COR LAB: Kollaboration Total

19
Text: Kathrin Spohr, 14.12.2017

Partner: Cor

Wenn Arbeiten und Wohnen miteinander verschmelzen, braucht es dann überhaupt noch eine Unterscheidung zwischen Büro- und Wohnmöbel? Der Traditionshersteller Cor hat mit COR Lab einen Rahmen geschaffen, der dieser Zukunftsfrage Raum gibt. Vier internationale Designteams – Büro Uwe Fischer, Relvãokellermann, Aust & AmelungPauline Deltour – haben gemeinsam sechs Möbel für den wohnlichen Workspace gestaltet.

Geplant war das COR Lab nicht. Am Anfang stand eine ganz andere Idee. Leo Lübke wollte den Designer Uwe Fischer beauftragen, neue Konferenzmöbel zu gestalten. Fischer, der bereits seit 2010 mit Cor kooperiert, lehnte ab. Stattdessen fand der Designer es sinnvoller und spannender, den Fokus der Entwicklung allgemeiner zu halten. „Wie kollaborieren wir künftig? Flexibilität etwa ist ein Riesenthema, wenn Räume, Möbel immer mehr multifunktional genutzt und eingesetzt werden“, erklärt Fischer. So entstand die Idee, für künftige Arbeitssituationen die richtigen Tools zu schaffen. Nicht von einem einzigen Gestalter, sondern von mehreren Designern, generationsübergreifend. Gemeinsam sollten sie ihr Lebensgefühl, ihre Sicht in das Projekt einbringen, um eben die „Tools“ fürs Büro zu entwerfen, die zeitgemäße Bedürfnisse erfüllen.

Designerinnen und Designer mit eigener Haltung und Cor-affinem Designverständnis wurden ausgesucht. Uwe Fischer formulierte ein präzises Briefing. Jedem Designteam wurde die Aufgabe gegeben, ganz bestimmte Möbeltypen – Hocker, Tisch und Bank, Raumteilungssystem, Sofa oder Peripheriemöbel – zu entwickeln. „Es klingt verrückt: Für uns ist es relativ neu, mit Designerinnen zusammenzuarbeiten. Nicht, weil wir nicht wollten. Es hat einfach nie richtig gepasst“, so Leo Lübke über ein weiteres Novum dieses Projekts.
Trägt die erste COR Lab Kollektion also eine explizit feminine Handschrift? – „Es geht um Qualität“, antwortet Pauline Deltour, „um Komfort, Flexibilität und Effizienz.“ Nach einem Besuch der COR Manufaktur haben die Teams in ihren eigenen Büros in Frankfurt, Kassel, München und Paris losgelegt. Erst bei einer gemeinsamen Präsentation kristallisierte sich heraus: Die einzelnen Möbel haben das Potenzial, als kompatibles Ensemble im Sinn einer Kollektion positioniert zu werden. Sie passen ästhetisch und funktional zueinander, lassen sich quasi miteinander verlinken und fokussieren auf das „Leben und Arbeiten in neuer Balance“. So sehr, dass man sich fast wünscht, doch etwas mehr Zeit im Büro zu verbringen. Mission erfüllt.

Portraits, Hintergrundberichte und Reportagen zum Zeitgeschehen im Designbereich.