Kunst darf man nicht anfassen, aber begreifen

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Text: Jeanette Kunsmann und Stephan Burkoff, Foto: Cyrill Matter, 12.09.2017

Stefan Diez mag Schmarrn. Und damit haben wir gleich doppelt Glück, denn: Wir sind nicht nur mit einem äußerst gut gelaunten Designer aus München auf der Documenta in Kassel unterwegs, sondern auch mit einem unausgeschlafenen, aber charmanten Schweizer Fotografen.

Da im Kasseler Fridericianum das Nationale Museum für Zeitgenössische Kunst aus Athen seine bisher ungesehene Sammlung zeigen darf, es sich hierbei also keinesfalls um echte „Documenta-Kunst“ handelt, überspringen wir diese Ausstellung. Von dem Spektakel-Kunstwerk Parthenon of Books, das „Argentiniens Andy Warhol“ Marta Minujín auf dem Friedrichsplatz aus verbotenen Büchern installieren ließ, lockt uns der Untergrund. Direktor Adam Szymczyk empfiehlt als „möglichen Einstiegspunkt“ in seine Documenta 14 den stillgelegten Tunnel am KulturBahnhof, Kassels ehemaligem Hauptbahnhof. 1968 kurz vor der vierten Documenta eingeweiht, hielt hier 2005 die letzte Bahn. Seitdem ist es still geworden im Tunnel. Und dunkel. Die Eingänge zur Unterführung wurden geschlossen und asphaltiert. Auf dem Weg zu unserer ersten Station machen wir noch einen Schlenker zur Osteria auf dem Königsplatz. Beim Essen sprechen wir über die Hungertuchprojekte eines Designers (macht so was von keinen Spaß, sagt Diez), über laufende Projekte und über Kunst.

— Braucht man ein besonders großes Ego, um als Designer erfolgreich zu sein? Es braucht einen besonders starken Willen. Man muss als Designer die ganze Zeit verteidigen, überzeugen und sich durchsetzen. Das kann man nicht, wenn man nicht von sich selbst überzeugt ist. Ich sehe Design als Kollektivleistung, dabei ist die Souveränität des Designers, nicht sein Ego, gefragt.

— Welche Künstler und ihre Werke spielen eine Rolle für dich? Die Ausstellung von Thomas Demand damals in der Neuen Nationalgalerie in Berlin ist eine Inspiration gewesen: wunderschön! Auch die Werke von Anne Imhof gehen mir nahe: Allein das ist ein Grund, nach Venedig auf die Kunstbiennale zu fahren!

— Ist Kunst eher eine Erholung für den Kopf oder auch Inspiration für deine Arbeit? Kunst ist für mich keine direkte Inspiration, es gibt aber viele Gemeinsamkeiten. Eine gefällt mir besonders: Kunst wie Design suchen den Kontakt zum Alltag. Es ist schon so, dass Kunst ohne Kontext wenig Sinn macht, oder? Das ist bei Design ähnlich. Aber Kunst ist für mich keine direkte Inspiration, dass ich hingehe und sage: „Oh, diese Farben!“ Das wäre wirklich platt.

Auf der Pressekonferenz zur Eröffnung der Preview-Tage fordert Adam Szymczyk, dass die Kunst auf der Seite der Verlierer stehen soll. Aber muss Kunst eigentlich überhaupt irgendetwas? Oder könnte es nicht auch ein Fehler sein, wenn sich die Kunst an den Problemen der Gesellschaft und der Welt abarbeitet, fragen wir uns. Wenn man von Kunst zu viel verlangt, funktioniert sie dann noch? Vielleicht alles nur eine Frage der Standpunkte. „Ein Privileg der Kunst ist, dass sie sich den Freiraum behält, politisch zu agieren. Ich sehe sie aber nicht im Dienste von Problemlösungen.“

Wenn Kunst nicht politisch sein muss, hat Design eine politische Komponente? Sollten Designer politisch sein? Stefan Diez überlegt: „Für mich ist Design nicht politisch, sondern vielleicht im besten Fall sozial relevant.“ Pause. „Aber du hast eine Zeit lang in der Schlosserei bei Kraus Maffei gearbeitet“, fällt uns ein. „Natürlich hat Design für dich eine politische Dimension!“ Pause.

