Wunderbares Wohnen in Wien

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Hertha Hurnaus

Sockel, Bühne und Atrium: Die Wiener Architekten von feld72 haben ein Quartiershaus mit besonderen Wohnqualitäten entworfen. Jede Wohnung verfügt einen Balkon, im Haus ist ein Tanzstudio und die Nachbarn trifft man auf der Dachlandschaft oder im Gemüsegarten.

2,60 Meter: Das war den Architekten wichtig. Wer im Altbau wohnt, kann darüber natürlich nur müde lächeln – für einen Neubau bedeutet diese Deckenhöhe hohes Glück. Auch die Bewohner dieses Wiener Stadthauses wissen die 2,60 Meter zu schätzen. Insgesamt 29 Einheiten bietet das Haus im Park von feld72. Mit Quadratmeterzahlen zwischen 38 und 120 spannt sich ein Mix aus verschiedenen Grundrisstypologien, was wiederum Wohnraum für die unterschiedlichsten Bedürfnisse bedient. Und auch wenn es ein gemeinschaftliches Dachterrasse gibt, hat jede Wohnung ihren eigenen Balkon.

Gebaut wurde in der Nähe des neuen Hauptbahnhofs Wien: auf einem Areal, auf dem seit 2015 das Sonnwendviertel Ost entlang des Helmut-Zilk-Parks entsteht. Entwickelt wird ein kleinteiliges, gemischt genutztes und weitgehend autofreies Quartier. Deshalb wurden einige Baufelder auch an Baugruppen vergeben, andere an Wohnbaugesellschaften verkauft.

Mit seinem gestaffelten Haus im Park führt das Wiener Architekturkollektiv feld72 einen Pionier für einen lebendigen Wohnungsbau vor: Auch zeitgenössisches, mehrgeschossiges Wohnen darf schließlich Qualitäten bieten, und muss nicht allein sein Renditeversprechen einlösen. Wenn dieser Neubau im Sonnwendviertel Ost aus der Ferne ästhetisch eher etwas unauffällig bleibt, zeichnen sich schon in den Erschließungszonen erste Besonderheiten ab.

„Ein vor- und rückspringendes vertikales Element aus Profilitglas – das sogenannte Proszenium, die ‚kleine Bühne’ – zieht sich als markante Fuge durch die Fassade, räumlich klar von außen ablesbar.“ Die Architekten sprechen von einer „Wirbelsäule des Gebäudes“, die den natürlich belichteten Erschließungsraum mit übereinander angeordneten Gemeinschaftsräumen kombiniert.

Und weil das Haus sein Umfeld integrieren will, sind die Übergänge von öffentlichen und halböffentlichen Räumen im Erdgeschoss fließend: Entlang des Parks führt eine Wegverbindung über die Arkade zur benachbarten Baugruppe Gleis 21, der offene Innenhof verbindet sich mit dem angrenzenden Quartiershaus MIO.

Damit das Haus im Park auch wirklich lebendig werden kann, schichten die Architekten verschiedene Nutzungen übereinander. Ein Tanzstudio bespielt die Fläche im Erdgeschoss, auf der gleichen Etage ist auch das dem Kundenforum des Bauträgers platziert. Der Bauherr nutzt ebenfalls das zweite Obergeschoss als Bürofläche und schließt damit den Sockel des Neubaus ab.

„Der Sockel ist betont öffentlich wirksam gestaltet und spricht seine eigene architektonische Sprache: transluzent und leicht in der Wirkung durch Profilitverglasung und hellen Putz“, erläutert das Team von feld72. „Darüber liegen die Wohngeschosse mit französischen Fenstern, metallischen Laibungen, strukturiertem Putz und spielerisch gesetzten Balkonen.“ Als verbindendes Puzzlestück zwischen den Nutzungen dient ein weit auskragender Stadtbalkon im ersten Obergeschoss: Er markiert einerseits den Hauseingang und ist Vordach, andererseits bildet er eine Schnittstelle zwischen Sockel und Wohnungen.

Doch zurück zu den Decken: Diese haben ein modulares Tragsystem aus schlanken Formstahlstützen. Weil die Architekten so weit es ging auf tragende Wandelemente verzichtet haben, ergibt sich eine offene modulare Struktur. Dahinter verbirgt sich ein Gedanke an die Zukunft, denn so bleibt das Haus im Park wandelbar – wer weiß schon, wie wir in 50 Jahren wohnen?   

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