Ampelphase 8: Heimat ist ein Gefühl

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Foto: Holger Peters, 28.08.2017

Partner: Vitra

Alle zwei Jahre bespielen unterschiedliche Architekturbüros eine Schaufensterfront und versüßen damit staugeplagten Autofahrern das Warten – so das Konzept der Ampelphase im Frankfurter Vitra Showroom. Dieses Mal setzen sich die Planer mit dem Begriff Heimat auseinander und finden ganz verschiedene Antworten, die sich zu einem großem Bild verbinden.

Es ist nicht ganz so radikal wie vor neun Jahren, als ein Architekt eine Woche lang im Schaufenster wohnte, um Leben auf engstem Raum zu demonstrieren. Wenn man heute bei Instagram den Hashtag #ampelphase eingibt, sieht man eine goldene Wurzel und einen wilden Stapel aus gelben Stühlen: Es sind zwei der sechs aktuellen Installationen im Schaufenster des Vitra Showrooms, die sich mit den Themen Heimat, Migration und Integration auseinandersetzen.

Die Ampelphase erfindet sich Runde für Runde neu und verfolgt dabei doch einen roten Faden. Anknüpfend an die vorangegangenen Ausstellungen werden wie immer raumgreifende Phantasien ausgestellt, die eigens für die Ampelphase entworfen wurden – Pläne, Modelle und Fotos sind zum Beispiel nie zu sehen. Und so kann das aktuelle, übergeordnete Motto auch für die gesamte Ausstellungsreihe gelten: Same same, but different. Die Frage nach Heimat und Migration haben die diesjährigen sechs Architekten dabei als spezielle Aufgabenstellung selbst gewählt und diskutiert.

Schnüre, Stühle und eine Kuckucksuhr
Ist Heimat ein Dorf, eine Schmuckschatulle, eine renovierte Zechenanlage? Ist es ein weißes Zimmer, ein Generator oder bleibt es einfach „ein eher schwer zu definierendes Gefühl“? Die Frankfurter Studios Atelier Markgraph, BilleBeyeScheid Architekten und MSM Meyer Schmitz-Morkramer sowie Obermeyer Planen + Beraten aus München, RitterBauer Architekten aus Aschaffenburg und Rossmann + Partner Architekten aus Karlsruhe haben sich in den letzten Monaten intensiv mit dem Begriff Heimat und seiner Bedeutung auseinandergesetzt und ganz verschiedene Antworten gefunden.

Entstanden sind unter anderem ein Heimatgenerator in Form einer riesigen Kuckskucksuhr, ein begehbarer Bildraum und eine dreidimensionale Weltkarte, auf der rote Schnüre Herkunft und Standorte der Mitarbeiter veranschaulichen. Heimatverbunden heißt diese Installation von Obermeyer Planen + Beraten. „Während sich die Welt zu einem globalen Dorf entwickelt und geografisch weit voneinander entfernte Orte sich immer ähnlicher werden“, wie die Architekten meinen, „bleiben doch grundlegende Werte und Haltungen dem jeweiligen Ort verhaftet.“ Jede der 1.400 Schnüre symbolisiert einen Menschen, eine Heimat, ein Schicksal. Ergänzend dazu werden kurze Video-Statements von Mitarbeitern aus der Unternehmensgruppe zum Begriff Heimat gezeigt. Das Frankfurter Büro BilleBeyeScheid lädt in einen begehbaren Bildraum. Ihr Dialog besteht aus in einem Kreis aufgestellten Lamellen, die auf einer Seite mit Spiegelfolie beklebt sind. Auf die andere Seite werden Heimatbilder projiziert: Der Besucher soll selbst Bestandteil der Installation werden.

Heimat bleibt ein Gefühl
„Ist Heimat der Ort der Geburt, ein Haus oder ein Land, fragen die Entwerfer von MSM Meyer Schmitz-Morkramer. Sie zeigen einen trichterförmigen Raum, der verspiegelt ist und der die „große Anzahl von Orten symbolisieren soll, die uns beeinflussen“. Am Ende so lautet das Resümee, „sind es nur wenige Orte, die für uns Bedeutung haben“. Der Heimatgenerator vom Atelier Markgraph ist ein interaktives Spiel als Versuch, dem Begriff Heimat zu verbildlichen und die verschiedensten Vorstellungen von Heimat zu überdenken. Heimat bleibt ein Gefühl und ein Begriff, der sich kaum „begreifen“ lässt.

RitterBauer Architekten wollen mit ihrer Installation Grenzen los das Spannungsfeld von Inklusion und Exklusion veranschaulichen: Sie haben Stühle zu einer Mauer gestapelt und davor einen Stuhlkreis aufgestellt. Nach dem Abbau werden die gelbleuchtenden All Plastic Chairs dem Verein Grenzenlos vermacht und sollen so einen integrativen Zweck unterstützen. Ebenso symbolisch zeigt sich auch die vergoldete Baumwurzel vom Architekturbüro Rossmann + Partner, die das Ergebnis eines bürointernen Wettbewerbs ist. Man ist schließlich „verwurzelt in der Heimat“, sagen die Karlsruher Architekten und schreiben dazu ein Gedicht:

verwurzelt
in der Heimat
Heimat ist kostbar
wie Schmuck in einer Schatulle
im Container verschickt
fern der Heimat
entwurzelt

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