Bürotraum in Bergen

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Text: Tim Berge
Foto: Rasmus Norlander

Das Bergen International Festival in der norwegischen Stadt ist das größte Musik- und Theaterereignis seiner Art in Nordeuropa. Die Organisation eines solchen Ereignisses nimmt das ganze Jahr in Anspruch, wobei die Zahl der beteiligten Mitarbeiter je nach Planungsphase stark variieren kann. Diesem Aspekt sollte das Architekturbüro Eriksen Skajaa bei der Planung des neuen Festival-Hauptquartiers besondere Beachtung schenken: Herausgekommen ist eine wandelbare Bürostruktur im Open Space mit eingeschobenen Holzhütten.

Die Veränderung hätte nicht größer sein können: von einem klassischen Verwaltungsgebäude mit standardisierten Zellenbüros in eine offene, loftartige Struktur mit Workshop-Charakter. Den Machern des seit 1953 existierenden Festivals war es ein dringendes Bedürfnis, ihre Räumlichkeiten modernen Arbeitsformen anzupassen und den Mitarbeitern ein bisschen frischen Wind um die Ohren zu pusten.

Flexible Raumstruktur
Der frisch gegossene Estrich zieht noch seine wellenförmigen Schlieren, und auch sonst wirkt alles neu in dem Dachgeschoss mitten im Zentrum Bergens. Vor allem die Raumorganisation mit einem Wechsel aus offenen, halboffenen und geschlossenen Flächen entspricht nun den Wünschen der Festivalleitung und auch einer zeitgemäßen Büroarchitektur. In der Veranstaltungsplanung schwanken die Belegschaftszahlen und der Arbeitsdruck über das Jahr erheblich, da die verschiedenen Planungsphasen unterschiedliche Intensitäten haben. Daher sollte das Büro schnell wachsen und wieder schrumpfen – und konzentrierte Einzelarbeit genauso wie chaotische Teamsitzungen zulassen können. Eriksen Skajaa Architekten ermöglichen dies mit halbtransparenten, teilweise flexiblen Raumteilern und einer „fließenden Flächenaufteilung“, die sich den abweichenden Kapazitäten anpasst. 

Pläne und Zeichnungen
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Holz vor der Hütte
Neben einer variablen Raumaufteilung spielte Materialität die Hauptrolle in den Planungen der Architekten: Das Büro sollte Produktivität vermitteln und Bezüge zur Veranstaltungswelt bieten. Die Decke des Eingangsbereichs ist schwarz gestrichen, wie überhaupt alle Flächen in den Neben- und Sozialräumen: eine Reminiszenz an Theaterarchitektur, in der oft dunkle Oberflächen eine sonderbar intime und wohlige Atmosphäre schaffen. Ansonsten fällt der Blick auf Holz, verarbeitet zu schmalen, hoch stehenden Rahmen, die als Wandelemente die Räume einfassen. Der Wunsch der Bauherren nach einer „Atmosphäre des Schaffens“ ließ die Architekten auf den Gedanken kommen, mit „unfertig wirkenden“ Holzstrukturen zu arbeiten. Mal sind sie ausgefüllt und blickdicht, mal hohl und sichtdurchlässig. Immer wieder wandeln sich die Rahmen zu Regalen oder bieten Platz zum Hinsetzen und konzentrierter Einzelarbeit.

Ein Büro im Spagat
Um die in die Etage eingeschobenen Raumboxen nicht als geschlossene Volumen wirken zu lassen, wurden sie ebenfalls mit den sichtdurchlässigen Holzrahmen verkleidet, die sich vor eine schalldämmende Glashaut setzen: So werden selbst die wenigen Einzelzimmer – zumindest visuell – zum Teil der offenen Bürostruktur. Der neue Arbeitsplatz der Festivalleitung schafft mit geschickt eingesetzter Architektur den Spagat zwischen festen und flexiblen Raumsituationen, ohne dabei wie ein Zellen- oder Großraumbüro auszusehen.

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