Blau ist das neue Grün: Vorschau auf die ISH 2011

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Text: Cordula Vielhauer


Feuer und Wasser sind die Antipoden, zwischen denen sich der moderne Wohnraum aufspannt. Standen wir vor wenigen Wochen – auf der LivingKitchen zur imm cologne 2011 – ganz im Bann der domestizierten Feuerstelle, erwartet uns auf der ISH in Frankfurt die Betrachtung des Wohnens von der gefassten Quelle aus. 2.300 Hersteller werden hier vom 15. bis 19. März 2011 ihre Lösungen für den Sanitärbereich vorstellen, die Messehallen sind komplett ausgebucht, rund 200.000 Besucher werden erwartet. Stand die ISH vor zwei Jahren ganz im Zeichen der „Farbe“ Grün, waren Nachhaltigkeit, Wasser-Sparen und Ökologie die bestimmenden Themen, trauen sich die Hersteller dieses Jahr wieder, weitergehende Aspekte der Nutzung von Wasser zu proklamieren, die über den immer flacher werdenden Badewannenrand hinausweisen. Vorsichtig zwar, denn Nachhaltigkeit ist weiterhin das Gebot der Stunde. Doch unter Losungen wie „Wasser als therapeutisches Element“ soll das kühle Nass wieder jenseits von Sparzwängen erlebt werden können.

 
 
„Wasser ist Leben“ ist das Motto von ISH Water, dem Teil der Messe, der ganz dem Bad gewidmet ist und die östlichen Hallen 3 bis 6 belegt. Drei Haupttrends hat die ISH ausgerufeb, die die Entwicklungsfelder der Hersteller spiegeln: „Green Bathroom: Zurück zur Natur!“, „Easy Bathroom: Einfacher geht’s nicht!“ und „Bathroom Interior: Weg von der Wand!“. Sie werden im Trendforum der ISH in Halle 3.1 vertieft. Auch die bereits 2009 lancierte Initiative „Blue Responsability“, an der sich Unternehmen wie Dornbracht oder Bette beteiligen, wird in diesem Jahr weitergeführt. In einem eigenen Ausstellungsbereich können Besucher zudem die Ergebnisse des Wettbewerbs „Design plus“ besichtigen, den die Messe in Kooperation mit dem Rat für Formgebung auslobt.
 
Bathroom Interior: Weg von der Wand!
 
Während es vom Herd aus betrachtet die Ess- und Wohnbereiche sind, die näher zusammenrücken, liegt beim intimer genutzten Bad die Annäherung an den Schlafraum nahe. Ein inzwischen preisgekröntes Beispiel dafür lieferte bereits vor zwei Jahren die Linie Axor Urquiola. Dieser Trend findet sich zum einen in der Gestaltung und Materialität der Badmöbel und Sanitärelemente wieder, ein anderer Hinweis darauf ist die Positionierung der Objekte im Raum, die sich von der klassischen Vorwandinstallation wegbewegt. Der niedersächsische Hersteller Alape wird auf der Messe unter anderem die Weiterentwicklung eines frei im Raum stehenden Waschplatzes vorstellen. Auch die von Matteo Thun gestaltete Serie Onto von Duravit, in der Holz wie selbstverständlich zum Einsatz kommt, betont den wohnlichen Charakter des Badezimmers.
 
Der von der ISH ausgerufene Trend „Bathroom Interior: Weg von der Wand!“ steht aber eigentlich für einen anderen, die Badgestaltung beeinflussenden Aspekt: den demografischen Wandel mit einer zunehmend älter, aber auch erfahrener und anspruchsvoller werdenden Gesellschaft. Dieses Bewusstsein erfordert ein Umdenken bei der Nutzung und Bedienbarkeit der Badelemente im Sinne eines Universal Design, wie es der Hersteller FSB in seinem barrierefreien Griffprogramm ErgoSystem bereits anbietet. Auch das Schweizer Unternehmen Laufen steht für diese Haltung mit seiner Serie Laufen pro liberty, die zur aktuellen ISH um einen unterfahrbaren Waschtisch mit Griffmulden zum einfachen Heranziehen ergänzt wird. Das Motto „Easy Bathroom: Einfacher geht’s nicht!“ rückt diese Thematik ebenfalls in den Fokus.
 