„Ich habe dort Schweißen gelernt. Aber ja, sie stellen auch den Leopard II her: In diese Abteilung durfte ich aber nur mal ganz kurz reinschauen, arbeiten durfte ich dort nicht. Obwohl es mich, ehrlich gesagt, schon interessiert hätte. Man muss dabei vielleicht auch zwischen Moral und dem eigenen Empfinden unterscheiden.“ Wir reden über Doppelmoral, Krieg und Frieden durch Waffen. „Entweder man akzeptiert das Prinzip der Verteidigung. Oder man unternimmt etwas dagegen“, meint Diez. „Ist es vielleicht etwa ‚nicht so schlimm‘ wenn die Waffen schlecht gestaltet sind? Ist meine moralische Verpflichtung also damit erledigt, dass ich als Designer keine Waffen entwerfe? Nein, natürlich nicht!“

Abstieg in die Unterwelt: Durch einen verrosteten Überseecontainer, der einsam und verloren vor dem ehemaligen Hauptbahnhof von Kassel steht, gelangt man in das ehemalige unterirdische Zwischengeschoss – ein toller Effekt. Für uns beginnt an dieser Stelle die Documenta 2017: in einer jungen westdeutschen Ruine, die seit zwölf Jahren mehr und mehr verfällt. Eine Etage tiefer flackert zwischen zwei rostigen Rolltreppen eine Videowand mit 14 Kanälen: Überforderung sorgt für Konzentration. Der französische Filmemacher Michel Auder hat mit The Course of Empire (2017) eine Collage aus abgefilmten Fernsehnachrichten, die mitunter Demonstrationen gegen den Ersten Golfkrieg zeigen, Videos militärischer Operationen und sogenannten „Textfilmen“ (aus iPhone-Bildern sowie mit Schriften von Arthur Rimbaud und anderen sowie Passagen aus Alexander von Humboldts Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents) geschaffen.

Wenn man sich umdreht, blickt man am Ende des verhältnismäßig kurzen Tunnels mitten ins Licht: Durch diesen Ausgang gelangen wir über die stillgelegten Gleise – die man ja eigentlich gar nicht betreten darf – in die Kasseler Nordstadt. Wir wollen in die Neue Hauptpost, das ehemalige Briefzentrum von Kassel: In dem Siebzigerjahrebau befindet sich jetzt für 100 Tage die Neue Neue Galerie, einer der vielversprechenden Documenta-Tipps. Weiß man aus den sozialen Medien.

Im Treppenhaus der Neuen Neuen Galerie begegnet uns eine Frauengruppe, die Marcel-Proust-Bücher auf dem Kopf balanciert. Es ist eine Spazier-Performance der serbischen Künstlerin Irena Haiduk: eine „Armee schöner Frauen in voller Yugoform“. Ihre Borosana-Schuhe können die Besucher in der Ausstellung mit dem Titel Yugoexport kaufen, müssen dazu aber einen Vertrag abschließen, in dem sie versichern, dass sie die Schuhe nur zum Arbeiten tragen werden. Stefan Diez grinst. Ihn erinnert der jugoslawische Schuh an das Gegenteil von Arbeit: Er denkt an die Urlaube seiner Kindheit und eine schöne Bedienung: „Vielleicht das erste Mal, dass ich verliebt war“. Wir wundern uns, wie viele Frauen diese Schuhe kaufen. In Kassel gibt es diesen Sommer wohl viel zu tun.

Auf dieser Documenta ist Performance-Kunst allgegenwärtig. Irena Haiduk hat zum Beispiel auch im Obergeschoss der Neuen Neuen Galerie eine Art Catwalk aufgebaut und eine Wartehalle installiert: ein perfekt inszeniertes Setting, das durch ihren „Blind Room“ ergänzt wird. Hier hören die Besucher eine Performance in totaler Dunkelheit, aber auf bequemen Liegestühlen, was wir natürlich ohne Zögern mitmachen. Auch Stefan Diez lässt seine Liege zurückkippen und hört den Stimmen zu, die ein Gespräch zwischen der Künstlerin und Srđa Popović, dem ehemaligen Anführer der Studentenbewegung Otpor!, vorlesen. Es geht um die Parallelen zwischen politischen Beratern der Organisation CANVAS (Zentrum für angewandte gewaltlose Aktion und Strategien) und Künstlern. Irgendwo in der absoluten Dunkelheit hört man ein tiefes Schnarchen.

