Topfgeschichten

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Text: Claudia Simone Hoff


Mal ist er zu schwer, mal zu hässlich, mal nicht funktional, mal zu teuer. Die Rede ist vom gemeinen Kochtopf. Egal, ob er aus Edelstahl, Emaille, Kupfer, Gusseisen oder Aluminium gefertigt ist – an den Töpfen scheiden sich die (Koch-)Geister. Um Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir uns umgesehen nach aktuellen Formen, Funktionen und technischen Innovationen.


Der Kochtopf – ein bereits in der Antike genutztes Gefäß zur Zubereitung von heißen Speisen – gehört seit jeher zur Grundausstattung jeder Küche. Und so gibt es wohl kaum jemanden, der nicht wenigstens einen Topf sein eigen nennt.  Es gibt Töpfe in allen erdenklichen Formen, Funktionen, Farben, Materialien, Größen und Preisklassen. Der Preis jedenfalls sagt nur wenig darüber aus, ob mit einem Topf gut zu kochen ist oder nicht. Dass jedenfalls hat die Stiftung Warentest festgestellt und Töpfe von Unternehmen wie Fissler, WMF, Berndes, Silit, Rösle und AMC auf den Prüfstand gestellt.

Von Töpfen und passenden Deckeln

Der Testsieger der Untersuchung ist aus Edelstahl gefertigt – wie 80 Prozent der verkauften Töpfe. Die Vorteile liegen auf der Hand: Edelstahl ist nicht nur ästhetisch ansprechend, sondern zugleich rostfrei und Energie sparend. Als schlechter Wärmeleiter strahlt es nur wenig Wärme, beispielsweise über die Topfwände, ab. Auch ein noch immer etwas altmodisch anmutendes Material findet bei Kochtöpfen Verwendung: das gute alte Emaille. Ein besonders schönes Exemplar hat der österreichische, auf Emaille spezialisierte Hersteller Riess im Programm: das Modell Aromapots, zeitgemäß gestaltet vom jungen Wiener Designbüro Dottings. Emaille – silikatisches Glas, das bei hoher Temperatur auf Eisen aufgeschmolzen wird – ist eine beständige Oberfläche, die Wärme gut leitet und zudem geschmacklich neutral ist.

Jedoch nicht nur das Material ist entscheidend für die Energieersparnis, auch die Verarbeitung des Topfs spielt eine entscheidende Rolle. So kommt es beispielsweise darauf an, wie dicht und passgenau der Deckel den Topf abschließt. Denn je präziser er sitzt, desto weniger Energie geht verloren und desto weniger Wasser wird verbraucht. Auch das wassersparende Dampfgaren wird bei Hobbyköchen immer beliebter, bewahrt es doch einen Großteil der Vitamine im Gemüse. Schneller Kochen lässt es sich übrigens immer noch mit dem guten alten Schnellkochtopf. Sogar Konstantin Grcic hat sich des Themas angenommen und das Exemplar Subito für den italienischen Hersteller Serafino Zani entworfen. Auch Fissler trumpft mit einem designlastigen Modell auf: Vitavit premium bietet zwei Garstufen sowie eine neuartige Dampfgarfunktion, die ohne Druck funktioniert und somit ein individuelles Kochen ohne fest verschlossenen Topf zulässt.  

Von hungrigen Mäulern und gehäkelten Topflappen

Neben dem Deckel – der oftmals auch aus Glas gefertigt ist, um das Gekochte besser  im Blick zu haben – ist die Beschaffenheit des Bodens wichtig für das Funktionieren eines Kochtopfs. Dieser sollte optimal auf der Kochplatte aufliegen, für moderne Induktionsherde ferromagnetische Eigenschaften aufweisen und die Temperatur möglichst gleichmäßig verteilen. Auch beim Thema Griffe spielt die Temperatur eine entscheidende Rolle. Denn wer hat es nicht schon erlebt? Das Essen ist nach stundenlangen Vorbereitungen gekocht, die hungrigen Mäuler sitzen am Tisch und warten gespannt auf das Mahl. In dieser Eile kann der emsige Koch schnell die von Tante Inge handgehäkelten Topflappen vergessen und prompt ist das Malheur passiert. Das muss nicht sein, denn während Berndes bei seiner Topfserie Bonanza kleine Stoffohren zum Fingerschutz mitliefert, Fissler seine Designedition der original-profi collection mit Kaltmetallgriffen versehen hat, verfügt Quality One von WMF über eine Technologie namens Cool+, welche die Wärmeübertragung vom Topf auf die Griffe merklich reduziert. Allgemein gilt: Während Griffe aus Kunststoff nicht backofentauglich sind und auch bei der Benutzung auf dem Gasherd keine ganz so gute Figur machen, sind es vor allem angenietete oder angelötete Griffe aus Aluminiumguss oder Edelstahl, die schnell zu heiß werden.

Von guten Formen und hohen Preisen

Das bereits erwähnte, konisch gestaltete und damit stapelbare Modell Aromapots von Riess veranschaulicht sehr schön: Für Design-Aficionados steht neben der Funktionalität  und Preisgestaltung das Äußere des Kochtopfs im Vordergrund der Kaufentscheidung. Hier liegen die üblichen Verdächtigen – Hersteller wie WMF, Silit oder Fissler – nicht unbedingt immer ganz vorn, sondern eher kleinere Hersteller mit explizitem Designanspruch wie beispielsweise der italienische Hersteller TVS, der mit Terra eine Kochtopflinie von Matteo Thun lanciert hat. Zum veritablen Klassiker avanciert ist inzwischen die 1986 von Richard Sapper in Zusammenarbeit mit dem Koch Gualtiero Merchesi für Alessi entworfene Topfserie La cintura di Orione. Während die Pfannen, Töpfe, Kasserollen und Sauteusen ursprünglich aus dickwandigem Kupfer gefertigt wurden, kamen in den nachfolgenden Jahren Varianten aus gestanztem und beschichtetem Aluminium mit Antihaftbeschichtung sowie eine Multiply-Ausführung auf den Markt.  Ergänzt hat der italienische Hersteller seine Kochtopfserie in diesem Jahr um die Modelllinie Shiba des japanischen Designers Naoto Fukasawa, die minimalistisch streng daher kommt.

Ein anderer Designklassiker ist der gusseiserne Topf, den Timo Sarpaneva in den sechziger Jahren für den finnischen Hersteller Iittala entworfen hat. Fast könnte man sagen: Formschöner geht es nicht und so schaffte es der Topf gar auf eine finnische Briefmarke, auch wenn die Anschaffung mit 200 Euro zu Buche schlägt. Ungewöhnlich ist die Kombination dreier Materialien: Gusseisen, Emaille und Holz. Gusseisen ist im Übrigen ein Material, das viel Hitze aufnimmt und diese optimal verteilt. Im Allgemeinen schwer zu heben, sorgte Sarpaneva vor:  Mit dem abnehmbaren, geschwungenen Holzgriff lässt sich der Deckel abnehmen und der Topf bequem tragen. Übrigens: Zum Topfschlagen ist jeder Topf geeignet. Design hin oder her.
 

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