IFA 2016: Best of Küchengeräte

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Text: Claudia Simone Hoff

Wie immer im September ist Berlin das Mekka der Technikenthusiasten. Auf einer Fläche von 158.000 Quadratmetern präsentiert die Internationale Funkausstellung (IFA) Neuheiten aus dem Bereich Consumer Electronics und Home Appliances. Wir sind dagewesen und haben Küchen- und Hausgeräte im (Design-)Gepäck: vernetzte Kühlschränke, rosarote Küchenmaschinen, niedliche Saugroboter – und auch ein paar gestalterische Grausamkeiten.

Die Zahlen sind beeindruckend: 13 Prozent mehr Aussteller, 5 Prozent mehr vermietete Fläche und auch mehr Besucher als im letzten Jahr. Mit 4,35 Milliarden Euro Bestellvolumen ist die IFA die weltweit bedeutendste Ordermesse für Consumer Electronics und Home Appliances. Noch bis Mittwoch kann man sich dort über die wichtigsten Trends im Elektronikbereich informieren.

Gipfelstürmer
Während der Bereich Consumer Electronics im Vergleich zum Vorjahr zwar zugelegt hat, aber insgesamt noch immer leicht rückläufig ist (-2,3 Prozent im ersten Halbjahr 2016), boomen die Elektrogeräte: Elektrogroßgeräte wie Kühl- und Gefrierschränke, Waschmaschinen, Trockner, Backöfen, Dunstabzüge und Herdplatten verzeichnen einen Zuwachs von 3,7 Prozent. Elektrokleingeräte wie Küchenmaschinen, Bügeleisen, Stabmixer, Staubsauger und Espressomaschinen ein Umsatzplus von 3,8 Prozent.

Unterwegs im Messegetümmel
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Downsizing
WMF toppt diese Zahlen um ein Vielfaches: Der in den letzten Jahren mehrfach umstrukturierte Konzern verzeichnet 2015 ein Umsatzplus von 30 Prozent – mit Kaffee-Padmaschinen, Frühstückssets und den sogenannten Küchenminis. Letztere vereinen gleich mehrere Megatrends, die auf der IFA 2016 allgegenwärtig waren: Urbanisierung, Healthy Life und Social Dining. Da Ein- und Zweipersonen-Haushalte weltweit extrem stark zunehmen und im Jahr 2020 rund zwei Drittel der Menschen in Städten wohnen werden, ist Downsizing angesagt. Deshalb waren in Berlin viele Kombigeräte zu sehen, die mindestens zwei Funktionen vereinen: Waschtrockner oder Backöfen mit Mikrowellen- und Dampfgarfunktion. Auch die Küchenminis von WMF sparen Platz, Ressourcen und Energie. Ergänzt wird das Sortiment nun um Eismaschine, Joghurtzubereiter und Smoothie-to-go. Im typischen, konservativen WMF-Stil gehalten, sticht gestalterisch nur der geradlinige Tischgrill im matten Cromargan-Look hervor. Der Wasserkocher aus Glas verfügt über eine zusätzliche Teefunktion – ein Trend, der auch bei Herstellern wie De’Longhi und Nespresso zu sehen war. Im Kleinformat ist nun auch ein echter Küchengeräteklassiker zu haben: die Küchenmaschine von KitchenAid.

Healthy Living
Gesundes Essen ist en vogue und nimmt auf der Liste der Trendthemen neben Vernetzung/ Smart Home und Nachhaltigkeit einen der vorderen Plätze ein. Die Fritteuse funktioniert statt mit Fett vorwiegend mit Heißluft (Airfryer Avance TurboStar von Philips), die Küchenmaschine wird um einen Dampfgar-Aufsatz ergänzt (Perfect Steam von Krups), und ein Stabmixer hat mit einem 1000-Watt-Motor so viel Power, dass er Avocadokerne zermalmen kann (Multi Quick 9 von Braun). Eng verknüpft mit dem Thema Healthy Living ist der Trend zum Selbermachen. Pasta aus Gemüse beispielsweise stellt der elektrische Spiralschneider KULT X von WMFmit einem Knopfdruck her. Und noch etwas lernen wir: Mixer ist nicht einfach Mixer. Während der High-Speed-Blender Blend-XPro von Kenwood mit 30.000 Umdrehungen pro Minute ruckzuck Smoothies und Suppen püriert, sorgt der Slow Juicer PureJuice Pro mit einer niedrigen Umdrehungszahl dafür, dass Vitamine, Enzyme und Nährstoffe im Saft enthalten bleiben.
Dyson 360 Eye
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(No-)Design
Und das Design? Es wird auch bei den Elektrogeräten für Haus und Küche immer wichtiger. Denn verschwimmen die Grenzen zwischen den Wohnbereichen, werden die Elektrogeräte zum Teil des Interiors. Hersteller wie Bang & Olufsen und Dyson sind seit jeher extrem designaffin und sehen im technischen Gerät ein Wohnaccessoire, dass neben der Funktion auch gut aussehen soll. Beide Hersteller präsentierten auf der IFA ziemlich ansehnliche und auch technisch avancierte Stücke: Die Dänen hatte die kegelförmigen 360-Grad-Lautsprecher BeoSound 1 & 2 und den Fernseher BeoVision Horizon aus Aluminium im Gepäck, während Dyson mit dem Saugroboter Dyson Eye 360 und dem Fön Supersonic überraschte. AEG indes hat nicht nur sein berühmtes Logo überarbeitet, sondern gleich noch Türgriff und Drehknopf einer Waschmaschine mit einem markanten Rillenmuster versehen, das an die AEG-Turbinenfabrik von Peter Behrens in Berlin erinnern soll.
BeoSound 1 & 2 von Bang & Olufsen
Shades of Grey
Am leichtesten (und günstigsten) umzusetzen für die Hersteller sind jedoch die Farben. Hier ist KitchenAid – die Amerikaner hatten in diesem Jahr übrigens kurzfristig von einer Messeteilnahme abgesehen – mit seiner Küchenmaschine ganz vorn dabei, die es jedes Jahr in neuen Farben gibt, beispielsweise in Guava Glaze. Für diejenigen, denen Babyrosa nicht zeitlos genug ist, sind die Klassikerfarben Schwarz und Weiß angesagt – und Abstufungen von Grau. Das Bluetooth-fähige Nespresso-Gerät Expert von De’Longhi kommt in elegantem Antharazit daher, die grifflose Küchengeräteserie ArtLine von Miele ist nun auch in Graphitgrau erhältlich. So manch ein Hersteller schießt in Sachen Design auch übers Ziel hinaus. Siemens präsentierte zum Beispiel eine wandhängende Dunstabzugshaube, deren hellblaue und rosafarbene Ambiente-Beleuchtung an einen Heiligenschein erinnerte. Gorenje kommt mit seinem freistehenden Kühlgerät mit schlüpferblauen Volkswagen-Bulli-Design nicht nur zur falschen Zeit, sondern demonstriert auch noch ganz unbeabsichtigt, dass Design nichts ist, das man einfach applizieren kann. Da geht noch was, finden wir und freuen uns schon aufs nächste Jahr.

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