Kunst darf man in der Regel nicht berühren – die Arbeit eines Designers hingegen hat viel mit Haptik zu tun. Würde es helfen, Kunst „zu greifen“, um sie besser zu „be-greifen“? Wir sprechen über Ausstellungskonzepte, über die große Demand-Show in der Neuen Nationalgalerie und natürlich über die Diez-Ausstellung Full House im Museum für Angewandte Kunst Köln, die Mitte Juni abgebaut wurde und von der Elemente dann nach Doha verschifft werden. „Als wir diese Ausstellung entwickelt haben, war Anfassen im Sinne von Begreifen ein zentrales Thema“, erinnert sich Diez. „Ich war neugierig, wie die Leute mit den Exponaten umgehen, die im Grunde ihrem Wohlwollen ausgeliefert sind. Und bis dato ist nichts kaputtgegangen – (überlegt) bis auf den Deckel einer Kaffeekanne.“

Für Stefan Diez war es eine bewusste Entscheidung, in seiner Ausstellung eine Verbindung zwischen Betrachter und Objekt herzustellen. „Bei der Kunst wäre es irgendwie doch auch mal ganz gut, wenn die Distanz kleiner wäre“, sagt er, während wir an drei Frauen mit spitzen Schuhen vorbeischlendern, die in angespannter Starre auf einem pinken Teppich liegen. Staging heißt diese Live-Installation von Maria Hassabi: „Die Tänzerinnen schaffen keine Formen – sie verweisen darauf, wie wir Formen fühlen“, ist im Katalog zu lesen. „Wobei das ‚Nicht-Begreifen-Können‘ von Kunst weniger physisch ist, sondern damit zu tun hat, dass man sie manchmal einfach schlichtweg nicht versteht.“ Als wir die Neue Neue Galerie verlassen, wartet am Eingang Wolfgang Joop mit Entourage.

Weiter zur Schönen Aussicht 1. In der Neuen Galerie untersucht die Künstlerin Maria Eichhorn mit ihrem „Aufruf an die Öffentlichkeit, NS-Raubgut im unrechtmäßigen Besitz zu recherchieren und dem Rose Valland Institut mitzuteilen“, die Enteignung von jüdischem Besitz. Als wir vor einer Wand mit der 210-teiligen Porträtserie Real Nazis stehen, merken wir, dass es für heute genug ist. Der polnische Künstler Piotr Uklański versammelt hier auf einer raumhohen Fläche „NSDAP-Parteigrößen, Kriegshelden und Verbrecher“ (also echte Nazis) und mischt unter diese fiktionale Nazi-Ikonografien aus Hollywood, sodass man sich fragt, welche real sind und welche nicht. Eigentlich ein interessantes Spiel. Wir drehen eine Runde, vorbei am Beuys-Raum weiter durch die Arkade und langsam Richtung Ausgang: Kunstpause ist Prosecco-Pause!

Produkte von Diez Office und die Ausstellung Full House im MAKK
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— Stefan, du hast vorhin erzählt, dass deine allererste Ausstellung in der Pinakothek in München die beste war: Warum? Man kann die beiden Ausstellungen nicht vergleichen: Für die Inszenierung des Rosenthal Design Awards habe ich überdimensionale Blumenkästen aus gefalteten Aluminiumblechen über die Balustrade des Atriums der Pinakothek gehängt, sodass jedes der Objekte seinen eigenen Raum bekam. Somit standen die Arbeiten nicht in Konkurrenz zueinander und hingen dabei frei im Luftraum: Damit konnte ich einen Ort schaffen, wo vorher keiner existierte. Das sah, wenn man unten reinkam und nach oben schaute, super aus. Der Aufwand der Herstellung war ziemlich gering, aber der Effekt war groß. Und ich erinnere mich, dass Konstantin Grcic (Diez hat drei Jahre bei Grcic gearbeitet, Anm. d. Red.), sichtlich beindruckt war, als er reingekommen ist. Das hat mir damals viel bedeutet. Interessanterweise gibt es hier eine Parallele zu Full House im MAKK, denn auch dort fand die Ausstellung nicht im Ausstellungsraum, sondern auf den Durchgangsflächen statt.

