Eurocucina 2014: Eine Vorschau

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: Hersteller

Sechs Tage sind es noch, bis in Mailand – zeitgleich mit dem Salone del Mobile – die 20. Ausgabe der Küchenmöbelmesse Eurocucina eröffnet. Mit dabei auf dem Messegelände und in den Showrooms der Stadt: alles, was Rang und Namen und irgendwie zu tun hat mit Küchenmöbeln, Tableware, Food und Genuss. Damit Sie die Vorfreude voll auskosten können, präsentiert Ihnen Designlines schon heute einige der Highlights!

Auf 25.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche stellen in den Mailänder Messehallen 9, 11, 13 und 15 vor allem die designaffinen italienischen Hersteller ihre Neuheiten vor: Binova, Dada, Alpes Inox, Ernestomeda, Elam, Elmar, MK Cucine, Poliform, Rossana und Scavolini. Erfreulich, dass einige von ihnen den Weg zurück auf die Messe gefunden haben – nach teils jahrelanger Abstinenz: Valcucine, Cesar und Schiffini beispielsweise. Dass die italienischen Hersteller so stark präsent sind, hat aber wohl nicht nur mit dem Standort Mailand zu tun.

Auf und Ab: die Küchenmöbelindustrie
Denn die Exporte der italienischen Hersteller sind um knapp sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, während die deutsche Küchenmöbelindustrie mit stagnierenden Zahlen kämpft. Doch wenigstens gingen die Umsätze der deutschen Küchenmöbelindustrie im Jahr 2013 nicht so stark zurück wie in der Möbelindustrie allgemein, wo die Einbußen bei 3,7 Prozent liegen. Für 2014 besteht sogar ein kleiner Hoffnungsschimmer: Während die Auftragseingänge für den Küchenmöbelsektor 2013 um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr stiegen, liegt der Zuwachs bei den Auftragseingängen aus dem Ausland sogar bei 4 Prozent. Der Umsatz blieb im Vergleich zum Vorjahr mit 4,3 Milliarden Euro unverändert. Wohl auch aufgrund dieser eher ernüchternden Zahlen sind nur wenige Hersteller aus dem deutschsprachigen Raum unter den 130 Teilnehmern der Eurocucina vertreten: Alno, Häcker Küchen, Nobilia, Steininger, Team 7, Leicht Küchen und Werkhaus – während andere namhafte Unternehmen wie Bulthaup und Poggenpohl ihre Neuheiten lieber in der Stadt präsentieren.

Auf der Messe: Alles Design oder was?
Die Sonderschau Technology For the Kitchen (FTK) findet zum 6. Mal parallel zur Eurocucina statt und zeigt auf 9800 Quadratmetern Fläche neben Zukunftsszenarien wie die vernetzte Küche, vor allem Elektrogeräte, die gerade en vogue sind in der Küche. Dazu gehören in der Arbeitsplatte versenkbare Abzugshauben (Siemens), Kälteschubladen (Sub-Zero) oder gestaltungsstarke Gasherde (Electrolux). Während einige Unternehmen wie beispielsweise Samsung – die verstärkt in den Markt der Home Appliances expandieren wollen – ihre Geräte verbaut in Küchenmöbeln an verschiedenen Messeständen zeigen, sind andere namhafte Hersteller mit einem eigenen Stand auf der FTK vertreten: BSH Bosch und Siemens Hausgeräte, Electrolux, Elica, Franke, Gaggenau, Miele, Neff, Scholtès, Smeg und zum ersten Mal auch die amerikanische Sub-Zero Group.

Auffällig: Immer mehr Elektrogerätehersteller erkennen den Mehrwert von Design, was sich ausdrückt in neuen Formen, Farben und Materialien sowie der Berücksichtigung von nachhaltigen und ergonomischen Aspekten. Damit droht den seit jeher designaffinen Herstellern wie Gaggenau oder Scholtès Konkurrenz – auch von Unternehmen aus niedriger positionierten Preissegmenten. Ein Trend nämlich verfestigt sich, parallel zum Designfokus: Es geht längst nicht mehr nur um technische Innovationen. Stattdessen rückt das emotionale Erlebnis Küche und Kochen in den Fokus, werden Gesundheit, Effizienz und Komfort zu den Geboten der Stunde – auch bei den Elektrogeräten. Dunstabzugshauben – lange Stiefkinder des Designs – versinnbildlichen diesen Trend. Denn neben ihrer eigentlichen Funktion, dem Absaugen unangenehmer Gerüche, haben sie sich zum absoluten Designtool entwickelt. Und so zeigt nicht nur Siemens auf der FTK eine Design-Esse. Der italienische Hersteller Elica wird an einem aufwändig inszenierten Messestand mehrere Neuheiten mit Designfokus vorstellen – darunter die Insel-Dunstabzugshaube Ye von Fabrizio Crisà, die in dem für Abzugshauben neuem Material Cristalplant gefertigt und zudem mit einer Fernbedienung  und integrierten LED-Leuchten von iGuzzini versehen ist.

