Special: Island

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Text: Jeanette Kunsmann

„Was muss man tun, um auf Island aus einem Wald rauszukommen? Aufstehen!“ Vermutlich gibt es mehr Klischees über diese Insel zwischen Europa und Amerika, als Menschen auf ihr leben. Vulkane, Gletscher und Wasserfälle, generell viel Wasser (ob als Eis, Nebel oder Regen), machen Island in jeder Hinsicht besonders: besonders hart, besonders einsam, besonders fantastisch, wenn man an die Landschaft und die Naturschauspiele denkt. Wer einmal auf Island war, möchte immer wieder zurück.

„Mallorca des Nordens“ titelte die Süddeutsche Zeitung am Dienstag auf Seite eins und druckte einen Artikel über die steigende Touristenanzahl auf Island während der Fußball-Europameisterschaft. Björk, Jón Gnarr, Sigur Rós, Baltasar Kormákur und Hallgrímur Helgason – nach dem Staatsbankrott (auf isländisch „Kreppa“) 2008, dem Ausbruch des Eyjafjallajökull im April 2009, der Eröffnung der Konzerthalle Harpa mit der funkelnden Fassade von Olafur Eliasson im Jahr 2011, demselben Jahr, in dem Island zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse war, fehlte mal wieder eine gute Nachricht von der Vulkaninsel. Dass die Isländer nun zu den ernst zu nehmenden Fußballnationen zu zählen sind, steht außer Frage – die isländischen Fans haben durch ihren Huh!-Huh!-Huh!-Schlachtruf neben den irischen einen Platz in den europäischen Herzen erobert. Und so boomt nun der Tourismus wie noch nie, was natürlich am Ende wieder auf die Krise zurück zu führen ist.

Dabei sind die Isländer alles andere als Wikinger, schließlich bevölkerte die Insel einst eine Bauernnation, die keine Lust mehr hatte, zur See zu fahren. Und es gibt auch kein, wie so oft behauptet, offizielles Amt eines Elfenministers. Wenn die Hühner plötzlich aufhören, Eier zu legen, Maschinen und Planierraupen auf mysteriöse Weise nicht mehr funktionieren oder sich Unfälle häufen, steckt dahinter aber vielleicht ein Elfenfluch: Die betroffene Straße bekommt einen ausweichenden Knick. Die Sagas, die Feen, Elfen und Trolle – überall Wind, Nebel, es riecht nach Fisch, und der Hummer kostet soviel wie bei uns eine Currywurst. Und ach, da vorne, war das nicht schon wieder ein Regenbogen?

„Immerhin. Ich versuche wenigstens aufzuwachen, ehe es dunkel wird“, sagt Hlynur, der Protagonist in 101 Reykjavík. Im Sommer ist das leichter, dann ist es immer hell.

Viel Spaß in Island!

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