Jaime Hayon

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Text: Norman Kietzmann und Katrin Schamun

Jaime Hayon ist das Enfant Terrible der spanischen Designszene und einer der meistbeachteten Jungdesigner unserer Zeit. Geboren 1974 in Madrid zog es ihn nach seinem Studium in Madrid und Paris zunächst zu Fabrica, dem Kommunikations- und Kreativzentrum der Benetton Gruppe in Treviso, unweit von Venedig. 2004 gründete er sein eigenes Studio mit Sitz in Barcelona und schaffte bereits mit seiner ersten Badkollektion für ArtQuitect eine kleine Sensation auf der Mailänder Möbelmesse 2005: Seine phantasievollen Entwürfe widersprachen der Vorstellung, dass ein Badezimmer immer funktional und zurückhaltend sein müsse und spielten stattdessen mit sinnlichen Farben und Formen. Das Badezimmer wurde zu einem Gesamtkunstwerk und aus dem Kontext des Alltäglichen befreit. Angesiedelt zwischen Comic und Wirklichkeit, Zeichnung und Objekt, kindlicher Naivität und erwachsenen Phantasien bauen seine Entwürfe ein eigenes kleines Universum auf. Wir trafen Jaime Hayon in Mailand und sprachen mit ihm über seine neue Inszenierung für Bisazza, seine Faszination für Gold und was ihn mit den Ägyptern aus der Pharaonenzeit verbindet.
Herr Hayon, für Bisazza haben Sie hier in Mailand eine ganze Phantasiewelt aufgebaut mit einem großen Pinocchio im Zentrum. Ist das nicht eine ziemlich ungewöhnliche Präsentation für einen Designer?
Für mich fing dies mit der Idee einer Installation an. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich eher ein Künstler, der in der Designwelt arbeitet. Meine ersten Werke basierten auf Kunstinstallationen, die ich für Galerien entwickelt habe. Mit Design hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts zu tun. Schritt für Schritt kam ich dann in meiner Arbeit immer mehr mit Möbeln in Berührung. Diese spezielle Installation hier ist die dritte ihrer Art, die ich in einem größeren Umfeld präsentiere. Ich wollte zeigen, wie Mosaike für Wohnelemente und Möbel benutzt werden können, in unterschiedlichen Typologien von Formen und Materialien.
Was hat es mit dem Pinocchio auf sich?
Der Pinocchio ist ein Teil meiner Vergangenheit. Ich habe ihn bereits vorher einmal als eine kleine Puppe in Japan angefertigt. Dies hier ist nun die Reproduktion in einen riesigen Maßstab für diese Art von Objekt. Für mich ist es ein skulpturales Element, bei dem ich die Mosaike auf eine künstlerische Weise verwendet habe. In meiner Arbeit versuche ich oft, die unterschiedlichen Projekte über dieselben Objekte zu verlinken. Mein Kaktus hier war zuvor auch schon im Badezimmer und anderen Installationen zu sehen. Ich habe von einem zum anderen Projekt gelernt, dass dies einen spannenden Dialog erzeugt.
Bei einigen Ihrer Produkte bauen Sie mitunter auch kleine Irritationen mit ein. So sind die Füße von Tischen oder Stühlen oft unterschiedlich in Form und Farbe gewählt. Fast so also wäre bei der Montage etwas schief gelaufen…
Wissen Sie, mein Design ist sehr intuitiv. Ich kam einst zu der Garage eines Freundes und sah dort verschiedene Teile von einem Motor herumliegen. Ich dachte mir sofort: Die könnten ein schönes Bein sein – als Icon für einen Tisch. Dabei kam mir die Idee, dass es spannend wäre, sie mit einem sehr speziellen Marmor sowie mit Mosaiken zu kombinieren. Ich wollte auf spielerische Weise mit ihnen umgehen.
Sie haben auch wieder viel Gold verwendet und es mit weißer Keramik oder weißen Lacken kombiniert. Was fasziniert Sie an dieser Farbe?
Ja, ich mag Gold sehr und habe es bereits oft benutzt. Es ist sehr chic und hat einen warmen Effekt. In sich selbst schafft es eine große Harmonie. Ich erinnere mich noch an mein erstes Badezimmer, das ich in Gold gemacht habe. Es war ein ziemlicher Schockeffekt, denn viele Leute sagten: Gold ist doch alt. Aber ich sagte: Gold ist nicht alt. Höchstens falsch benutztes Gold ist alt. Ich glaube wirklich fest daran, dass Gold, wenn Sie wissen, wie Sie es benutzen sollen, ein großartiges Material sein kann. Ich liebe es.
Mit Ihrer Badkollektion für Artquitect haben Sie vor zwei Jahren für eine kleine Revolution im Baddesign gesorgt. Wie war Ihre Annäherung an dieses Thema?
Das Bad war für mich zunächst nur ein anderes Spiel für eine Installation. Ich habe nie zuvor ein Badezimmer entworfen und wusste auch nichts zu diesem Thema. Deswegen ist es sicher auch so anders geworden. Ich habe zum ersten Mal mit klassischen Materialien wie Keramik gespielt und mit ihnen herumexperimentiert. Ich wollte ihnen eine Menge Innovation geben, ebenso die Fusion von Funktionen herzustellen – wie zum Beispiel einen Spiegel oder eine Leuchte, die mit dem Waschbecken verbunden sind. Es ging um die Kombination von Materialien zu Sets, der Tisch auf der einen Seite, das Becken auf der anderen Seite und das Licht auf einer weiteren Seite. Das schafft eine Harmonie, die es für mich zu entdecken gab.
Sie arbeiten auch stark grafisch. Oft hat man selbst bei den fertigen Objekten den Eindruck von etwas Zweidimensionalen, etwas Gezeichnetem.
Ja, ich denke manchmal, ich stamme von den Ägyptern ab, weil ich diese hieroglyphenartige Erklärungsweise habe. Ich meine, es ist wie in einer Pyramide. Dort gibt es ein Grab mit Inschriften, die die Welt und die Geschichte erklären. Ich entwerfe auch oft mit der Hand. Dann wandeln wir alles um im 3D und machen Metamorphosen davon. Viele Dinge sind auch Handarbeit wie zum Beispiel der große Pinocchio hier. Manchmal arbeite ich selbst an dem Objekt, manchmal zeichne ich gleich. Aber eigentlich bin ich kein begnadeter Zeichner. Ich mag nur, die Dinge in meiner eigenen Vision umzusetzen, in meiner eigenen Herangehensweise. Die Dinge haben sich so ergeben, dass ich meinen Platz in der Designwelt gefunden habe, ein Künstler zu sein und mit großartigen Herstellern zusammenarbeiten kann. Im Grunde sind Installationen wie diese viel besser für mich als eine Galerie.
Gibt es einen Hayon-Stil?
Die Menschen tendieren immer dazu, mich zu klassifizieren. Er ist Realist oder ein Neo-Barock-Was-Auch-Immer. Ich meine, viele Leute verbinden meine Objekte mit Barock. Aber so Barock bin ich eigentlich gar nicht, denn ich mag nur einige bestimmte Elemente davon. Ich finde es viel spannender, verschiedene Dinge zu mixen. Es muss nicht nur ein Stil sein. Ich versuche, aus unterschiedlichen Zutaten meinen eigenen Stil zu kreieren.
Vielen Dank für das Gespräch.

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