Editor’s Pick: #MDW 2019

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Text: Katharina Horstmann, 03.04.2019

Jedes Jahr inszeniert sich Mailand während des Salone del Mobile neu – mit außergewöhnlichen Installationen und immer wieder an unbekannten, oft verwunschenen Orten. Zwölf Ausstellungen, die Sie zwischen dem 7. und 14. April nicht verpassen sollten:

Weaving the Cosmos
@studiotomassaraceno
Ein Muss für Arachnologen ist die Installation Weaving the Cosmos von Tomás Saraceno. Der argentinische Künstler verwandelt das Mailänder Planetarium in einen Raum, in dem sich Mikro- und Makrodimensionen eng miteinander verflechten. So entsteht ein visuelles Wechselspiel zwischen Sternenbildern und Saracenos berühmten Hybrid Webs. Die hybriden Spinnennetze ähneln Galaxiesystemen, die sich innerhalb des kosmischen Szenarios bewegen, das auf die Wände des Planetariums projiziert wird. In Verbindung mit ausgeklügelten Sonifikationsgeräten wird die Aktivität der Netze in für das menschliche Ohr hörbare Signale übersetzt und hallt als Gravitationswelle in der kosmischen Raumzeit zurück. Nicht verpassen: das Arachnokonzert am 9. April um 19 Uhr mit der Musikerin Silvia Bolognesi. Civico Planetario Ulrico Hoepli, corso Venezia 57

Heavy Souvenirs
@preziada
Vor vier Jahren zogen die New Yorkerin Kyre Chenven und der Mailänder Ivano Atzori nach Sardinien, wo sie das interdisziplinäre Projekt Preziada gründeten, um das lokale Handwerk unterstützend wiederzubeleben. Während des Fuorisalone zeigen sie in der Ausstellung Heavy Souvenirs im Lucio Vanotti Haus die Resultate der Zusammenarbeit zwischen sardischen Handwerkern und zeitgenössischen Designern, wie Chiara Andreatti oder Sam Baron. Mit dem Titel beziehen sie sich auf die Idee des Objektes als Repräsentant eines Ortes, einer Erfahrung oder eines Moments und möchten bedeutsame Souvenir-Objekte schaffen, die auf das kulturhistorische Erbe Sardiniens verweisen. Via Valtorta 9

Angewandte Wien – Stefan Diez – Blum
@angewandte_id
Initiiert von Stefan Diez als Auftakt seiner Professur an der Universität für angewandte Kunst Wien, erkundeten die Studierenden des Fachbereichs Industriedesign Verbinder und Beschläge im erweiterten Kontext der angewandten Künste. Eine Auswahl der Projekte, die in Zusammenarbeit mit dem Beschlägehersteller Blum entstanden sind, werden im Rahmen des Fuorisalone gezeigt. Via Novi 2

Alcova
@alcova.milano
In diesem Jahr nimmt Alcova gleich zwei Standorte ein, die eine besondere Kulisse zum Erkunden und Innehalten bieten: Während sich Alcova Sassetti mit Ausstellern wie Philipp Weber oder Studio Minale in einer perfekt erhaltenen Kaschmirfabrik aus den Dreißigerjahren in Isola befindet, okkupiert Alcova wie im vergangenen Jahr wieder die ehemalige Panettonefabrik von Giovanni Cova nördlich von Loreto. Hier stellen unter anderen das Schweizer Label Qwestion sein aus Bananenpflanzenfasern entwickeltes Material Bananatex und Formafantasma eine Installation und Entwürfe für Dzek vor. Mit dem Caffè Populaire schafft der kanadische Leuchtenhersteller Lambert & Fils zusammen mit dem Mailänder Studio DWA den passenden Rahmen für das Verweilen. Alcova, via Popoli Uniti 11-13; Alcova Sassetti, via Sassetti 31

L'Ultima Cera
@fonderia_battaglia
Kuratiert von Nicolas Bellavance-Lecompte für die Fonderia Artistica Battaglia und produziert von 5VIE, zeigt die Ausstellung L'Ultima Cera die Auseinandersetzung von Anton Alvarez mit dem für ihn bislang unbekannten Material Bronze. Der in Stockholm ansässige Designer hat seine selbstgebaute Maschine Extruder für die Arbeit mit Wachs adaptiert. Sie besteht aus einem großen Metallzylinder, der mit Hilfe eines Elektromotors mehr als 2.000 Kilogramm Druck auf das Wachs ausübt. Dadurch wird es durch verschiedene Formen und Ausschnitte in ein Becken mit kaltem Wasser gedrückt, wo Alvarez ihm mit den Händen seine endgültige Form verleiht. Nach dem Aushärten des Wachses werden alle Teile in Bronze gegossen, sodass jedes Stück ein Unikat ist. Chiesa di San Bernardino alle Monache, via Lanzone 13

