Im Licht des Spiegels – Durlum im Porträt

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Text: Julia Bluth, 07.06.2011


Mit Spiegeln die Sonne einfangen – das ist nicht nur ein lustiges Spiel, das wir aus Schultagen kennen. Bereits in der Antike wurde die Technik der Heliostate zur Belichtung tiefer und damit meist dunkler Räume
beispielsweise der Pyramiden genutzt.  In großem Maßstab verwendet der Licht- und Deckenhersteller Durlum genau dieses Prinzip von Licht und Reflexion, um effiziente und angenehme Beleuchtungssituationen zu schaffen. In enger Zusammenarbeit mit den Forschern des Lichtlabors Bartenbach schafft Durlum so optimale Tages- und Kunstlichtsituationen für öffentliche Räume wie Schulen, Büros, Kirchen oder Flughäfen. Berücksichtigt man den Einfluss von Licht auf das menschliche Gemüt könnte es auch heißen, Durlum entwerfe Wohlbefinden…


...und das seit nunmehr über fünfzig Jahren. Schon 1946 schlossen sich die beiden Gründerväter Heinrich Dame und Fritz Reuter zu der Firma Dame und Reuter Apparatebau zusammen. Nur wenig später begannen sie, die ersten Leuchtstofflampen aus den USA zu importieren und in die Leuchtenproduktion einzusteigen. Das Geschäft mit dem Licht lief so gut, dass sie schon bald neue Fabrikräume in Schopfheim errichteten. Zur Vermarktung ihres Leuchten- und Metalldeckenprogramms gründeten sie schließlich während der sechziger Jahre eine GmbH mit dem Namen Durlum, eine Kombination ihrer Nachnamen mit dem Begriff Lumen, der Maßeinheit des Lichtstroms. Über die letzten Jahrzehnte hat sich der traditionelle Familienbetrieb zu einem globalen Unternehmen mit Produktionsstätten in ganz Europa und Asien entwickelt. Eins hat sich jedoch nicht geändert: Am Stammsitz in Schopfheim ist die Firmensprache weiterhin Schwäbisch.

Ohne Licht kein Raum


Als Hersteller von Decken- und Leuchtsystemen, die die Wirkung eines Raumes wesentlich beeinflussen, versucht Durlum bei jedem Projekt aufs neue, eine individuelle Lösung zur optimalen Raumgestaltung zu entwickeln. Dabei wird nicht nur der Mensch, sondern der Raum selbst als „Kommunikator“ betrachtet. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Partner, dem Lichtlabor Bartenbach aus Österreich, zeichnen sie dieser Maxime folgend für den reinen Tageslicht-Terminal am Changi-Airport in Singapur verantwortlich. Vor eine besondere Herausforderung stellte sie dabei das extreme Klima. Während in der Regenzeit jedes Licht willkommen ist, führen große Lichtmengen an sonnigen Tagen zu überhöhten Temperaturen und grellen Lichtverhältnissen. Hier schufen extra entwickelte, eloxierte Aluminium-Paneele  Abhilfe. Sie richten sich nach dem Sonnenstand und steuern so die Menge des eintretenden UV-Lichts je nach Tageszeit und Intensität. Reflektoren verteilen anschließend das Tageslicht gleichmäßig über die gesamte Fläche des Terminals.

Durlum und seine Partner


Solch schwierige Gradwanderungen sind das Spezialgebiet des Lichtlabors Bartenbach, mit dem Durlum seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. 1989 von Christian Bartenbach in Aldrans bei Innsbruck gegründet, beschäftigt man sich hier intensiv mit Wahrnehmungspsychologie, Umweltfragen und Produktentwicklung. Dank dieser jahrzehntelangen Forschungsarbeit können Durlum und Bartenbach mittlerweile auf viele gemeinsame Projekte zurückschauen. Gleichgültig, ob Sakralbauten wie die Frederiks Kirke in Kopenhagen oder Verwaltungsgebäude wie der Bundesrat in Berlin, die passende Lichtlösung wird immer gemeinsam gefunden. Für das Lichtkonzept des Kopenhagener Hauptbahnhofs erhielten Durlum und seine Projektpartner 2009 vom Dänischen Zentrum für Licht sogar den dänischen Lichtpreis. Um die erwünschte Mischung aus indirekter Beleuchtung und beweglichen Lichtakzenten zu erzielen, entwickelte und produzierte Durlum eigens konstruierte dimmbare Leuchten und Umlenksysteme aus Aluminium und elektropoliertem Edelstahl. Eine Aufgabe ganz anderer Art war die Umsetzung des Lichtdesigns für den multifunktionalen Brückenpavillon zur Weltausstellung 2008 im nordspanischen Saragossa. Von der britischen Architektin Zaha Hadid entworfen, verbindet das 275 Meter lange Bauwerk über den Fluss Ebro den Bahnhof mit dem Ausstellungsgelände und bietet ganze 7.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Das Hauptanliegen bei der Beleuchtung war es, jeglichen „Tunneleffekt“ und mögliche Anflüge von Klaustrophobie bei den Besuchern zu vermeiden. Erzielt wurde das gewünschte Ergebnis durch eine intelligente Mischung aus natürlichem Tageslicht und strategisch gesetzten LED-Spots, deren Licht von einem Aluminiumband in der Decke über die gesamte Brückenlänge reflektiert wird.

Reflexion als Schlüssel


Der Einsatz von Reflexionsdecken gehört seit langem zu den Spezialisierungen von Durlum. Da er die Menge der benötigten künstlichen Beleuchtung stark verringert, hat man sich auch bei so energieaufwändigen Gebäuden wie dem Flughafen Hamburg oder der St. Pancras International Station in London für großflächige Streckgitterdecken made in Schopfheim entschieden. Überhaupt ist Reflexion einer der Schlüsselbegriffe in der energieeffizienten Beleuchtung – egal, ob das Licht nun von der Decke zurückstrahlt oder schon direkt am Fenster eingefangen wird. Die Tageslichtjalousie Daytec ist beispielsweise ein System, das sowohl vor zu starker Sonneneinstrahlung schützt als auch Tageslicht direkt in den Raum leitet. Ein weiteres innovatives Tageslichtsystem ist die Light Pipe, ein Rohr, das natürliches Licht von draußen in die Raumtiefe großer Gebäude lenkt. Sogar fensterlose Räume erhalten auf diese Weise Tageslicht über Deckenstrahler und benötigen einen weitaus geringeren Anteil an Kunstlicht. Derartige Systeme senken nicht nur die Energiekosten, sondern steigern zusätzlich das Wohlbefinden des Menschen, für dessen Biorhythmus natürliches Licht unabdingbar ist.

Mit Lichtgeschwindigkeit in die Zukunft


Seit dem Import der ersten Leuchtstofflampen aus den USA ist viel passiert: Die klassische Glühlampe verschwindet beinah sang- und klanglos aus unseren Haushalten, Büros verwandeln sich zunehmend in Wohlfühloasen, und in den Städten wird die Nacht zum helllichten Tag. Heutzutage ermöglichen LED- und Tageslichtsysteme eine konstante Erhellung. Moderne Außenleuchten wie die Stelenleuchte von Durlum tauchen Plätze und Straßen ebenso energieeffizient wie blendarm in weiches und gleichmäßiges Licht. Dieser gezielte Lichteinsatz ist besonders in den zivilisatorischen Ballungsräumen von Vorteil, denn dort sieht man sonst – anders als im ländlichen Schopfheim – kaum noch einen Stern.


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