Computer and more

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Text: Jasmin Jouhar
Foto: mac-history.de / apple.com


Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie schalten morgens im Büro Ihren Rechner an, auf dem Bildschirm erscheint ein schwarzer Hintergrund. Um das Textverarbeitungsprogramm zu starten, geben Sie über die Tastatur eine Befehlszeile ein, die leuchtend grün aufblinkt.
So funktionierten Computer bis 1984 – bis Apple am 24. Januar vor 25 Jahren den ersten „Macintosh“-Rechner auf den Markt brachte. Seine grafische Benutzeroberfläche bot alles, was für uns heute Standard ist: Ein Desktop mit Papierkorb, Fenster zum Öffnen, eine Menüleiste. Dazu ein neuartiges Gerät zur Bedienung namens Maus. Die Tage der von Hand eingetippten Befehle waren ab da gezählt.

Doch mit technischen Innovationen alleine lässt sich kaum erklären, was für ein Kult seitdem um die Produkte der Firma aus Cupertino in Kalifornien betrieben wird. Denn Microsoft zog nach und bot kurze Zeit später ein eigenes Betriebssystems mit Benutzeroberfläche an: das omnipräsente „Windows“. Und während Windows dank Lizensierung auf Rechnern aller möglichen Hersteller läuft, gibt es die Apple-Welt bis heute nur im Paket von Rechner und Betriebssystem.

Bloß kein Durchschnitt

Aber wahrscheinlich ist es gerade dieser abgeschlossene Kosmos, den die Mac-Nutzer so lieben: Es gibt ihnen das Gefühl, etwas Besonderes zu sein; einen Gegenstand zu besitzen, den nicht jeder hat. Und so kaufen sie sich – freiwillig – einen Computer, der deutlich teuerer ist als der Durchschnitt, anders funktioniert, aber auf jeden Fall besser aussieht. Einen Teil zum Hype der letzte Jahre trug sicher auch die charismatische Figur des Apple-Gründers Steve Jobs bei: Wenn er zur jährlichen Computer-Messe „MacWorld Expo“ im schwarzen Rollkragenpullover neue Produkte vorstellte, dann lauschten ihm die Fans gebannt wie einem Prediger.

Der legendäre Würfel

Der erste Mac von 1984 ist auch bekannt unter dem liebevollen Spitznamen „Würfelmac“. Monitor und Rechner steckten zusammen in einem kantigen grauen Gehäuse, ein damals neuartiges Gestaltungskonzept. Die nachfolgenden Modelle, allesamt unförmige Desktop-Rechner mit separatem Monitor, setzten in Punkto Design allerdings keine Maßstäbe mehr. Dafür blieb Apple aber bei der Software Vorreiter: Der zweite Macintosh von 1987 konnte „Multitasking“, eine heute selbstverständliche Funktion, bei der gleichzeitig mehrere Programme auf einem Rechner laufen.

Microsoft versus Apple

Gegen den Siegeszug von Windows war Apple allerdings chancenlos: Microsoft übernahm mit dem eigentlich instabileren, aber eben flexiblen Windows die Marktführerschaft bei den Betriebssystemen. Die Firma mit dem angebissenen Apfel dagegen stand nach den erfolgreichen achtziger Jahren Anfang der Neunziger sogar vor dem Aus: Das Konzept von aufeinander abgestimmtem Gerät und Betriebssystem erschien als zu starr, und nicht jeder Software-Hersteller passte seine Anwendungen für die Macs an.
Heute dagegen preisen Mac-Jünger gerade die enge Verzahnung von Hard- und Software als einen großen Vorteil ihrer Lieblinge an: Was bereits in der Entwicklung gemeinsam geplant wurde, funktioniert in der täglichen Praxis (meistens) einfach, reibungslos und stabil. Da kann man als PC-Nutzer schon mal neidisch werden.

Bunt und rund

Die Kehrtwende schaffte Apple mit einem runderneuerten Betriebssystem namens „OS X“ und vor allem mit einer regelrechten Designoffensive. Seit der Brite Jonathan Ive bei Apple für die Gestaltung der Produkte verantwortlich ist, brachten die Kalifornier eine ganze Reihe von heute schon klassischen Designs auf den Markt. Den Anfang machte 1998 der „imac“, der auf das „all-inclusive“-Konzept des allerersten Macintosh zurückgriff und Rechner und Monitor in einem Gehäuse vereinte. Der Clou war aber das Gehäuse selbst: Es war knubbelig abgerundet und in quietschbunten Farben erhältlich – und das in eine Branche, deren Farbpalette bis dato nur Eierschalenweiß, Dumpfgrau und Schwarz gekannt hatte. Ein Jahr später folgte mit dem „ibook“ ein ebenso bunter und runder Laptop. Der Look aus transluzentem farbigem Kunststoff und organischen Formen wurde zu einem großen Trend in der gesamten Designwelt.

Minimal Chic

Doch Apple dachte weiter und reduzierte das Design seiner Produkte auf einen ebenso stilbildenden Minimalismus. Farbe war passé, stattdessen traten die Materialien in den Vordergrund – bis heute. Die Gehäuse der Rechner waren aus Titanium, Aluminium, milchig-weißem Kunststoff oder durchsichtigem Acrylglas. Ob „Cube“, „Power Book“ oder „ibook“: Das Designteam um Jonathan Ive beherzigte alte Architektenweisheit „weniger ist mehr“ und ließ alle überflüssigen Knöpfchen, Blinkleuchten und Beschriftungen weg, die den Durchschnitts-PC zu einer geschwätzigen Kiste machen. Ausgeklügelte Marketingstrategien taten ihr Übriges, um die leicht unterkühlt aussehenden Apple-Geräte zu begehrenswerten Objekten für die selbsternannte Klasse der urbanen Kreativen werden zu lassen. Die erfolgreichen Design- und Verkaufsstrategien werden gerne kopiert: Heute gibt es selbst „Aldi“-Notebooks aus weißem Kunststoff – wenn auch ohne den Apfel.

ipod und iphone: das Tüpfelchen auf dem i

Die vorläufigen Höhepunkte der Apple-Erfolgsgeschichte sind natürlich der „ipod“ und das „iphone“. Mit dem digitalen Musikspieler und dem Mobiltelefon verließen die Entwickler das vertraute Terrain der Personal Computer, ohne die Apple-Ideologie preiszugeben. Beide Geräte werden als technisch innovativ vermarktet. Sie sind leicht zu bedienen und im Apple-typischen Look gestaltet. Wie immer bei Apple hat das seinen Preis – und seine Begrenzungen. So ist der Akku des ipod nur mit einigem Aufwand auszutauschen. Beim iphone versucht der Konzern, die Vertriebswege und damit die Erlöse zu kontrollieren.

Der Absatz stimmt

Die Apple-Jünger hält das aber von ihrer Verehrung des angebissenen Apfels nicht ab. Sowohl ipod als auch iphone verkaufen sich bestens, wovon auch die Rechner-Sparte rund um „Mac Book“ und imac profitiert: Gerade gab Apple sein bestes Quartalsergebnis in der Firmengeschichte bekannt, der Absatz der Macs stieg um neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Es sieht ganz so aus, als könnten sich die Fans weitere 25 Jahre lang an den etwas anderen Rechnern erfreuen.
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