Der Picknicker

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Text: Myrta Köhler


Für Queen Victoria war das Mahl im Freien ein Luxus: Nur im Rahmen eines Picknicks konnte sie dem strengen Protokoll bei Hof entgehen. Pragmatisch hingegen dachten die Feldarbeiter, die morgens ihre Brotzeit in den Korb packten, um sich zwischendurch stärken zu können. Ob arm oder reich: Das Essen unter freiem Himmel hat eine lange Tradition, die in den verschiedensten Kulturen in unterschiedlichen Formen bis heute besteht. Und viele schöne Accessoires machen das Speisen in der Natur auch zum ästhetischen Genuss.


Es könnte so einfach sein. Ein paar hartgekochte Eier, lose Salzkrümel in einem Briefchen aus Alufolie, Käsestullen in Wachspapier und einige Äpfel: unvergessen die einfachen Mahlzeiten im Pausenhof oder im Park. Tatsächlich lässt die Übersetzung des Begriffes Picknick eine unkomplizierte Angelegenheit vermuten. Zumeist wird das Wort als eine Kombination des französischen piquer („aufpicken") und nique („Kleinigkeit") interpretiert. Anderen Quellen zufolge bezeichnet das Picknick ein gemeinsames Essen, zu dem jeder Teilnehmer seine eigenen Speisen mitbringt.
 
Freiluft-Rituale
 
Was den Griechen ihr Eranos, war für die Römer das Prandium: Seit der Antike wurde das gemeinsame Essen im Freien zelebriert. Und während sich die Bauern auf dem Feld all die Jahrhunderte hindurch zu Mittag aus dem mitgebrachtem Korb bedienten, ließ es sich auch die vornehme Gesellschaft draußen schmecken: Auf Jagdpartien nahm man gern einen Happen zu sich, um sich für das Erlegen von Rebhühnern und Rotwild zu stärken. Im Barock erreichte dann das adelige Tafeln unter freiem Himmel einen vorläufigen Höhepunkt, ganz besonders in Frankreich: Marie Antoinette hatte nahe Versailles ein „originalgetreues“ Bauerndorf nachbilden lassen, das der kaiserlichen Gesellschaft regelmäßig als Kulisse für Picknicks diente.
 
Erfolg zeigten die Events auch bei der britischen Prominenz: Oliver Cromwell speiste gerne im Hyde Park, der Autor Samuel Pepys schätzte die appetit-fördernde Wirkung einer Bootsfahrt auf der Themse. In England kam auch der klassische Picknickkorb auf, der für Essen, Decke, Geschirr und Besteck Platz bietet. Damit die Briten auch im Freien nicht auf ihren Tee verzichten mussten, rundete ein tragbares Kochgerät das Equipment ab. Heute gibt es natürlich eine Vielzahl an geschmackvollen Thermoskannen, die für eine gute Tea-Time-Atmosphäre sorgen.
 
Logistik ist alles
 
Doch eigentlich ist so ein Picknick im Grünen ja auch Arbeit. Das beginnt schon bei der Menüplanung: Die einzelnen Speisen sollten gut zu transportieren sein und beim Essen nicht kleckern. Vorher müssen sie aber fachgerecht verpackt und an ihren Bestimmungsort gebracht werden.
 
Dafür gibt es unzählige Helferlein, welche die Logistik erleichtern: Kühltaschen von Alfi beispielsweise machen den Transport zum Kinderspiel: Die flexible Serie Be Cool stellt Behälter in jeder Größe und Farbe, passend für jeden Anlass bereit, von Brotzeit-Boxen bis hin zu Flaschen-Trägern. Hartnäckige Zweifler werden möglicherweise durch das neue Pilot-Projekt bekehrt: Ein Kühltrolley hilft sowohl beim Einkauf als auch beim Transport der Köstlichkeiten zur grünen Wiese. Eine verschlankte Version des klassischen Picknickkorbes bietet die Tasche Cool Lunch von Menu – ideal ist das Modell auch für den schnellen Snack während der Mittagspause im Park.
 
Dort angekommen, isst es sich von edlem Geschirr natürlich gleich viel besser: 1815 von Royal Doulton oder Gartenzauber von Le Creuset lassen einem schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das farbenfrohe Geschirr Rio von Kozol ist eine leichtere Alternative und macht sogar das abschließende Abwaschen zum Vergnügen. Und den Aufwand ist es wert, denn ganz ehrlich: Im Freien schmeckt’s einfach besser.
           
Grillen ohne Grenzen
 
Ein Klassiker beim Outdoor-Vergnügen ist natürlich der Grill. Eine Ikone ist mittlerweile der Weber-Kugelgrill. Seine Entstehung verdankt er einem findigen Amerikaner namens George Stephen, seines Zeichens nicht etwa Koch – nein, Stephen arbeitete bei dem Bojenhersteller Weber Brothers Metal Works. Und hier inspirierte ihn im Jahr 1952 der Anblick einer Metallkugel zu deren Erweiterung: Er versah sie mit drei Beinen und einem Griff – geboren war der Kugelgrill, und George Stephen Gründer der Grill-Marke Weber. Als „Sputnik“ erntete der Kugelgrill zunächst einiges Hohnlächeln – doch bald eroberte er die Grill-Gesellschaften im Sturm. Die Kugelform hält die Wärme und sorgt für ein optimales Garen.
 
Universales Vergnügen
 
Ob zünftig und einfach oder schwelgerisch und üppig: Das Naschen im Freien ist mittlerweile ein sorgsam vorbereitetes Ritual. Das Picknick als gesellschaftlicher Klassiker erfreut sich auf der ganzen Welt großer Beliebtheit: in allen Kulturen und in allen Sprachen. Die wohl interessanteste Adaption erfuhr das Wort in Japan. Hier sind Mahlzeiten im Freien vor allem zur Zeit der Kirschblüte eine althergebrachte Tradition, der entsprechende Begriff aber wurde erst im 20. Jahrhundert als Lehnwort in die japanische Sprache aufgenommen: Unter blühenden Bäumen trifft man sich nun zum pikunikku.

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