In der Stadt: Das große Fressen
Und was ist bisher durchgesickert an Neuheiten? Schiffini präsentiert auf der Messe Ergänzungen zu seinen Küchenprogrammen Pampa und Mesa von Alfredo Häberli, während die Italiener in ihrem Showroom in der Stadt den skulpturalen Küchenblock Drawer Kitchen der deutschen Designerin Gitta Gschwendtner zeigen. Mit seinem Schubladenkonzept soll er den Funktionsbereich Küche mit dem öffentlichen Bereich Ess- und Wohnzimmer verbinden. Die Küchenhersteller – allen voran die italienischen – setzen gern auf bekannte Designernamen. So darf man gespannt sein auf Boffis Neuheiten zum 80. Geburtstag des Herstellers und das, was sich Art Director Piero Lissoni zum Jubiläum ausgedacht hat. Von Scavolini hingegen weiß man schon, was kommen wird: die Küchen- und Bad-Kollektion KI des japanischen Designbüros Nendo. Im Mittelpunkt des Konzepts, zu dem auch ein Stuhl und eine Abzugshaube gehören: ein Aufbewahrungssystem mit Containern, deren abgerundete Form sich beim Spülbecken und Kochfeld wiederholt und die in verschiedenen Oberflächenausführungen zu haben sind. Apropos Oberflächen: Dada stellt eine lediglich 12 Millimeter dicke Schranktür vor (Vela von Dante Bonuccelli), Toncelli eine Küche aus Karbon (Invisible von Studio Carlesi Design) und auch das Projekt Islands von Raw Edges verspricht interessant zu werden. Das israelische Designerduo nämlich nimmt die Oberflächen von Caesarstone als Ausgangspunkt für den Entwurf seiner Kücheninseln. Die werden übrigens während der Möbelmesse im Palazzo Clerici von der französisch-amerikanischen Köchin Alice Delcourt bespielt und auf Alltagstauglichkeit geprüft. Im Spazio Pontaccio indes geht es elitärer zu. Hier wird Matias Perdomo kochen, während seine Gäste aus Gläsern von Lee Broom trinken, mit einem goldenen Besteck von Alessandro Zambelli essen (Seletti) und die kulinarischen Kreationen des Ein-Sterne-Kochs auf Tellern von Federico Pepo angerichtet sind.

Was auf den Tisch kommt
Tableware und Küchenaccessoires sind während der Eurocucina übrigens ebenfalls in Mailand zu sehen – kein Wunder, sind sie doch ebenso integraler Bestandteil des Wohn- und Kochprozesses wie Küchenmöbel und Elektrogeräte. Mit ihnen kann die Küche leicht und vergleichsweise günstig (neu) gestaltet werden. Vielleicht sind Tableware und Küchenaccessoires deshalb auch so ein beliebtes Spielfeld von Jungdesignern. Nicht nur stellt 45 Kilo seine geschliffene Glasserie Ray Glasses und Maria Volokhova ihre Serie von Vanitas-Objekten in der Ausstellung Berlin Design Selection 2014 in Ventura Lambrate vor. Während des Fuori Salone machen auch die österreichischen Newcomer in der großangelegten Schau Austria – Confessions of Design mit schönen Dingen für den gedeckten Tisch auf sich aufmerksam: Andrea Baumann und Maria Schlinger tauchen ein Teeservice in Gold (Gold dish), während Vera Wiedermanns Schale Eva aus einem Ding mehrere Funktionen zaubert.

Der Küchen-Aficionado zählt die Tage. Das darf er auch, denn Mailand ist gut gerüstet: mit riesigen Showküchen (Miele), Messeständen in Form eines klassischen Vierkanthofs inklusive Slow Baking und biologisch-dynamischen Weinanbau nach anthroposophischen Grundsätzen (Gaggenau), ungewöhnlichen Materialien wie Leder in der Küche (Rossana), Bubble Lounges (Sodastream), technisch avancierten Bussystemen zur Hausgerätevernetzung (Busch-Jaeger und Miele) und Tableware-Labels, von denen man bisher noch nie gehört hatte (J. Hill‘s Standard).

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