La Maison des Artistes

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Text: Jana Herrmann
Foto: Services Generaux, Francesca Iovene und Noel Manalili

David Giroire und Jérôme Bazzocchi haben mit Theoreme Editions ein Label gegründet, das aufstrebendes europäisches Design fördern will. Dafür wollen die Franzosen nicht mehr als sechs Designer pro Jahr  in ihren kollektiven Zirkel aufnehmen und nicht mehr als zwölf Exemplare eines Entwurfes produzieren.

Streng genommen stammt der Ursprung des neuen Labels Theoreme Editions aus dem Modehaus Dior. Dort lernten sich David Giroire und Jérôme Bazzocchi Anfang der Jahrtausendwende während eines Praktikums kennen. Danach gingen beide ganz unterschiedliche Wege: Jérôme Bazzocchi absolvierte eine renommierte Business-School und trieb seine Karriere als Sales-Manager in London voran, während sich David Giroire in Paris einen Namen als Künstleragent machte und seit 2011 aufstrebende Akteure aus den Bereichen Design, Kunst und Architektur betreut.
Leidenschaft verbindet
Trotz ihrer unterschiedlichen Lebenswege und Wohnsitze pflegten die beiden ihre Männerfreundschaft. Eine besondere Verbindung zueinander bauten sie allerdings durch eine ganz bestimmte Gemeinsamkeit auf: ihre Leidenschaft für Design und zeitgenössische Kunst. „Dass wir in diesem Bereich irgendwann einmal etwas Professionelles aufziehen würden, war für David und mich schon zu Beginn unserer Freundschaft eine Selbstverständlichkeit’’, erzählt Jérôme Bazzocchi. Nach jahrelangen Reflexionen kam ihnen jedoch erst 2018 die zündende Idee zur Gründung des Labels Theoreme Editions, dessen erste Kollektion sie auf der diesjährigen Mailänder Design Week vorstellten.
Gestalterisches Mitspracherecht
„Wir entwerfen in engster Zusammenarbeit mit jungen Designern Möbel und Wohnaccessoires, die exklusiv für Theoreme Editions gefertigt werden’’, erklärt Jérôme. „Für ihre Entwürfe haben die Designer dabei so gut wie freie Hand. Wir stellen ihnen lediglich zwei Bedingungen: Das finale Objekt soll skulptural und poetisch sein. Für die Produktionsphase räumen David und ich uns dagegen ein großes Mitspracherecht ein. Denn global betrachtet sollen alle Werke einer Kollektion miteinander harmonisieren. Es soll zwar kein Total Look entstehen, aber die jeweiligen Objekte sollen auch mit denen der anderen Designer funktionieren. Für unsere erste Kollektion haben wir deswegen auch bei mehreren Entwürfen die ursprünglichen Materialien verändert. Francesco Balzano konnten wir zum Beispiel davon überzeugen, sein Constantin Stool aus Harz zu fertigen, obwohl er noch nie mit diesem Material gearbeitet hatte. In den Vorgesprächen mit Emmanuelle Simon stellte sich dagegen heraus, dass seine eigentliche Idee, die Jellyfish Lamps aus Keramik herzustellen, viel zu kompliziert gewesen wäre. Diesen Austausch finden wir sowohl in gestalterischer und technischer als auch in kommerzieller Hinsicht höchst interessant.“
Pro Europa
Dass ihre erste Kollektion ausschließlich von französischen Designern zusammengestellt wurde, hat einen überwiegend pragmatischen Grund. „Natürlich konnten und wollten wir so auch unsere französische Identität unterstreichen“, sagt Jérôme Bazzocchi, der weiterhin in London lebt. „Aber in erster Linie haben wir von bereits bestehenden Kontakten profitiert, die leichter von einem neuen Projekt zu überzeugen waren. Fünf der sechs Designer kannte David schon im Vorfeld persönlich.“ Die zweite Kollektion von Theoreme Editions, die auf der Mailänder Design Week 2020 vorgestellt wird, soll dagegen internationaler werden. Zumindest Großbritannien und Russland werden höchstwahrscheinlich vertreten sein, wie Jérôme verrät. Das Herkunftsland eines Designers sei aber kein ausschlaggebendes Auswahlkriterium. Lediglich europäisch soll es bleiben, auch hinsichtlich der Produktionsstätten. Nicht verändern soll sich auch die überschaubare Größe ihrer Kollektion – nicht mehr als sechs Designer pro Jahr wollen die Franzosen in ihren kollektiven Zirkel aufnehmen, nicht mehr als zwölf Exemplare eines Entwurfes werden produziert. „Wir haben definitiv nicht den Anspruch, eine Amazon-Plattform für Design zu entwickeln“, stellt Jérome augenzwinkernd klar.
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