Email für Dich II: Liebe im Detail

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Text: Tim Berge

Jeder kennt das angenehme Gefühl eines maßgeschneiderten Anzugs mit seiner perfekten Silhouette oder den Anblick eines zentimetergenau eingebauten Regals, das sich ohne Raumverlust zwischen zwei Wände fügt. Bei Badobjekten schien es diese handwerkliche Perfektion bislang nicht zu geben: Bis das ostwestfälische Familienunternehmen Bette eine Designstrategie entwickelte, die genau diese Perfektion ermöglicht. Und Anfang dieses Jahres ein neues Emaillierwerk in Betrieb nahm, mit dem individuelle Wannenlösung zum Standard werden.

Ungenutzte Zwischenräume gehören zum gewohnten Anblick in Bädern: Zwischen Waschtischen, Duschen, Badewannen und WCs versuchen zusätzliche Fliesenreihen oder extra-breite Silikonfugen verzweifelt, die Platzverschwendung zu kaschieren. Dieses Dilemma könnte bald der Vergangenheit angehören.

Das große Los
Die Nebeneinanderstellung sitzt: „Verglichen mit dem Design eines modernen Autos war das Bad lange eine beliebig wirkende Ansammlung von Sanitärapparaten“, erläutert Bettes Marketingchef Sven Rensinghoff. „Doch das ändert sich. Die Menschen orientieren sich bei der Ästhetik von Premium-Lösungen traditionell an handwerklicher Perfektion. Maßarbeit ist ein Maßstab für hohe Qualität des Produkts“, ergänzt er. Bettes Ziel ist der zunächst ominös klingende Wert „Losgröße 1“: ein produktionstechnischer Begriff, der für die Menge einer Produktart steht, die in einer Herstellungsstufe als geschlossener Posten – also ohne Unterbrechung durch die Fabrikation anderer Objekte  – gefertigt wird. Je geringer der Wert, desto höher liegt der Individualisierungsgrad. 

Klasse statt Masse 
Perfekte Materialübergänge, millimetergenau eingepasste Oberflächen, abgestimmte Farbigkeit: Standard war bei Bette gestern. Geschäftsführer Thilo C. Pahl sagt: „Das neue Emaillierwerk ist nicht auf Masse ausgelegt – aber es schafft Spielräume in der Produktivität und in der Kapazität bis auf mittlere Sicht.“ Ein Besuch im neuen Emaillierwerk offenbart ein beeindruckendes Schauspiel: Eine nicht enden wollende Abfolge von unterschiedlichen Badobjekten schwebt durch die neue Halle. Wannen, Duschflächen und Waschtischlösungen werden wie von Zauberhand gelenkt, von Robotern gescannt und durchlaufen ihre individualisierten Programme. 

Neben mehr Flexibilität und höherer Produktivität erhofft sich der ehemalige Geschäftsführer Fritz-Wilhelm Pahl auch Fortschritte bei der Perfektionierung der hauseigenen BetteGlasur: Dünnere Email-Schichtdicken erzeugen brillantere Oberflächen und sind wesentlich elastischer. Doch es braucht nicht nur die Hightech-Künste eines Roboters: Am Ende ist menschliches Können gefragt, um den Bette-Produkten ihren letzten Schliff zu geben. Und auch die Mitarbeiter profitieren von der neuen Anlage und ihren ergonomisch optimierten Arbeitsplätzen: So fahren Hebebühnen die Werker beim Beschichten hoch und runter – das schont Rücken und Gelenke.

In der Maßschneiderei
Die Flexibilität der Badobjekte liegt nicht in ihren Kernen, die durch die Ergonomie des Körpers wenig Spielraum ermöglichen, sondern in den Randflächen: Diese können – je nach Bedarf – schmaler oder breiter gehalten werden. Der Zuschnitt erfolgt in der Bette-Maßschneiderei, in der, mit einer Mischung aus Maschinen- und Manufakturarbeit, die Objekte passgenau angefertigt werden. Der Versuch, Badmöbel und Architektur zusammenzuführen, begann bereits vor einigen Jahren bei der Entwicklung der bodenebenen Duschflächen BetteFloor und BetteFloor Side sowie der in Flächen integrierbaren Wanne BetteLux. „Menschen erwarten heute, dass es passt. Das individualisierte Produkt auf Maß ist zeitgemäß – und weitgehend machbar. Mit der Maßschneiderei können wir individuelle Produkte jedweder Art verwirklichen – das kommt dem Planer entgegen“, so Rensinghoff.

Mit dem zu Jahresbeginn in Betrieb genommenen Emaillierwerk und der damit einhergehenden Optimierung seiner Fertigungsprozesse verschiebt Bette mal wieder die Grenzen des Möglichen: Eine geheime Leidenschaft des Unternehmens, dessen Vision vom „persönlichen Stahl/Email-Badobjekt“ langsam zur Realität wird.

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