Große Ideen für kleine Räume

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Text: Judith Jenner

Seit einem Studienaufenthalt 2005 lebt die spanische Architektin Paola Bagna mit Unterbrechungen in Berlin. Sie hat sich auf Mikro-Apartments spezialisiert und baut sie so um, dass die Fläche optimal genutzt wird. Während bei Neubauten mit kleinen Wohnungen für Studierende, Touristen oder Pendler, wie sie in Berlin gerade zuhauf entstehen, die Grundrisse von vornherein an den begrenzten Platz angepasst werden, sind für den platzoptimierten Umbau eines Altbaus meistens größere Eingriffe notwendig. Da werden Trennwände eingerissen für eine Loft-Anmutung der Mini-Wohnungen. Da entsteht zusätzlicher Platz zum Schlafen unter der Decke, indem die Raumhöhe optimal ausgenutzt wird.


Freundschaftsdienst mit Folgen
Zu ihrer, in Zeiten hoher Immobilienpreise immer mehr gefragten Spezialisierung kam Paola Bagna eher durch Zufall. „Eine Freundin hatte sich 2011 eine kleine Wohnung in Neukölln gekauft“, erzählt die zierliche Frau mit den dunklen Haaren. „Sie bat mich, die Wohnung so auszubauen, dass der wenige Platz ideal ausgenutzt wird.“ Das fertige Projekt erschien auf mehreren Architekturportalen. Es folgten weitere Aufträge für kleine Apartments, aber auch Umbauten etwas größerer Wohnungen. Für eine Neuköllner Familie beispielsweise schuf sie mit einer maßgefertigten Mischung aus Schrank, Bett und Spielecke einen Raum im Raum für den kleinen Sohn. In Abidjan an der Elfenbeinküste richtete sie in einer alten Villa ein Boutique Hotel ein. Für eine Berliner Weinbar entwarf sie sowohl das Interior-Konzept als auch die Möbel.

Hohe Räume optimal nutzen
Auch in ihrem kürzlich fertig gestellten Projekt, einer 29-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Schöneberg, arbeiteten Paola Bagna und ihr Kollege John Paul Coss mit millimetergenau gefertigten Einbauten. Gleich neben der Eingangstür ist hinter kaschmirgrau beschichteten Holztüren aus der PerfectSense Serie von Egger Platz für die Waschmaschine, daneben ein passendes Fach fürs Waschmittel und darüber die Garderobe. Die offene Küche hat Fronten aus dem gleichen Material. Um möglichst viel Tageslicht hineinzulassen, ist die Arbeitsfläche zum Fenster hin etwas abgesenkt. Eine Metalltreppe führt auf die Hochebene hinauf. Durch ein Fenster ins Bad gelangt auch dort Tageslicht hin. „Die großzügige Deckenhöhe von Berliner Altbauten lässt sich gut nutzen, zum Beispiel als Stauraum oder für eine Hochebene zum Schlafen“, sagt Paola Bagna. „Es ist wichtig, nicht nur in Quadratmetern, sondern auch in Volumen zu denken, wenn man kleine Wohnungen gestaltet.“

Alte Materialien treffen auf neue
Die an der Escola Tècnica Superior d’Arquitectura in Barcelona und an der Technischen Universität Berlin ausgebildete Architektin hat keine One-fits-all-Lösung für kleine Räume parat. Sie passt ihre Entwürfe immer an die Bedingungen an, die sie in einer Wohnung vorfindet und arbeitet gerne mit alten Materialien. So ließ sie in der Schöneberger Einzimmerwohnung teilweise die alten Ziegelsteinwände freilegen und setzt sie mit LED-Leuchten in Szene. Zusammen mit den abgezogenen Dielen bilden diese rohen Materialien einen warmen Kontrast zu den gradlinigen Einbauten mit glatten Oberflächen. Um die Deckenhöhe von 3,60 Meter auch optisch zur Geltung kommen zu lassen, wurden im Wohnzimmer mit der offenen Küche zylinderförmige, bewegliche Strahler an der Decke installiert.


Viel los auf wenig Platz

Eine große Herausforderung beim Ausbau kleiner Wohnungen ist für Paola Bagna, dass viele Details von Anfang an mitgedacht werden müssen. „Auf jedem Quadratmeter passiert so viel, dass Umbauten kleiner Flächen oft teurer im Ausbau sind als viele Bauherrn denken“, sagt sie. Zugleich sind die kleinen Projekte für Handwerker eher uninteressant, sodass sich schon mancher Ausbau um Monate verschob, weil die Planung zwar stand, sich aber kein ausführendes Unternehmen fand.

Persönlich findet Paola Bagna, dass kleine Wohnungen durchaus ihren Reiz haben. Sie lebt in einer Zwei-Zimmer-Wohnung auf 45 Quadratmetern. „Ich denke, dieser reduzierte Lebensstil, wie wir ihn aus Japan kennen, wird sich auch bei uns immer stärker durchsetzen“, sagt die Architektin. „Man häuft weniger Dinge an und beschränkt sich auf die, die einem wirklich etwas bedeuten.“

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