Guiltlessplastic

@rossana_orlandi
Mit Guiltlessplastic hat Rossana Orlandi ein Projekt initiiert, das veranschaulichen soll, wie Plastik eine Materialressource sein kann, ohne eine Bedrohung für die Umwelt darzustellen. Die Mailänder Galeristin hat einen offenen, mit 10.000 Euro dotierten Ro Prize ausgeschrieben, der Entwürfe kürt, die aus recyceltem oder recycelbarem Kunststoff hergestellt und während des Fuorisalone im Spazio Rossana Orlandi gezeigt werden.
Außerdem lud sie renommierte Designer wie Nacho Carbonell, Formafantasma, Jaime Hayon, Studio Job, Max Lamb, Piero Lissoni oder Scholten & Baijings ein, Objekte zu gestalten, die ausschließlich aus wiederaufbereitetem Plastik bestehen. Zu sehen sind die Plastic-Master’s Pieces im Eisenbahnpavillon des Museo Nazionale della Scienza e Technologia Leonardo da Vinci. Spazio Rossana Orlandi, Via Matteo Bandello, 14/16; Museo Nazionale della Scienza e Technologia Leonardo da Vinci, via San Vittore 21

Les Arcanistes – The future is unwritten
@studiopepe_official
Das Projekt Les Arcanistes – The future is unwritten beschäftigt sich mit der Wechselbeziehung von Materie und der archetypischen Macht von Symbolen. Die Arkanisten waren die ersten Chemiker, die das geheime Wissen über die Formeln zur Herstellung von Porzellan und Materie im Allgemeinen besaßen. Auf Tarotkarten stellten sie das kollektive Unbewusste dar, was zu einer sehr persönlichen Interpretation des Dialogs zwischen Materie und Weissagung von Arianna Lelli Mami und Chiara Di Pinto führte. Auf einem Areal unweit von Loreto, das im letzten Jahrhundert für die Manufaktur von Gold genutzt wurde, gestalten die beiden Gründerinnen des Studiopepe in Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen eine narrative Reise, in der Produktneuheiten, Maßanfertigungen, Neuauflagen historischer Stücke, Künstler-Multiples, eine Wunderkammer von Materialien und eine Abfolge von Installationsräumen in einer großen Halle gezeigt werden, die als Kulisse dient, um die Ritualität des zeitgenössischen Lebens zu präsentieren. via Garofalo 24 – nur mit Einladung

Urban Up
@ingomaurergmbh
Wie schon vor drei Jahren wird der Torre Velasca wieder von Ingo Maurer und Axel Schmid in ein magisch leuchtendes Wahrzeichen verwandelt. Während das Hochhaus 2016 in einem kräftigen Glutrot erstrahlte, leuchtet es in diesem Jahr in einem tiefen Royalblau. „Nicht nur die Farbe ist diesmal neu“, erklärt der in München ansässige Designer Ingo Maurer. „Weiße vertikale Lichtstrahlen verlängern die geometrische Form des Baukörpers endlos in den Nachthimmel und setzen der markanten Form des Torre Velasca zudem noch eine Krone auf.“ Piazza Velasca 3/5

Human Code
@siam1838
Human Code ist ein autobiografisches Projekt des Mailänder Designers Roberto Sironi, das Anthropologie, Technologie, Datenanalyse und Experimente mit Prozessen und Materialien sowie seine Erinnerungen an besondere Begegnungen und Erkundungsreisen miteinander verbindet. In einer parallelen Dimension zu den Straßen der Stadt will die von Annalisa Rosso kuratierte Ausstellung die wichtigsten Phasen der menschlichen Evolution nachzeichnen. In einer Reihe von Entwürfen, die in den unterirdischen Räumen von SIAM 1838 zum ersten Mal ausgestellt werden, verschmelzen Fragmente von Vergangenheit und Gegenwart zu einem einzigen menschlichen Code in einer dichten Sedimentation, die 300.000 Jahre umfasst. SIAM 1838 – Società d'Incoraggiamento d'Arti e Mestieri, via Santa Marta 18

Playscape
@mikiyakobayashi
Mit Playscape kommt eine spielerische und künstlerische Installation nach Mailand. Der Entwurf des japanischen Designers Mikiya Kobayashi stellt einen neuen Typ Möbel vor, der die Funktion von Spielplatzausstattungen in den Alltag überträgt. Die Möbel werden von dem japanischen Hersteller Karimoku gefertigt, die Stoffe stammen von Kvadrat. Spazio Cernaia, Via Cernaia 1

New Sculptural Presence
@nilufargallery
New Scultural Presence ist die erste eigenständige Skulpturenausstellung von Nilufar. Kuratiert von Libby Sellers zeigt sie in einem Ausstellungsdesign von Patricia Urquiola die Arbeiten der drei zeitgenössischen Künstler Nao Matsunaga, Irina Razumovskaya und Jonathan Trayte, die für ihren außergewöhnlichen Umgang mit Materialien ausgewählt wurden – sei es Ton, Beton, Holz oder Bronze. Während Matsunaga beim Arbeitsprozess intuitiv auf die natürlichen Eigenschaften der Materie reagiert, balanciert Razomovskaya Kontrolle und Hingabe gleichermaßen und Trayte platziert sorgfältig jede Spalte und jeden Pinselstrich. Nilufar Depot, viale Lancetti 34

Broken Nature: Design Takes on Human Survival
@triennalemilano
Ein unbedingtes Muss für diejenigen, die sie noch nicht gesehen haben, ist die XXII. Triennale mit dem Titel Broken Nature. „Als kognitiver, pragmatischer und politischer Vermittler kann Design ein mächtiges Werkzeug sein, um Reparaturen vorzunehmen“, gibt Paola Antonelli, die MoMA-Designchefin und Kuratorin, die Losung vor. Die Hauptausstellung wird von 22 Länderbeiträgen ergänzt, darunter neben Deutschland, Österreich und Frankreich auch Kuba. Viale Emilio Alemagna 6

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