Designer des Jahres 2019: Sebastian Herkner

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Gaby Gerster, 29.10.2018

Designer: Sebastian Herkner

Cecilie Manz und Ramy Fischler sind es in diesem Jahr, Tristan Auer und Pierre Charpin waren es 2017. Heute gibt die Maison & Objet mit Sebastian Herkner ihren Star für die ihre nächste Ausgabe bekannt. Die Möbel- und Einrichtungsmesse findet vom 18. bis 22. Januar 2019 in Paris statt und schließt also wieder mit zwei Tagen überlappend an die imm cologne (14. bis 20. Januar 2019) an.

Dort, in den Kölner Messehallen, hatte Herkner im Januar 2016 seinen großen internationalen Aufschlag, als er mit seiner Installation für Das Haus die Herzen der gesamten Design- und Interiorbranche eroberte. Ob Mailand, Paris oder Köln – Tokio, New York oder Singapur: Sebastian Herkner ist ständig unterwegs. Wir haben den Designer vor einem Jahr in seinem Studio in Offenbach besucht und mit ihm über Kompromisse, Handwerk und Design ohne Grenzen gesprochen. Einen kurzen Auszug finden Sie hier, das gesamte Interview wiederum hier.

Du bist relativ jung erfolgreich geworden. Wenige deutsche Designer in deinem Alter arbeiten für so viele internationale Hersteller und haben rund 100 Produkte auf dem Markt. Deine Erklärung? Es kommt auch immer darauf an, woran man arbeitet. Manche Designer wollen eher neue Materialien und Technologien austesten, das benötigt oftmals mehrere Jahre. Wir haben hier einen ganz anderen Ansatz und deshalb vielleicht auch einen anderen Output. Viele meiner Projekte sind ja keine hochentwicklungsbedürftigen Produkte, da sie auf bestehendem Handwerk aufbauen. Dabei ist Handwerk auch nicht immer ein schnellerer Prozess. Die Zusammenarbeit mit Dedon an Mbrace hat circa drei Jahre gedauert, und wir entwickeln aktuell die Kollektion noch weiter. Anknüpfungspunkt mit Dedon war mein Interesse am Handwerk und am Material. Wir haben bei Mbrace zum ersten Mal Teak mit dem typischen Geflecht verbunden und so auch ein sehr erfolgreiches Produkt geschaffen. (überlegt) Aber wenn ich mir die aktuellen Produkte der Kollegen ansehe, kommt da plötzlich sehr viel Handwerk vor. Ich mache das kontinuierlich schon seit zehn Jahren.

Was bedeutet für dich der Begriff des „demokratischen“ Designs? Design sollte eigentlich das Ziel haben, für jeden erschwinglich zu sein. Die Krux an dieser Geschichte ist natürlich, dass viele Dinge, die handwerklich in hoher Qualität gefertigt werden, leider für viele eben nicht erschwinglich sind.

Wie entsteht denn deiner Erfahrung nach ein erfolgreiches Produkt? Es sind viele Faktoren, die ein Produkt erfolgreich machen. Der Entwurf kann super sein, aber das Unternehmen hat gespart, Studenten beauftragt, und die Fotos sind miserabel. Oder die Location ist schlecht, die Mutti hat gestylt – hab ich alles schon erlebt. Fotos sind wahnsinnig entscheidend. Die Präsentation ist wichtig, auch die Agenten: Glauben sie an das Produkt, glauben sie an das Unternehmen? Glauben sie an eine Vision der Firma oder setzen sie nur auf Klassiker? Und wenn alles klappt, muss es natürlich beim Händler stehen und in einem guten Kontext perfekt arrangiert sein. Wenn der Händler das Produkt dann verkauft, einmal, ein zweites Mal, bestellt er nach und: Es funktioniert.


Empfindest du dich eigentlich als Industriedesigner?
(Denkpause) Ich sehe mich eher als Produktgestalter und finde diesen Begriff für mich auch passender. „Industrie“ klingt ja immer nach wahnsinnig großen Stückzahlen, die wir im Bereich Möbel fast alle nicht haben. Das müsste man also definieren. Natürlich werden einige meiner Produkte industriell hergestellt. Aber ich arbeite viel mit Manufakturen: Moroso, Capellini und Thonet sind ja alles handwerklich geprägte Hersteller.


Was ist das Besondere an der Zusammenarbeit mit dem Handwerk? Mal geht es um etwas sehr Feines und Perfektionistisches. Mal ist es wirkliches Handwerk, im Sinne einer Individualität der Ergebnisse, wie bei den Vasen für Ames, die den Prozess der Entstehung gerade durch ihre Imperfektion verraten. Was eine besondere Ausstrahlung, Ästhetik und Schönheit haben kann. Das Wichtigste bei Produkten ist, authentisch und ehrlich zu bleiben.


Zum Interview

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