Grün ist die Farbe: ISH Frankfurt 2009

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Text: Katharina Horstmann


Ob Whirlpools auf Rollen, Saunen fürs Wohnzimmer oder Dusch-WCs samt eingebauter Sitzheizung und Lufttrocknungsfunktion – selten hat es im Sanitärbereich einen solchen Innovationsschub gegeben, wie er jetzt auf der ISH 2009 in Frankfurt zu besichtigen war. Dabei stand nicht die Individualisierung einzelner Produkte im Vordergrund. Vielmehr ging es um die Inszenierung einer gesamträumlichen Badkultur sowie um Nachhaltigkeit – das Schlagwort der weltweit größten Messe der Branche. Denn der Mensch, so der Trend, zieht sich nicht nur gerne in die eigenen vier Wände zurück, sondern es steigt auch sein Interesse an nachhaltigen und zukunftsorientierten Designlösungen. Daher war die Stimmung gut, die Neugierde groß und das Gelände komplett ausgebucht. Auch die Publikumszahl war beachtlich: Über 200.000 Besucher drängten sich zwischen dem 10. und 14. März durch die Messehallen, jeder dritte von ihnen kam aus dem Ausland.

Eine besondere Initiative zum Nachhaltigkeitsthema war „Blue Responsability“. Unter diesem Titel hatten sich führende deutsche Firmen wie Dornbracht und Bette zusammengetan und zeigten in einem Parcours, dass durch langlebige Entwürfe, ökologische Materialien und fortschrittliche Technik sehr viel zum Umweltschutz beigetragen werden kann – und dies, ohne auf Komfort zu verzichten. Präsentiert wurden unter anderem Badewannen mit geringen Tiefen, wassersparende Armaturen und innovative Waschbecken, sowie Wasseraufbereitungssysteme und Gestaltungsphilosophien, die das Wasser zum Ausgangspunkt ganzer Programme und Raumkonzepte nehmen.

Design Plus Preis

Aber auch ausländische Aussteller bewiesen, dass der verantwortungsbewusste Umgang mit natürlichen Ressourcen Thema im Badezimmer ist. Die Waschbecken-WC-Kombination „W+W“ des spanischen Unternehmens Roca zum Beispiel speist durch eine spezielle Wasser-Wiederverwertungstechnik das aus dem Waschbecken ablaufende Wasser in die Toilettenzisterne ein. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Toilette wird so der Wasserverbrauch um etwa 25% gesenkt. Dank dieser Eigenschaft wurde „W+W“ mit dem Design Plus Preis ausgezeichnet, mit dem die Messe Frankfurt und der Rat für Formgebung insgesamt 30 Produkte für ihre technische Innovation mit gehobenem Design-Niveau prämierte. Ein anderer Gewinner des Wettbewerbs ist die NEOREST Series/LE Toilette des japanischen Komplettanbieters Toto. Diese vereint nicht nur WC und Bidet in einem Produkt, sondern besitzt auch verschiedene Waschprogramme sowie eine Lufttrocknungsfunktion und Sitzheizung.

Spektakuläre Markteinführung

Toto, eines der weltweit größten Sanitärunternehmen, nutzte die diesjährige ISH für seinen offiziellen europäischen Markteintritt. Speziell dafür kooperierte der Japaner mit der Londoner Designagentur Winkreative, die die gesamte Markenstrategie konzipierte und mit einer Reihe von Architekten einen 800 Quadratmeter großen Messestand kreierte. So wurde das Layout vom Schweizer Büro MACH Architektur erarbeitet; im Mittelpunkt standen drei Räume, in denen drei internationale Designbüros drei Kollektionen für den europäischen Markt interpretierten. Unter ihnen die deutsche Firma E15, die für die NEOREST Series/LE eine puristische Installation gestaltete und somit Totos minimalistische Designkultur hervorhob. Weiße Wände und eine Lichtdecke, die sich in regelmäßigen Abständen aufhellte, in Kombination mit schlichten, hell gebeizten Holzdielen an Boden und Wänden erinnerten den europäischen Besucher an die Zurückhaltung der Japaner.

