Die Teppichweber von Cogolin

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Text: Claudia Simone Hoff

Der handgefertigte Teppich erlebt eine Renaissance, doch nur selten wird er in Europa hergestellt. Eine Ausnahme ist die Manufaktur Cogolin. Wir sind nach Südfrankreich gefahren und haben uns angeschaut, wie dort auf hölzernen Jacquard-Handwebstühlen aus dem 19. Jahrhundert ein Teppich entsteht.

Ein Teppich ist ein Teppich ist ein Teppich? Mitnichten, wie die Wiederkehr des handgemachten Teppichs zeigt. Doch während Labels wie Reuber Henning, Jan Kath oder Nanimarquina lediglich für das Design sorgen und ihre Teppiche in Indien, Nepal oder Pakistan fertigen lassen, gibt es in Europa noch kleine Manufakturen, bei denen alles aus einer Hand kommt: Entwurf und Fertigung. Solch ein Beispiel ist La Manufacture Cogolin – eine Teppichhandweberei an der Côte d’Azur.

In letzter Minute
Dass die Manufaktur heute noch Teppiche produziert, grenzt an ein kleines Wunder, denn vor neun Jahren sah es so aus, als hätte das 1924 gegründete Unternehmen kaum noch eine Chance, im hart umkämpften Markt zu überleben. Fünf Mitarbeiter versuchten, die Produktion aufrecht zu erhalten. 2010 kam dann die Rettung aus Hongkong: Das Teppichunternehmen House of Tai Ping – im Besitz der Peninsula-Hotel-Eigentümerfamilie – erwarb den maroden Betrieb, sanierte die Gebäude, stellte zusätzliche Handwerker ein und eröffnete Showrooms in Paris und Cogolin. Auch beim Design, das Tai-Ping-Kreativdirektor Jean-Pierre Tortil verantwortet, tut sich was: Historische Dessins, die in übergroßen Musterbüchern auf dem Dachboden des Manufakturgebäudes in Cogolin schlummern, werden wiederaufgelegt wie die Kollektion Idylle von Christian Bérard aus den Dreißigerjahren. Dazu gesellen sich zeitgenössische Entwürfe von Designern wie India Mahdavi und Jason Miller.

19. Jahrhundert reloaded
Cogolin ist ein idyllischer kleiner Ort in der Nähe von Saint-Tropez. In einer schmalen Straße hinter unscheinbaren Mauern verbirgt sich die Manufaktur. Im vorderen Teil des Gebäudes hat Jean-Pierre Tortil einen Showroom eingerichtet, in dem die Teppichmuster in kunstvollen, von ihm entworfenen Metallständern aufbewahrt und herausgenommen werden können. Über einen kleinen Hof gelangt man in die Weberei mit den hölzernen Jacquard-Handwebstühlen aus dem 19. Jahrhundert. An diesem warmen Herbsttag ist es ziemlich heiß hier drinnen.
Die Weberinnen scheinen davon unbeeindruckt, obwohl ihre Arbeit ziemlich anstrengend ist. Sie erfordert Konzentration, aber auch körperlichen Einsatz. Für die schwere Arbeit sei nicht jeder geeignet, man müsse gewisse körperliche Voraussetzungen mitbringen, erzählt Sarah Henry, als sie uns durch die Produktion führt. Die Direktorin der Manufaktur pendelt zwischen Cogolin und Paris, wo sich das europäische Hauptquartier von Tai Ping befindet. Bei Cogolin wird übrigens ausschließlich auf Bestellung gearbeitet. Der Kunde kann also selbst über Größe, Farben und Muster entscheiden – ob der Teppich ein Einzelstück sein oder gar von Wand zu Wand verlegt werden soll. Sind die Bahnen fertig gewebt, werden sie auf die gewünschte Größe gebracht und zusammengenäht.

Je ne sais pas quoi
Dass die traditionellen Techniken gestalterisch immer wieder neu gedacht werden können, beweist India Mahdavi mit ihrem Entwurf Jardin, der extrem erfolgreich ist. Während die 70 Zentimeter breiten Teppichbahnen bei Cogolin normalerweise aus einem einzigen Muster bestehen, entwarf sie verschiedene Dessins, die ihre Wirkung sowohl einzeln als auch aneinandergesetzt entfalten. Die Teppiche der Manufaktur gibt es in verschiedenen Florhöhen sowie in unzähligen Mustern und Farben. Allen gemein jedoch ist ihre handwerkliche und dekorative Qualität. Immer mit dabei: ein gewisses Je ne sais pas quoi.

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