Green Bathroom: Zurück zur Natur!
 
Im Gegensatz zum Feuer hat das Wasser ja eher spät Einzug in das Heim gehalten. Die ISH nennt das Kind beim Namen und fordert: „Green Bathroom: Zurück zur Natur!“ Und das sieht man den entsprechenden Produkten – von der Regendusche bis zur holzverkleideten Badewanne – an. Der Hersteller Dornbracht setzt diesen Trend beispielsweise mit der neuen Armatur Deque von Sieger Design um, deren flacher und breiter Auslauf den Fluss des Wassers zur Inszenierung erhebt: Der breite Strahl wird in viele feine Fäden aufgeteilt, die das Wasser weich und Kaskaden-ähnlich in das nahe Becken fließen lassen.
 
In Thermal- und Heilbädern kann man die therapeutische Wirkung von Wasser auf unseren Körper erleben. Doch warum sollte man diese Erkenntnisse nicht auch auf das Bad zu Hause anwenden? Den verantwortungsvollen Gebrauch der wertvollen Ressource, der dennoch den sinnlichen und gesundheitsfördernden Aspekten dieses Elements Rechnung trägt, thematisiert zum Beispiel der Emaille-Spezialist Bette. Er wird zur ISH eine nach dem Entwurf des Potsdamer Designers Dominik Tesseraux gestaltete Wanne mit einem besonders flachen Profil vorstellen, das sowohl eine sparsame als auch entspannende Nutzung des Wassers ermöglichen soll.
 
Lösungen für den Objektbereich
 
Eine Nische bedient das Unternehmen Alape, das zur ISH das Thema Kleinstwaschplätze in den Fokus seiner Neuentwicklungen rücken wird: Die Serie Insert soll es in einer Variante mit Stauraum sowie als Ecklösung geben. Auch der Armaturen-Hersteller Vola will sein Spektrum erweitern: Neben zeitlosen Designklassikern wird er sein Sortiment weiter auf das Feld der Badaccessoires ausdehnen. So stellt Vola zur ISH die runde Serie vor, deren Papierspender und -auffangbehälter als Blickfang sowohl in privaten als auch halböffentlichen Bereichen zur Anwendung kommen können.

Die Designmarke Axor von Hansgrohe bringt zur ISH neuartige elektronische Armaturen auf den Markt, bei denen das Sensorfenster nahezu unsichtbar auf der Unterseite des Wasserauslaufs positioniert ist. Dadurch können die Serien Axor Citterio und Uno2 elektronisch ausgestattet werden. Die berührungslose, intuitive Bedienbarkeit macht diese Modelle damit besonders für den öffentlichen Bereich interessant.
 
Baden mit Plan
 
Kreative und Planer werden auf der ISH bevorzugt behandelt: Architekten, Designern und Ingenieuren bietet die Messe in der Outlook-Lounge in Halle 4.2 einen Treffpunkt mit kostenlosen Getränken und Snacks an. Dieser Bereich ist auch Ausgangspunkt für die kostenfrei geführten Themenrundgänge, zu denen man sich im Vorfeld anmelden kann. Donnerstag, der 17. März, steht als „Architektentag“ ganz im Zeichen von „Architektur heute – Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil für Investoren und Architekten“. Auch der neu geschaffene „Europäische Architekturpreis 2011 Energie + Architektur“ wird an diesem Tag verliehen.
 
Und wer schließlich doch noch das „Feuer“ sucht, muss nur ein paar Schritte weiter in Richtung Westen gehen: In den Hallen 8 bis11 versammelt sich die Branche der Heiz- und Klimatechnik unter dem Namen ISH Energy. Echte Feuerstätten, die das archaischste aller Elemente zeitgemäß in Szene setzen, findet man in Halle 9.2 mit einer Ausstellung innovativer Kamine, Kachelöfen und Herde.

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