Die Bibliothek als Lounge

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Eduardo Perez, Michael Himpel © Vitra, 17.05.2017

Partner: Vitra

Wenn es zwischen den Bücherregalen gemütlicher ist als im Café: Uni-Bibliotheken sind heute ein Ort zwischen Lese-Lounge, Lernlandschaft und Ruhezone – in Kassel, Konstanz, Giessen und in Berlin kommen die passenden Möbel dazu von Vitra. Ach ja: Es gibt nicht nur Platz zum Lesen und Lernen – geflirtet wird hier auch.

Verstaubte Regale und muffige Sitzgelegenheiten sind passé: Universitätsbibliotheken haben sich den Anforderungen der Bachelorstudenten längst angepasst. Ende dieses Jahrzehnts ist die Bibliothek so gefragt wie lange nicht: sie dient einerseits immer noch als Archiv und Lager, vermehrt wird hier aber gemeinschaftlich gelernt. Und zwar so intensiv, dass es nicht ohne Konsequenzen für die Raumgestaltung bleibt.

Frisch saniert: Universitätsbibliothek Kassel
Zwischen 2.000 und 3.000 Studenten strömen jeden Tag in die Kasseler Uni-Bibliothek, das sind insgesamt über 700.000 Nutzer pro Jahr. Seit wenigen Wochen stehen die Türen der Campusbibliothek am Holländischen Platz nach einer zweijährigen Brandschutzsanierung wieder offen, zumindest die 10.000 Quadratmeter des ersten Abschnitts wurden Ende April 2017 in Betrieb genommen. Barrierefreiheit und Selbstbedienung erleichtern nun die Abläufe, ein neues Leitsystem die Orientierung. Neben der Gesamtplanung durch die Architekten KSP Jürgen Engel stammt die Gestaltung der Innenräume von dem Stuttgarter Büro blocher partners.

Die Architekten greifen mit ihrem innenarchitektonischen Raumkonzept das Thema Papier auf: Weißes Papier in verschiedenen Farbnuancen, glatt oder in unterschiedlicher Faltung, bildet die Grundlage für die Gestaltung der fest installierten Einbauten wie den Servicetheken, Lern-Cubes und Garderobenschränken. Trotz digitaler Medien sei Papier nach wie vor das vorherrschende Material in einer Bibliothek, erklären die Planer.

Die 500 neuen Lern- und Arbeitsplätze teilen sich in ruhige Einzelarbeitsplätze für individuelles Lernen und abgeschlossene Lern-Cubes für kommunikative Kleingruppenarbeit auf. Erholen können sich die Studenten zwischendurch in den Lounge-Bereichen. Hier warten unterschiedliche Sessel von Vitra: Komfort und Eleganz bieten die Ruhesessel Grand Repos und Petit Repos von Antonio Citterio. Für eine ruhige Akustik sorgt das Alcove-Highback-Sofa mit seinen hohen Seiten- und Rückenlehnen von den Brüdern Ronan und Erwan Bouroullec. Und Verner Pantons Amoebe-Sessel bringen nicht nur Farbe in die Lounge – sie erinnern an die Siebzigerjahre.

Ob allein oder in der Gruppe: In allen Lernkapseln sollen die Studenten nicht starr, sondern dynamisch sitzen, so hatte es sich Axel Halle, Direktor der Campusbibliothek Kassel, gewünscht. Genau das ermöglicht die Stuhltypologie Tip Ton von Edward Barber und Jay Osgerby: Dieser lässt sich aus der Normalposition nach vorne kippen, wo der Kunststoffstuhl um einige Grad geneigt stehen bleibt. Die vorgeneigte Sitzposition, die bislang mechanischen Bürostühlen vorbehalten war, richtet Becken und Rückgrat auf und verbessert so die Durchblutung der Bauch- und Rückenmuskulatur. Und dank der Kufen hinterlässt Tip Ton beim Kippeln keine Abrücke auf dem Boden.

Universitätsbibliothek Konstanz, Foto: Eduardo Perez © Vitra
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Klassiker für die Universitätsbibliothek Konstanz
Auch in Konstanz entschied man sich im Zuge der Sanierung der Uni-Bibliothek, einem Bau aus den Sechzigerjahren, für Klassiker von Vitra. Der freie Architekt Michael Frank aus Beilstein unterstützte hierbei das Stuttgarter Büro ERNST² Architekten, das die Bibliothek im Rahmen einer umfangreichen Asbestsanierung in den letzten Jahren nahezu in ihren Rohbauzustand zurückgebaut hat. In Konstanz hat man ebenfalls die Zahl der Arbeitsplätze erhöht, außerdem gibt es seit 2015 neue Gruppenarbeitsräume mit moderner Technik. Für viele Studenten sei die Bibliothek ein Stück Heimat, sagt die Direktorin Petra Hätscher, die Bibliothek also immer auch ein sozialer Ort. Es hätten sich sogar schon wissenschaftliche Arbeiten mit dem Flirten zwischen den Buchrücken beschäftigt, verrät Hätscher in einem Interview mit der örtlichen Tageszeitung.