— Drei Dinge, die für deine Arbeit stehen: Instinkt, Handwerk und Verbindlichkeit? Zuversicht fehlt!

— Gibt es Grenzen, die du akzeptierst? Es gibt Grenzen vom Material her oder vom Fertigungsverfahren, die muss man akzeptieren: Es geht nicht darum, als Designer etwas zu beugen, also mit Gewalt zu verbiegen, um dann enttäuscht zu sein, dass das Material, dein Produkt oder deine Idee an irgendeiner Stelle in die Knie geht. Idealerweise entwirft man so, dass die Stärken eines Materials oder eines Verfahrens genutzt werden und dadurch Leichtigkeit entsteht, weil man eben nichts vergewaltigt. Ein japanischer Freund von mir – auch ein Designer – hat es mal ganz schön gesagt: Die europäischen Designer versuchen oft, das Material zu dominieren. Die Japaner akzeptieren Imperfektion und sind viel demütiger gegenüber dem Material. Und dann gibt es die eigenen Grenzen. Das sind dann die, die am schwierigsten zu akzeptieren sind. Was könnte aber eine andere Haltung sein, außer der, sie zu akzeptieren?

— Ist Design denn für dich ein demokratischer Prozess? Nein, finde ich nicht. Design kann demokratisch sein, aber der Prozess ist kollaborativ. Design muss an die Grenzen gehen, das liegt nicht im Wesen des demokratischen Prozesses.  

— Wie es aussieht, bist du von deiner Arbeit auch, entschuldige das Wort: besessen. Was bringt dich dazu, immer weiter zu gehen? Meine Arbeit macht mich glücklich. Designer zu sein, kann im handwerklichen Sinne sehr zufrieden machen. Man schafft etwas aus sich heraus, was es so vorher nicht gab. Es ist manchmal ein Rätsel, eine Akrobatik für Geist und Hand und auch: Lust am Spiel!

Inzwischen liegt der erste Documenta-Tag hinter uns, und wir befinden uns beim Abendessen. Stefan ist, so hört und liest man überall, ein guter Koch, der es sich nicht nehmen lässt, regelmäßig im Studio für sein Team zu kochen. Zeit, ans Eingemachte zu gehen:

— Woran erkennst du eine gute Idee? Sie eröffnet Interpretationsspielraum. Es geht mir darum, den Phänotyp einer Idee zu extrahieren. Ich bin kein Designer, der an Formalismen festhängt und die perfekte Proportion sucht: Veränderungen im Laufe eines Prozesses sollte man als Chance sehen und sich eben nicht festbeißen. Eine gute Design-Idee hält das aus, wird dadurch vielleicht sogar besser. Das wollten wir bei unserer Ausstellung Full House zeigen.

— Wie viel Prozent der Zeit verbraucht ihr in deinem Studio ohne greifbares Ergebnis? Das Scheitern findet ja nicht nur am Ende eines Projektes statt, es kann jeden Tag passieren  – also im Kleinen: Trial and Error, der Versuch und der Fehler. Du stellst eine Annahme auf den Tisch und schaust, ob sie standhält. Und wenn ich das mit einbeziehe, würde ich sagen, dass wir wahrscheinlich 90 Prozent unserer Zeit mit dem Error beschäftigt sind.

— Das Eingestehen von Fehlern gehört also auch dazu. Aber wie du schon meintest: Scheitern muss man sich auch leisten können. Scheitern klingt immer negativ, obwohl man erst durch Fehler etwas lernen kann. Risiko und Verlust spielen beim Scheitern eine große Rolle. Es wäre ja wertlos, wenn man damit nicht auch etwas zu opfern bereit wäre.

— Was sind die besten Argumente eines Designers? Relevanz, Schlüssigkeit und Prägnanz.

