Grenzenlos: Ausstellung in Tokio

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Text: Jana Herrmann

Im Süden Tokios, fernab der klassischen Sehenswürdigkeiten, erhielt das Kollektiv teamLab im vergangenen Jahr mit dem Digital Art Museum ein eigenen permanenten Ausstellungsort. Auf einer Fläche von insgesamt 10.000 Quadratmetern gestalteten die Künstler ein psychedelisches Labyrinth aus unzähligen Lichtprojektionen. Fabeltiere laufen an den Wänden, japanische Schriftzeichen fallen von der Decke, und riesige Wale gleiten lautlos den Boden entlang. Daneben spazieren die Besucher durch einen Dschungel aus Leuchtstäben, stellen sich unter einen virtuellen Wasserfall aus Blumen, oder machen Selfies in einem Spiegelsaal mit leuchtenden Laternen.

Einen festgelegten Rundgang gibt es nicht, und oft können die Besucher auch selbst Einfluss auf die ausgestellte Kunst nehmen. So verlieren digitale Blumen im Flower Forest durch eine menschliche Berührung ihre Blätter, die Farben der Crystal World lassen sich durch Knopfdruck verändern und handgemalte Bilder werden mit Hilfe eines Scanners durch den digitalisierten Athletic Forest geschickt. Interaktivität lautet auch die Kernbotschaft der permanenten Ausstellung, der teamLab den Titel Borderless gab: Die Grenzen zwischen Kunstwerk und Betrachter sollen aufgehoben und der Mensch ein Teil der digitalen Welt werden.

Dabei ist die wahre Kunst dieses Projektes ein technisches Meisterwerk: 520 Computer und 470 Projektoren vereinen Wissenschaft, Technologie, Design und Natur, während durch Algorithmen alle Bilder in Echtzeit an Wände, Decken und Böden projektiert werden.

Der Run auf das weltweit einmalige Experiment ist auch knapp ein Jahr nach der Eröffnung immens. Eintrittskarten sollten Wochen im Voraus bestellt werden, denn die Warteschlange am Eingang ist lang. Doch der Einblick in die digitale Kunstwelt von morgen lohnt sich – es sein denn, der Strom fällt aus.

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