Die Energie von Licht und Farbe

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Text: Katja Neumann


Die „Stunde Null“ in der Kunst verkündete in den 1950er Jahren die Gruppe ZERO. Gegründet von Absolventen der Düsseldorfer Kunsthochschule, machte es sich die Gruppe zur Aufgabe, die Kunst von dogmatischen Ansätzen zu befreien und neue, experimentelle künstlerische Ideen zu propagieren, die die Kunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägen sollten. Einer der Gründer war, neben Otto Piene, der Maler, Bildhauer und Lichtkünstler Heinz Mack. Anlässlich seines 80. Geburtstags in diesem Jahr ehren zahlreiche Museen und Galerien sein Werk in verschiedenen Ausstellungen. Die größte Einzelausstellung zeigt die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn mit Heinz Mack: Licht – Raum – Farbe, die heute eröffnet wird.



„Das Licht ist für meine Kunst entscheidend“, sagt Heinz Mack, der in seinen Werken auf experimentelle Weise Kunst und Umwelt verbindet und dabei immer wieder an die Grenzen des Machbaren geht. Denn: „Das Licht hat eine eigene Energie und Qualität.“

Die Gruppe ZERO

Die Ausstellung in der Bonner Kunsthalle präsentiert rund 130 Werke, entstanden im Zeitraum von 1953 bis heute. Den Auftakt der Ausstellung bilden zwei neue Lichtinstallationen des Künstlers. Besucher werden gleich im Eingangsbereich der Ausstellung von der in gleißendes Licht gehüllten, sich scheinbar in den Himmel schraubenden Skulptur „Zikurat“ begrüßt. Im Treppenhaus vor der Atriumhalle ist dagegen ein irritierend beleuchteter, die Raumwahrnehmung verfremdender Drehspiegel zu sehen.
Nach diesem ersten Eindruck von Heinz Macks Arbeiten beginnt der Ausstellungsrundgang chronologisch und damit mit den frühen Arbeiten der Künstlergruppe ZERO. 1957 gründete Heinz Mack mit Otto Piene die Gruppe, um einen neuen Weg in der Kunst zu beschreiten und sich mit dem Ausruf der „Stunde Null“ von den vorherrschenden Tendenzen in der Kunst der Nachkriegszeit abzugrenzen. Im Düsseldorfer Atelier von Heinz Mack stellte die Gruppe, der sich 1961 noch Günther Uecker anschloss, vorwiegend neuartige Experimente in Zusammenhang mit Bewegung und Licht vor. Begleitet wurden die Ausstellungen von dem eigens herausgegebenen Zeitschrift Mackazin sowie von Aktionen und Events. Heute gilt die Gruppe ZERO als international bedeutende Künstlergruppe, die auch nach ihrer Auflösung im Jahr 1966 die Kunst nachhaltig beeinflusste.

Wüstenexperimente

Ein weiterer Schwerpunkt in Heinz Macks Arbeiten sind die Werke, die in verschiedenen Wüsten entstanden sind. Mack begann 1962 mit Expeditionen in entlegene Landschaften wie zum Beispiel in die Arktis, die Sahara oder die Algerische Wüste. Mit seinen dort entstandenen Arbeiten, die mit dem natürlichen und artifiziellen Licht spielen und irritierende und dennoch seltsam vertraut wirkende Werke sind, wurde Heinz Mack auch über die Kunstwelt hinaus bekannt. Ein Beispiel dafür ist auch sein Ausflug in die Filmwelt: Der Film Tele-Mack wurde 1971 bei der Filmbiennale in Venedig mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. Macks Wüsten-Arbeiten ist in der Ausstellung in Bonn ein eigener Raum gewidmet.

Licht und Farbe

„Meine Arbeiten sind nur lebendig, wenn sie ‚ihr‘ Licht, das ‚richtige‘ Licht haben. Denn sie sind Gegenstände des Lichts, Instrumente des Lichts und ein Ausdruck seiner Energie“, erklärt Heinz Mack auf seiner Homepage auf die Frage, was für ihn eine Skulptur ausmache. Licht und Farbe gehören für den Künstler untrennbar zusammen. Den Weg des Künstlers von der Skulptur hin zur Malerei und seiner intensiven Auseinandersetzung mit Farbe und Licht beleuchtet die Ausstellung in einem Rundgang. Als zentrale Lichtquelle dient hier eine strahlende Silberwand aus 21 Tonnen wiederverwertbarem Aluminium im Lichthof des Ausstellungsraums. Um diese Wand herum reihen sich weitere thematische Räume, die einen Bogen spannen von den Lichtexperimenten seit den 1960er Jahren über die berühmten Silber-Reliefs bis hin zu Macks heutigem Schaffen. Zu sehen sind darüber hinaus Prismen, Kuben, bewegte Rotoren sowie einige exemplarische Skulpturen, darunter auch frühe Arbeiten, sowie Holz- und Lichtstelen.

Weitere Ausstellungen in 2011

Mit den kinetischen Skulpturen von Heinz Mack befasst sich hingegen die Ausstellung im Museum Abteiberg in Mönchengladbach, der Stadt, in der der Künstler seit 1967 lebt und arbeitet. In der Ausstellung Kinetik werden vom 3. April bis 25. September frühe und teilweise unbekannte kinetische Werke gezeigt, wie unter anderem Arbeiten mit Röhrenlampen, Tischtennisbällen, Spiegelstreifen und Laserpointern. Dem grafischen Schaffen von Heinz Mack widmet sich die Ausstellung Mack – Sprache meiner Hand vom 26. März bis 10. Juli im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Gezeigt wird hier eine konzentrierte Auswahl von Bleistift-, Feder- und Tuschezeichnungen sowie Pastellen. Auch die Samuelis-Baumgarte-Galerie in Bielefeld, die Heinz Mack seit vielen Jahren vertritt, zeigt vom 19. März bis 21. Mai 12 Werke aus 6 Jahrzehnten sowohl in der Galerie als auch auf der diesjährigen Kunstmesse Art Cologne vom 13. bis 17. April.

Heinz-Mack-Fans dürften also in diesem Jahr durch zahlreiche Ausstellungen auf ihre Kosten kommen. Und wem der Künstler noch kein Begriff sein sollte, dem bietet sich 2011 die einmalige Gelegenheit, einen interessanten Ausflug zu machen – in die Kunst aus Licht und Farbe aus fast sechzig Jahren.

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