— Kann man heute noch ruhigen Gewissens Produkte aus Plastik entwerfen? Machen wir eine einfache Rechnung auf: Am Beispiel eines handgeflochtenen Korbs aus Afrika für 50 Euro: Der Korb besteht aus einer Mischung aus Weidengeflecht und Left-over-Plastikschnüren. Diesen Wäschekorb benutzt man vielleicht fünf Jahre, dann ist das Ding kaputt. Kauft man hingegen für 25 Euro einen Wäschekorb der aus Polyethylen hergestellt ist, nach 15 Jahren immer noch wie neu aussieht, und recycled werden kann – da ist es schwierig zu sagen, was besser ist. Das Dilemma ist, dass unsere Paradigmen längst keine Allgemeingültigkeit mehr haben. Alles ist relativ geworden.

— Fällst du nach einem Projekt eigentlich auch mal in ein Loch – also: Ist der Weg eigentlich wichtiger als das Ziel? Es ist extrem wichtig, Dinge abzuschließen. Obwohl es schwierig sein kann, wirklich aus den Projekten herauszukommen. Es gibt eben nicht diesen einen Moment, wo es vollbracht ist. Ein Produkt wird vorgestellt, oft zu einem Zeitpunkt wo es noch nicht fertig entwickelt ist. Später kommt es auf den Markt, und dann kommen möglicherweise irgendwelche Schwachstellen zutage, und man ist als Designer wieder involviert. Wenn es gut läuft, bleibt das Produkt zehn Jahre oder länger auf dem Markt und damit wächst das Vertrauen des Nutzers. Eine Qualität, die mir jetzt erst so richtig bewusst geworden ist.

— Klingt leidvoll, das muss man auch aushalten können… Etwas aushalten: Dahinter steckt etwas sehr Wichtiges! Nicht allem Druck sofort nachzugeben. Dann zeigen wir in Mailand eben mal gar nichts Neues, weil wir sechs Jahre nur an einem Projekt arbeiten! Sich also Zeit zu nehmen: Es geht nicht darum, immer neue Produkte zu machen. Ich finde es spannend, aus dem Potenzial, das wir gerade haben, komplexere, bessere Produkte zu schaffen.

Distanz zu seiner Arbeit kennt Diez nicht. Gibt es ihn denn auch ohne Design? „Ich habe mich irgendwann entschlossen, alles miteinander zu vermischen: Familie, Freunde, Arbeit“, antwortet er und fügt hinzu, dass er auch gerne am Wochenende im Studio sei. „Das ist für mich der schönste Ort. Dort gibt es viele nach außen gekehrte Gedanken, die mir beim Umherstreifen begegnen.

Im Studio Diez gibt es immer viel zu tun und viel zu kommunizieren: Zwischendurch telefoniert Stefan Diez immer wieder mit Rolf Hay und bespricht mit seinem Team Materialbestellungen für Prototypen. Wie auf Preview-Tagen üblich, treffen wir eine Vielzahl wichtiger Leute. Stefan kennt sie alle. Und alle kennen Stefan Diez. Was wir nach diesem Tag nicht behaupten können, ist, wirklich ein Bild von der Documenta 2017 bekommen zu haben. Einigkeit besteht allerdings in der Antwort auf die Frage nach der Zugänglichkeit der weltweit wichtigsten Kunstausstellung. Das kuratorische Konzept bleibt uns allen schleierhaft – „Checkt ihr das?“

„Das ist ja unfair“, sagt eine junge Frau aus der Kunstgesellschaft abends auf einer Party. Es ist spät, die Bar noch offen, die Getränke gratis: der beste Moment also für große Gefühle, für Enttäuschungen, Glück und Spaß. „Ihr habt hier ein Date mit Stefan Diez und müsst euch gar nicht nur diese schlechten Ausstellungen anschauen!“ Immerhin kann sie noch lachen. In der Tat treffen wir viele Leute, die mit dieser Documenta 2017 nicht zufrieden sind, enttäuschte Gesichter, verzweifelte Menschen vor Kunst. Einer wie Stefan Diez aber lässt sich seine Laune nicht verderben: „Das tollste Kunstwerk, das ich heute gesehen habe, war das Hemd von Christoph (gemeint ist Christoph Amend, Chefredakteur vom ZEITmagazin, Anm. d. Red.)“, meint er. „Das war doch ein echter Jackson Pollock, oder?“ Diez grinst noch einmal, bevor er mit seiner roten Tasche in Richtung Bahnhof verschwindet.

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