Auf den Punkt

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Text: Markus Hieke
Foto: Younès Klouche

Von einer Kooperation zwischen Wirtschaft und Bildungseinrichtung profitieren in der Regel beide Seiten. Was dabei herauskommt, wenn die Kooperationspartner grundsätzlich auf einer Wellenlänge sind, zeigt die Zusammenarbeit von Punkt mit dem Master-Studiengang Produktdesign der Ecal: acht smarte Ideen für eine simplere Technikwelt.

Besuchte man während der Mailänder Designwoche den Auftritt des Schweizer Technikherstellers Punkt im Palazzo Litta, war man zunächst überrascht. Keine Neuheiten? – Keine Neuheiten. Doch stand das umso mehr Sehenswerte gleich nebenan: eine Reihe findiger Designkonzepte, von denen sich einige, so wie sie waren, direkt neben Mobiltelefon, USB-Ladegerät oder Mehrfach-Steckdose in die Punkt-Produktpalette reihen könnten. Die Entwürfe entstanden in einer Kollaboration zwischen Punkt und der Lausanner Universität der Künste Ecal.

Große Partner
Bereits frühere Zusammenarbeiten, wie vergangenes Jahr mit Luceplan, haben gezeigt, welch bemerkenswerte Qualität die Ecal-Studierenden bei der Prototypenfertigung an den Tag legen. Von den Ideen einmal abgesehen, ist es also kein Wunder, dass zu den Partnern aus der Wirtschaft Namen wie Vitra, Alessi, Axor, Cassina oder BMW gehören. In diesem Jahr sind es e15 und Punkt, in deren Namen Studierende des Master-Studiengangs Produktdesign Ideen entwickelten. Das zweite Master-Jahr widmete sich Punkt. „Mit Petter Neby (Gründer und Geschäftsführer von Punkt) und dem Büro von Artdirektor Jasper Morrison zu kooperieren, bedeutet für uns einen großartigen Deal“, erklärt Thilo Alex Brunner, Leiter des Master-Studiengangs, „da wir viele der Schweizer Designwerte teilen, wie die Effizienz und Einfachheit – aber immer mit einer Spur der Überraschung.“



Formensprache erkennen

Zunächst hatten die Studierenden die Möglichkeit, sich in die Formensprache ihres fiktiven Auftraggebers hineinzuversetzen, sie zu verstehen und zu implementieren. Aufgabe war die Entwicklung von Geräten, die den Alltag vereinfachen würden. Während wir Menschen mehr denn je von elektronischen Apparaten abhängig seien, die ständig um unsere Aufmerksamkeit ringen, sollten die simplen Werkzeuge des Alltags nicht vergessen werden, hieß es in der Aufgabenstellung. „Wie können wir diese besser gestalten, intuitiver, oder wie werden wir unnötige Funktionen los und vereinfachen ihre Bedienbarkeit und formale Sprache?“ Unter Anleitung des französischen Designers Augustin Scott de Martinville vom Schweizer Studio Big-Game entstanden einige gute Gedanken.

Internetradio und Projektor
So wäre es doch zum Beispiel schön, könnte man alle weltweiten Internetradiostationen – ohne Computer – von einem Gerät aus ansteuern. Das kreisrunde Radio IR 01 von Terkel Skou Steffensen wird an die Wand montiert und lässt sich über einen übersichtlichen Touchscreen spielend leicht bedienen. Auch praktisch ist Jaehoon Jungs Tilting Projector TP 01. Der kompakte Filmprojektor steht auf der schmalen Seite seines achteckigen Gehäuses und kann dementsprechend nicht nur waagerecht, sondern auch im 45- oder 90-Gradwinkel ausgerichtet werden.



Schmaler Wanddrucker

Studentin Nadine Schaub hat sich mit dem Heimdrucker auseinandergesetzt. Diese Dinger sind nunmal … naja … Deswegen schwebt ihr die Verwandlung in ein Wandobjekt vor. WP 01 besteht aus einem schmalen Gehäuse. Ein Drahtbügel hält das Papier oberhalb des Einzugs, und die Ausdrucke fallen unterhalb in einen filigranen Korb. Das Kartuschensystem müsste in der Realität soweit reduziert werden, dass lediglich Schwarzweißdrucke möglich wären. Dafür erzeugt der Drucker das charmante Gefühl, mit jeden Blatt einen Brief erhalten zu haben.



Fotoreduktion

Wer schließlich häufig den Eindruck hat, es entstünden sekündlich mehr digitale Fotos als sich je jemand zur Gemüte führen könnte, dem dürfte das folgende Gadget gefallen. Jérémy Faivre entzieht der Digicam das Display, was dazu führen soll, sich wieder mehr auf das Motiv, den Moment zu konzentrieren, statt immerzu zu kontrollieren, ob das Bild „geworden“ ist. DC 01 ist ein winziger Apparat mit nur einem Knopf, der an einer Schlaufe lässig ums Handgelenk gebunden werden kann. Bleibt zu hoffen, dass die smarten Ideen nicht irgendwo wieder in Schubfächern verschwinden. Denn die Welt braucht solche schönen und einfachen Ansätze.



Alle acht Entwürfe finden Sie in der Bildergalerie über diesem Text.

Mehr aus unserem Special zum Salone del Mobile 2016 finden Sie hier...

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