiese – hier handelt es sich um Rollrasen – vor den Fenstern fast nahtlos in den See überzugehen. Allerdings verfügt das Baugrundstück aufgrund seiner erhöhten Lage über keinen direkten Seeanschluss.

Wenn der Blick beim Kochen in die Ferne schweift

Auffällig sind die großen Räume, die durch schlanke, im Olivgrün des Schweizer Militärs gestrichene Stützen getragen werden – so auch in der Küche, die direkt in den Ess- und Wohnbereich übergeht und so den Trend zur Wohnküche aufnimmt. Während von der Sichtbetondecke eine Dunstabzugshaube herabhängt, befindet sich darunter eine langgestreckte Kücheninsel, die Waschbecken, Kochfeld und Arbeitsplatte in sich vereint – so kann der Bewohner kochend in den Himmel schauen.

Dreht er sich um, erblickt er eine geschlossene, raumhohe Schrankwand, hinter der sich der Kühlschrank, der Backofen, die Einbau-Kaffeemaschine auf Augenhöhe und diverse Stauraummöglichkeiten verbergen. Bei der Einbauküche handelt es sich um das Modell „Amica“ des deutschen Herstellers Leicht, hier in der hochglänzenden weißen Version in Schleiflack. Weiß ist auch die dominierende Farbe im Küchen-, Ess- und Wohnbereich: Der Fußboden ist aus hochglänzendem, weißen Polyurethan gegossen und die gerafften Vorhänge bestehen aus einem Stoff in einem transparenten Weißton, so dass sie die luftige Atmosphäre im Raum noch verstärken.

Designklassiker

Der Hausherr Heiko Ostmann, seines Zeichen Architekt und Geschäftsführer von Tec Architecture, legte nicht nur Wert auf eine hochwertige Küche, auch bei der sonstigen Ausstattung und Möblierung des Hauses wurde nicht auf den Rappen geschaut. Während sich um den Esstisch „LC 6“ von Le Corbusier die Freischwinger „Brno“ von Mies van der Rohe gruppieren, steht im Wohnzimmer ein quietschgrünes Sofa von Patricia Urquiola. In diesem Reigen international renommierter Namen kommt Le Corbusier gleich zweimal vor: Neben dem besagtem Tisch wurden Farben der von ihm entworfenen Farbklaviatur im gesamten Haus verwendet: Weiß, Grün und Pink. Dieser Farbdreiklang kommt besonders schön im Bad zum Ausdruck, wo die Wände farblich in Blockstreifen unterteilt wurden. Dort wurde auch eine Einbaubadewanne von Norman Foster verbaut.

Gegensätze ziehen sich an

Während die Hausseite zum See hin mit den breiten und hohen Fensterfronten offen gestaltet wurde, gibt sich die Südseite des Hauses hermetisch verschlossen, da sich in unmittelbarer Nähe ein Friedhof befindet. Deshalb gibt es hier nur kleine Lichtdurchlässe, die zu einem Rechteck angeordnet sind. Nachts leuchten sie fröhlich-bunt. Da könnte man doch glatt vergessen, wie kompliziert sich die Planungen aufgrund der extremen Hanglage gestalteten.
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