Best-of Materialien: Bad mit Persönlichkeit

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Text: Annette Schimanski

Als vielseitig nutzbarer Raum mit hoher Aufenthaltsqualität hat das Bad seine streng funktionale Ausrichtung aufgegeben. Architekturschaffende reagieren auf diese Entwicklung mit anspruchsvollen Konzepten, die sich durch hohe haptische und gestalterische Qualität auszeichnen. Hersteller begegnen dieser Veränderung mit vielfältigen Produkten und Materialien, die ganz selbstverständlich auch in anderen Wohnbereichen eingesetzt werden. Wir stellen Ihnen unsere fünf Materialfavoriten vor.

Subtile Schichten: Fliesen
Egal, wohin sich das Bad entwickeln wird, die Fliese ist daraus nicht wegzudenken. Aber mit der funktionalen Nasszelle, die mal horizontal, mal rautenförmig gekachelt daherkam, hat das Bad nichts mehr zu tun. Die gestalterischen Möglichkeiten reichen von variierenden Größen, Farben und Muster bis hin zu vielfältigen Texturen und Oberflächen. Rutschfeste, wasserabweisende und selbstreinigende Fliesen erfüllen zwar eine nutzbringende Funktion im Bad, doch können sie darüber hinaus in Holz-, Marmor-, Beton und sogar Stofftexturen gestaltet werden. Hersteller lösen sich außerdem von der vielfach verwendeten Keramik und setzen beispielsweise auf dünnere und kostengünstigere Polymer-Fliesen, die aus dem chlor- und weichmacherfreiem und recycelbarem Verbundstoff Ceramin bestehen und ebenso andere Materialien imitieren können. So ist auch das herkömmliche viereckige Format schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge; große Flächen erleichtern das Verlegen und sorgen für ein angenehmes Fugenbild.

Nachhaltig und robust: Holz
Der Einsatz von Holz in Badezimmern reicht von gezielten Akzenten und Details an Möbeln bis hin zu einer Komplett-Holzverkleidung im gesamten Raum. Die warme Optik des Holzes wird ergänzt durch die unterschiedlichen Oberflächenveredelungen – gewachst, geölt, lackiert, lasiert, patiniert – und bringt Texturen ins Bad. Durch die Bearbeitung sind Holzdielen als Fußböden, Verkleidungen an Waschtischen und sogar Wänden und Decken möglich. Dabei sind harte Holzarten wie Eiche, Buche, Ahorn, Lärche, Nussbaum und Teak besonders geeignet, weil sie eine hohe Resistenz gegen Feuchtigkeit aufweisen und dadurch nicht aufquellen. Zudem hält Holz als Naturmaterial hohen und niedrigen Temperaturen stand und kann als Reglerverkleidung in der Dusche oder Armatur dienen. Auch die Hygiene wird durch den Rohstoff gefördert, da er eine antibakterielle Wirkung aufweist. Mit fachgerechter Pflege, Versiegelung und Hinterlüftung ist die Chance von Feuchtigkeitsschäden sehr gering.

Materialklassiker: Naturstein
Die meist einzigartige Erscheinung von Naturstein bietet vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Naturstein kann außerdem mit Langlebigkeit und hoher Resistenz bei Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit in Bad und Küche punkten. Sandstein, Travertin, Granit, Kalkstein und Marmor werden als Fußboden oder Wandverkleidung, als Waschbecken und Duschwannen eingesetzt. Schiefer kann beispielsweise als Bodenbelag auch in der Dusche dienen. Marmor wird meist als Bahnenware, Kalkstein als großflächige Platte verlegt. Auch Polygonalplatten mit unregelmäßigen Kanten und Größen sind möglich. Platten weisen eine höhere Dicke als beispielsweise Natursteinfliesen auf und sind besonders robust und abriebfest. Die Oberflächen können gebürstet oder getrommelt werden, um ein Rutschen auf Naturstein-Untergrund zu vermeiden. Travertin bringt durch seine großporige Struktur bereits Rutschsicherheit mit sich. Die hohe Wärmespeicherfähigkeit macht Naturstein zu einem besonders attraktiven, aber auch kostspieligen Material im Bad.

Freund des Minimal: Beton
Schlichtheit ist die Devise, wenn es um Beton im Badezimmer geht. Das Gemisch aus Zement, Sand und Kies kommt vor allem bei minimalistischen Projekten zum Tragen. Das beständige Material findet viele Einsatzmöglichkeiten, da es strapazierfähig ist, in jede Form gegossen und dadurch als Bodenbelag, Wandverkleidung oder Detail in der Armatur verwendet werden kann. Eine fugenlose Gestaltung von Wand, Decken und Böden ist möglich. Die Oberflächen variieren zwischen glatt polierten Sichtbetonwänden und rauen, haptischen Erscheinungen. Durch Einsatz von Schalungen ist auch eine großflächige Fliesenoptik umsetzbar. Die Beimischung von Farbpigmenten ermöglicht eine Abweichung von der typisch grauen Färbung. Durch Behandlung mit Öl und Wachs wird der Beton versiegelt, geschützt und erhält eine glänzende Oberflächenerscheinung.

Bewährter Rebell: Terrazzo
Seit Jahrtausenden im Einsatz hat Terrazzo zuletzt vor einigen Jahren sein Comeback erlebt. Als spielersicher Akzent gegen den vorherrschenden Minimalismus passt sich Terrazzo als Boden, Wand oder Möbel in jede räumliche Situation ein, wirkt modern und bleibt dabei verlässlich nostalgisch. In Kombination mit matten Armaturen, grafischen Mustern oder schlicht neutralen Böden wird gerne Terrazzo eingesetzt. Auch hierbei ist die fugenlose Verarbeitung ein Vorteil, doch die farbigen Körnungen und Pigmentierungen lassen viele  Gestaltungsmöglichkeiten zu. Die Oberflächen sind in hochglänzender, sandgestrahlter und gestockter Ausführung möglich. Bei Zugabe von Mosaiksteinchen entstehen Muster, die das Erscheinungsbild im Bad prägen.

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