Inszenierung einer gesamträumlichen Badkultur

Ein weiterer Höhepunkt der oft sehr technisch anmutenden Messepräsentationen war der Auftritt des deutschen Herstellers Burgbad. Das Stuttgarter Architektenbüro Bottega + Ehrhardt hatte sich von Le Corbusiers Villa Savoye inspirieren lassen und gestaltete einen offenen und transparenten Messestand auf zwei Ebenen ganz in Weiß. Hier stand – im Gegensatz zum gewohnten Auftritt – das architektonische Konzept im Vordergrund und unterstrich den Trend der ganzheitlichen Badgestaltung: Das Badezimmer wird zu einem integrierten Bestandteil eines zeitgemäßen Wohnkonzepts und immer mehr – wie jeder andere Raum – innenarchitektonisch gegliedert. Vorwandelemente nehmen Armaturen, und Waschbecken auf und Duschen werden zu Raumteilern oder mittig im Zimmer platziert, wie auch der von Phoenix Design für Kaldewei entworfene Duschteller „Piatto“ demonstriert.

Harmonisches Zusammenwachsen aller Bereiche

Die Trennung zwischen Nasszelle und Wohnen hebt „Axor Urquiola“ endgültig auf und besticht durch eine sehr feminine und facettenreiche Kollektion, die gleich zwei Design Plus Preise einheimste. Auch Zucchetti und Kos zeigten mit der neuen Serie „Faraway“ von Roberto und Ludovica Palomba wie Teile des Bads mit der Wohnfläche harmonisch verfließen, so dass nicht mehr zwischen den verschiedenen Bereichen differenziert werden kann. Dementsprechend präsentierten die beiden italienischen Unternehmen ihre neuen Badprodukte wie Wohnobjekte. Aufgeschlagene Bücher, Pflanzen und Geschirr lagen verstreut um die Wannen herum und vermittelten den Eindruck, nicht auf einer Messe, sondern bei jemandem zu Hause zu sein. Duravit ging noch einen Schritt weiter und holt mit „Inipi“ die Sauna aus dem Keller. Aber auch Hoesch verleiht dem Wohnraum eine ganz neue Wellnessdimension: Der Stuttgarter Designer Michael Schmidt von Code 2 Design interpretierte für den Dürener Sanitärhersteller den Whirlpool neu und entwarf ein Möbelstück auf Rollen, das bei Sonnenschein auf die Terrasse geschoben werden kann.

Modische Nachhaltigkeit

Mit der Wohnqualität erhält das Badezimmer auch zunehmend einen modischen Anstrich. Doch dass dies nichts mit kurzlebigen Objekten zu tun hat, beweist der Schweizer Badspezialist Laufen. Seine neue Kollektion „Mimo“ – die charakterisiert ist durch bauchige Rundungen und schimmernde Oberflächen in den Farben Pink, Schwarz und Weiß – ist auch ein Beispiel für den Themenschwerpunkt der ISH: Die Armaturen an Dusche und Wanne sind mit der Wasser- und Energiesparkartusche „Ecototal“ ausgerüstet; die Hochglanzoberflächen der Möbel wurden aus neu aufgearbeiteten Materialien hergestellt, und die gesamte Serie ist recyclefähig.

Gute Stimmung

Eines ist klar: Grün war die Farbe der Messe. Wasserwiederaufbereitung, Recycling und Ökologie waren die Stichworte dazu. Dabei fiel eines besonders auf: Insbesondere deutsche Unternehmen handeln schon lange nachhaltig und entwickeln Lösungen, die mit der Ressource Wasser sparsam umgehen, wie man bei Hansgrohe und seinem Strahlforschern sehen kann. Neu ist nur, dass sie nun darüber sprechen und diese Kompetenz stark in den Vordergrund stellen. Neu ist auch, dass grünes Design langsam sexy wird. Aber vielleicht liegt das daran, dass zukunftsorientierte Lösungen von nun an Hochkonjunktur haben und richtig gefragt sind.

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