And the winner is: LED

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Text: Julia Bluth

Dieses Jahr präsentierte sich die Messe Light+Building umfangreicher denn je - und das lag vor allem an der großen Nachfrage im LED-Bereich. In insgesamt neun Hallen zeigten internationale Licht- und Leuchtenhersteller ihre Neuheiten. Nur die organischen LEDs (OLED) konnten mit der rasanten Entwicklung des Marktes nicht Schritt halten. Ein wenig erinnerte die Situation an den berühmten Wettlauf zwischen Hase und Igel: Während der einstige Hoffnungsträger weit hinter seinen Erwartungen zurückblieb, schien die LED ständig „ich bin schon da!“ zu rufen.

Der Gang durch die Hallen der Leuchtenhersteller machte schnell deutlich, dass Berührungsängste mit dem zu Beginn so unbeliebten Leuchtmittel endgültig der Vergangenheit angehören. Die meisten Neuvorstellungen verfügen wie selbstverständlich über LEDs. „Mit 92 Prozent Farbangleichung entspricht ihr Licht inzwischen beinah dem der Glühlampe“, begeisterte sich Ben Wirth, dessen ursprünglich mit Halogen erleuchtete Incredible Bulb nun auch als LED-Version erhältlich ist. Seine Verwendung der blendfreien Halbleiterschichten liegt hingegen eher im Dekorativen – eine Lichtkachel von Osram inspirierte ihn zu seinem bis zu acht Stunden leuchtenden Amulett MyOled. Um im Leuchtendesign wirklich sinnvoll zu arbeiten, hätte das organische Flächenlicht noch zu wenig Leuchtkraft und sei dabei zu teuer, hörten wir immer wieder. Wie schon zwei Jahre zuvor, reichten die Entwürfe kaum über modulare Prototypen hinaus. Die allgemeine Prognose: Noch mindestens fünf bis zehn Jahre Entwicklungszeit, um die alternative Lichtquelle neben der LED zu etablieren. Im wirtschaftlich sinnvollen Rahmen kommen die organischen LEDs derzeit vor allem bei Displays zum Einsatz.

Neue alte Tendenzen
LEDs eröffnen zwar eine außergewöhnliche Gestaltungsfreiheit, doch genutzt wird diese nur partiell. „Ich bin da sehr gespalten“, erklärt Ross Lovegrove, der seine neuen LED-Leuchten für das italienische Traditionsunternehmen Artemide vorstellte, „einerseits strebe ich nach absoluter Effizienz, andererseits möchte ich ein Objekt, etwas Körperliches schaffen.“ Auch für Michele De Lucchi steht trotz neuer Möglichkeiten das Skulpturale im Vordergrund. „Die LED bietet so viel Freiheit, dass das Entwerfen sogar schwieriger wird“, ergänzt er. Dabei sind beide auf völllig unterschiedliche Weise experimentell. Während De Lucchi in erster Linie mit der Reflexion spielt, lässt Lovegrove seiner Begeisterung für die technische Seite des Lichts freien Lauf und legt in einigen Leuchten die Halbleiter offen. Diese Art der technoid anmutenden Entwürfe sind ebenfalls bei Ingo Maurer und Benwirth Licht zu sehen, doch insgesamt scheint die Tendenz eher auf dem Rückzug zu sein.

Schwelgerische Materialien
Weiterhin aktuell sind hingegen natürliche und hochwertige Materialien wie mundgeblasenes Glas, Holz oder Edelmetalle. Neben dem allseits beliebten Kupfer – zum Beispiel neuerdings im Klassiker Pipistrello von Gae Aulenti – sticht dieses Jahr Gold besonders hervor. Der italienische Hersteller Occhio hat den umstrittenen Farbton zum ersten Mal in seine puristische Strahlerkollektion aufgenommen, während der schweizerische Hersteller Belux die minimalistische Standleuchte Verto von Naoto Fukusawa in strahlender Goldlackierung ausstellte. Eindeutig auf dem Vormarsch ist zudem die Lichtsteurung per Gestik oder per App, was jedoch gleichzeitig eine Rückbesinnung auf die Qualität haptischer Schalter zur Folge hat. Hersteller wie Jung oder Gira zeigen das mit immer ausgefalleneren und hochwertigeren Kollektionen.

Insgesamt lässt sich beobachten, dass die technische Entwicklung im Leuchtenbereich weit schneller ist als die ästhetische. Es ist sehr viel mehr möglich, als wirklich gewünscht wird, und die Wohnwelt bleibt ihren Traditionen weitgehend verhaftet. Bisher führt die rasante Verbesserung der LED-Technologie deshalb vor allem zu einer Verfeinerung der Formen und Bedienweisen.

Alle Beiträge aus unserem großen Themenspecial Light + Building 2014 finden Sie hier.

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