Klassik im Quadrat

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Text: Anne Meyer-Gatermann, 06.06.2018

Partner: Jung

Der Erste knipste vor 50 Jahren das Licht mit dem Schalter LS 990 an. Die großzügige quadratische Schaltfläche war damals revolutionär und behauptet sich bis heute als zeitloser Klassiker.

Er ist gerade einmal 81 mal 81 Millimeter groß und kann auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken: Vor 50 Jahren hat der Hersteller Jung den Schalter LS 990 eingeführt, in Duroplast Weiß. Seitdem hat sich der quadratische Schalter, dessen Design von der Ästhetik des Bauhauses inspiriert ist, mühelos auf dem Markt bewährt.

„Wir haben LS 990 seinerzeit nur mit einer einzigen Seite (im Katalog, Anm. d. Red.) angekündigt, denn wir wollten erst einmal vorsichtig testen, ob das Programm überhaupt angenommen wird. Da wurde auch kein großes Brimborium gemacht, etwa in der Art: Wir haben da eine neue Produktlinie. So war das System dann lange Zeit auch nur eines von vielen bei Jung. Erst in den letzten 25 Jahren hat es sich überproportional entwickelt“, erinnert sich der Grafiker Herbert W. Richter, der den Schalter entworfen hat. Mittlerweile ist LS 990 das umsatzstärkste Programm bei Jung.

Vor 50 Jahren war die große quadratische Schalterfläche des LS 990 revolutionär. Vorher war ein Kippschalter etwas breiter als ein Finger, die Blende sollte die Wand vor schmutzigen Händen schützen. Sein Schöpfer gibt sich bescheiden: „Im Prinzip hat sich die Grundform als Basis fast von selbst ergeben. […] Ich habe die Techniker gefragt, wie groß die Fläche denn maximal sein könnte und aus dem technisch bedingten, größtmöglichen Stichmaß innen von 71 mal 71 Millimetern und dem Überdeckungsmaß von 81 mal 81 Millimetern ergaben sich die Möglichkeiten für das Design: Eine Schaltergröße von 70 mal 70 Millimetern mit fünf Millimetern Rahmen außen herum“, erklärt Richter.

Auch wenn der Klassiker Trends locker überlebte, gab es in den vergangenen 50 Jahren eine zeitgemäße Entwicklung. 1979 gab es ihn in Brauntönen und ledergenarbt, 1984 kleidete er sich in eine Marmoroptik, 1998 fertigte Jung den LS 990 auf Wunsch des Architekten Till Schneider für das Cubus-Hotel in Düsseldorf erstmals in Schwarz – bis heute eine gefragte Ausführung. Auch Angela Merkel drückt einen LS 990 in Lichtgrau, wenn sie in ihrem Büro im Reichstagsgebäude das Licht ein- und ausschaltet. Im Jahr 1999 wurden im Bundespräsidialamt zum ersten Mal Schalter in Edelstahl installiert, drei Jahre später in Aluminium für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. 2008 kleidete Jung seinen Kassenschlager sogar in annähernd 24-karätiges Gold, wie zum Beispiel im Ritz Carlton Hotel in Moskau zu sehen ist.

Für jedes Metall wird die Fertigung einzeln angepasst: So werden in Aluminium die Wippen gefalzt, in Edelstahl tiefgezogen und kugelgestrahlt. Seit vier Jahren gibt es den LS 990 auch in Les Couleurs® Le Corbusier aus dem Farbsystem „Polychromie architecturale“ des Stararchitekten. Auch diese Erweiterung der Farbpalette nutzen Architekten rege, so der Hersteller. Vor zwei Jahren hat der Hersteller dann die flächenbündige Ausführung LS Zero eingeführt. Für individuelle Anfertigungen gibt es in der Firma Jung eine eigene Manufaktur.

Bei aller Wandelbarkeit ist der LS 990 seiner klaren Form immer treu geblieben – auch das ist sicher ein Grund, warum nach wie vor so viele Menschen gern den quadratischen Schalter drücken.

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