Hej Ikea: Warum Ypperlig nichts taugt

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Text: Jeanette Kunsmann und Stephan Burkoff, Foto: © Ikea, 16.10.2017

Eigentlich fing alles so gut an: Die vagen Ankündigungen, euphorische Artikel mit ersten Bildern, der ganz große Hype und dann ging es wirklich los: Seit Anfang Oktober kann man die Ypperlig-Kollektion, eine Kooperation von Hay und Ikea, im Laden kaufen – beziehungsweise im Abhollager, je nachdem wie man den Möbelriesen definiert.

Ypperlig – viel Lärm um nichts?
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Auf große Spannung folgt manchmal eine entsprechend große Enttäuschung. Völlig antizyklisch, hatten wir bereits wenig erwartet und waren dennoch entsetzt: Lieblos am Eingang drapiert, stehen die Ypperlig-Ausstellungsstücke in kleinen, halboffenen Kammern. Immerhin: Die Farben sind alle ziemlich hygge und treffen so den Zeitgeist. Aber die schlechte Qualität des Materials ist erschütternd. Nun stammt der Name wie alle Namen des Hauses aus dem Schwedischen: Übersetzt heißt „ypperlig“ so viel wie exzellent, fantastisch, hervorragend. Stellt sich also schnell die Frage, welche Begriffe denn bei so viel Euphemismus und Selbstüberzeugung für das Gegenteil von ypperlig gefunden werden? Denn ypperlig sind diese Möbel und Accessoires wahrhaftig nicht.

Rolf und Mette Hay

Dass Mette und Rolf Hay sich seit ihrer Firmengründung 2002 ein kleines Designimperium aufgebaut haben, ist längst auch außerhalb der Szene bekannt. Aber warum die Kooperation mit Ikea? „Trendig“ und „zeitlos“ soll die Kollektion sein, „ganz wie die einzelnen Produkte selbst“, heißt es weiter. Man stutzt. Ypperlig zelebriere „die Schönheit des Wesentlichen mit einer vielfältigen Produktpalette von größeren Möbelstücken wie Sofas und Couchtischen bis hin zu kleineren Accessoires wie einer aktualisierten Version der kultigen blauen Ikea-Tasche“, lautet die lobende Presseerklärung von Marcus Engman, Chefdesigner bei Ikea of Sweden.

Ist Ypperlig nun „Hay für Arme“ oder „Ikea für Designafficionados“? Immerhin sagt Rolf Hay in einem AD-Interview, dass er den Tisch für Hay nicht aus Birke mit einem Eschefurnier, sondern eher aus massiver Eiche hergestellt hätte, aber: „Das wäre viel teurer und würde dann wohl auch potentielle Käufer ausschließen.“ Bei Ikea spricht man vom bezahlbaren, demokratischen Design und von Nachhaltigkeit. Ja, ja. Was bitte soll an günstig produziertem, kurzlebigem Requisiten-Mobiliar nachhaltig sein? Zeitlose Klassiker wird man bei Ypperlig ebenso vergeblich suchen.

Auf dem Weg zum Ausgang begegnen wir dann noch vielen alten Bekannten: Kopien von Möbelklassikern und Neuheiten des Designs, die auf (un-)heimliche Weise ihren Weg in das Ikea-Sortiment gefunden haben. An den Kassen warten lange Schlangen genervter Menschen, die alle mal so gar nicht hygge aussehen. Vorteil für den schwedischen Hersteller bleibt, dass er die dänischen Kollegen nicht erst zu kopieren braucht – sie haben freiwillig mit Ikea zusammengearbeitet. Ypperlig aber fühlt sich ein wenig an wie das Ende des skandinavischen Designs.

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