An dem Amoebe-Sessel von Verner Panton schätzt man in der Konstanzer Bibliothek nicht nur den „farbenfrohen Retro-Look“, sondern auch das baldachinartige Dach, das die geschwungene Rückenlehne formt. Und so gruppieren sich die gemütlichen Amoeben im offenen Foyer, damit man auch hier ungestört Lesen kann.

Lernen und Arbeiten im Team können die Konstanzer Studenten auf den Joyn Cenference Benches von Vitra. Diese überzeugen vor allem durch ihre Kabelmanagementlösungen – in der heutigen Bibliothek gibt es schließlich noch andere Medien als Bücher und Zeitschriften. Mikro-Filmscanner sowie Videoschnitt- und Audioplätze aber auch Buchscanner erweitern das Angebot für die Studierenden. Um die nötige Ruhe zu gewährleisten, hat Michael Frank kleine Inseln aus den Workbays von Vitra geschaffen, in denen konzentriert gearbeitet werden kann – wer will, kann sich hier alleine zurückziehen, oder zusammen mit seinen Kommilitonen lernen.

Universitätsbibliothek Giessen, Foto: Eduardo Perez © Vitra
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Workbays in Giessen: Technische Hochschule Mittelhessen
Das multifunktionale Möbelsystem der Bouroullecs findet auch in anderen Lernlandschaften großen Anklang. Zum Beispiel im Erdgeschoss der Bibliothek der Technischen Hochschule Mittelhessen in Giessen. Hier übernahm die Einrichtungsplanung nach der Sanierung eine Frau vom Fach: die diplomierte Bibliothekarin Ingrid Sand. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass sich Bibliotheken gerade in einem grundlegenden Wandel befinden. Neben den Veränderungen durch digitale Medienangebote sei der Andrang groß und der Platz begrenzt. Es scheint, als könnte die Uni-Bibliothek von heute gar nicht groß genug sein, was an sich ein durchaus positives Zeichen ist.

In den grün-grauen Workbays-Landschaften finden die Giessener Studenten neben einem ruhigen, abgeschirmten Platz zum Sitzen und Arbeiten außerdem Stauraum und Strom. Ablenkende Geräusche dämmen die hohen Wandelemente aus Polyestervlies. Kein Wunder also, dass jeden Morgen bereits alle Plätze reserviert sind. Da sich das beliebte Möbelsystem unkompliziert installieren und ohne Probleme umbauen lässt, können die Workbays verschiedenste Szenarien formen. Und bei Bedarf auch erweitert werden.

Alcove in Berlin: Bibliothek der TU Berlin
Dass es morgens einen Ansturm auf die besten Plätze in der Lounge gibt, erlebt man tagtäglich auch in der Bibliothek der TU Berlin. Nur wenige Minuten nach 9 Uhr ist bereits alles belegt, berichtet der UB-Direktor Jürgen Christof. Die Möbel von Vitra erweisen sich hier ebenfalls als ein voller Erfolg: „von der ersten Stunde an“. Um die Abläufe besser zu steuern, können die Workbays von den Studierende der TU Berlin und der UdK seit ein paar Monaten vorab auf der Website der Uni-Bibliothek reserviert werden.

Der neugestaltete, 200 Quadratmeter große Lounge-Bereich hat sich seit der Eröffnung im Herbst 2016 zum absoluten Lieblingsort auf dem Campus der TU Berlin entwickelt. „Wir haben vielleicht sogar neue Gruppen in die Universitätsbibliothek geholt, die vorher nicht zu uns gekommen sind“, erzählt Jürgen Christof, der die Lounge zusammen mit Mitarbeitern der TU Berlin und den Planern von Vitra geplant hat. „Es ist eine sehr schöne, abgeschirmte Atmosphäre in den Workbays und den Alcove-Sofas. Man kann das ganze Material und den Laptop mitbringen und eben auch reden, das können wir sonst in der Bibliothek nicht zulassen.“ Um sicherzugehen, wurden alle Möbel zuvor von den Studenten getestet und bewertet. Das Resümee hätte eindeutiger nicht sein können: „Das ist genau das, was bisher gefehlt hat“, schrieben die einen und die anderen wünschten sich: „Bitte möglichst viele von diesen Möbeln!“

Vitra auf dem Deutschen Bibliothekartag 2017
Grand Repos, Alcove und Workbays: Vitra präsentiert sein Möbel-Portfolio zum Lesen und Lernen Ende Mai auf dem Deutschen Bibliothekartag in Frankfurt. Vom 30. Mai bis 2. Juni 2017 im Congress Center Messe Frankfurt, Ludwig-Erhard-Anlage 1, 60327 Frankfurt am Main

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