Lebensraum Bad

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Text: Katrin Schamun

Es ist kein großes Geheimnis mehr, dass die Rolle des heimischen Badezimmers in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das Bad ist im Begriff sich zu verwandeln, über die bescheidenen Morgen- und Abendrituale hinauszuwachsen und sich zu einem eigenen Lebensraum zu entwickeln, indem auch Entspannung und Wellness einen besonderen Platz finden.
Bereits seit längerem geht die Nutzung des Wohnraumes hin zu fließenden Übergängen zwischen den einzelnen Räumen. Die Küche beispielsweise, bisher ein eigener abgetrennter Raum, öffnet sich und rückt in den Mittelpunkt des gemeinsam genutzten Wohn- und Essbereichs. Die eigenen vier Wände bilden den sozialen und kommunikativen Mittelpunkt des Lebens und damit verbunden ist die Tendenz eine auf die individuellen Bedürfnisse gestaltete Welt zu schaffen. Auf der Suche nach einem Gegenpol zu den steigenden Leistungsanforderungen im öffentlichen Leben und dem ausgeprägten Körper- und Gesundheitsbewusstsein unserer Gesellschaft wird das Zuhause zunehmend ein Ort des Rückzugs und der Entspannung. Auch das Badezimmer erfährt dabei eine Wandlung: von der zweckgebundenen Nasszelle zum Ort der Erholung mit Wellnessfunktion. Sein bisher begrenzter Raum dehnt sich damit aus und öffnet sich zum Schlaf- und Wohnbereich.
Das Bad als Lebensraum
So vieles in unserem Leben dreht sich um Erholung und Gesundheit, um das Gutaussehen und sich Wohlfühlen. Eine tägliche Dosis Entspannung und Wiederauffrischung nehmen wir im Badezimmer zu uns. Sei es am Morgen um uns für den Tag eine Portion Selbstbewusstsein vor dem Spiegel abzuholen oder am Abend bei einem heißen Bad den Körper und die Seele von der Anspannung des Tages „rein zu waschen“. Unsere Verweildauer im Bad hat sich deutlich erhöht und die Dinge, die wir dort tun, genießen immer mehr Aufmerksamkeit. Zu Hause ist das Badezimmer nicht mehr nur ein rein funktioneller Ort der Körperhygiene, sondern ein Lebensraum, in dem wir uns entspannen, uns pflegen, verwöhnen und verschönern, aber es ist auch ein Ort zum Zurückziehen und für Besinnung.
Die Individualisierung des Bades
Sollte dann das eigene Bad nicht nach unserem persönlichen Wunsch eingerichtet werden? Der Gestaltungsmöglichkeiten des Bades ist bereits beim Einzug Grenzen gesetzt. Es ist unüblich als Mieter eigene Badmöbel in die neue Wohnung mitzubringen und auch beim Kauf gehören installierte Waschbecken und Armaturen bereits zur Ausstattung. Obwohl Designer und Hersteller eine große Auswahl an Produkten für die individuelle Badgestaltung anbieten und Systeme entwickeln, die einfach zu integrieren und mobiler sind, wie beispielsweise Waschbecken, die nicht mehr eingelassen, sondern aufgesetzt werden, ist die Badausstattung oft ein notwendiger Kompromiss bei der Auswahl der Wohnung. Zudem bieten die meist gerade mal 3 qm großen Kammern bisher wenig Spielraum für die individuelle Entfaltung.
Doch in anderen Bereichen hat die Verwandlung der Badkultur bereits begonnen: Hotels beginnen Nasszelle und Aufenthaltsbereiche mit einander zu verzahnen und damit die Trennung Wohnen und Bad aufzuheben. Im Berliner Hotel Q ist der Sprung vom Bett ins Bad – bzw. in die Badewanne fast wörtlich zu nehmen und im Hi Hotel in Nizza besteht die Trennung zwischen Nasszelle und Schlafraum lediglich aus einer hauchdünnen Leinwand. Auch ein Spa und Wellnesscenter gehört inzwischen zum selbstverständlichen Angebot der Anlagen in allen Teilen der Welt.
Die Natur als Vorbild
Im Bad begegnen sich Design und Natur, letzteres in Form von Wasser, das als Naturereignis inszeniert wird. Neue Armaturen und Schwallduschen bilden Wasserfälle nach oder tropische Regenschauer werden mittels Kopfbrausen simuliert. Designer wie Hersteller orientieren sich an natürlichen Idealen. So nehmen Waschschalen die Form von Lagunen auf oder Wannen erinnern an die Schale eines Eis, ja sogar Handtuchhalter scheinen aus einem Ast geschnitzt zu sein. Weichen, organischen Formen werden in der Gestaltung jedoch auch gerne harte, reduzierte Geometrien entgegengesetzt. Eckige Wannen und quadratische Waschbeckenstehen runden und ovalen Formen gegenüber. Beide haben ihre Berechtigung, denn in unserer komplexen Welt steigt der Wunsch nach Klarheit und Puristik, nach Ruhe und Gelassenheit, aber gleichzeitig auch nach Natürlichkeit und Geborgenheit. Das Design antwortet mit einer klaren Sprache einerseits und kommt andererseits dem Harmoniebedürfnis mit weichen organischen Entwürfen entgegen. Darüber hinaus entwickelt sich das Bad zum eigenständigen, mit Skulpturen ausgestatteten Kunstraum: Frei stehende marmorne Wannen und steinerne Becken ruhen auf Podesten und gleichen damit eher Ausstellungsobjekte in einer Galerie.
Ein Blick in die Zukunft
Das Bad gewinnt an Bedeutung und wandelt sich von der hygienisch weiß gekachelten Zelle zum wohnlich gemütlichen Wellnessrefugium. Duschen und Baden für Wohlbefinden und Pflege werden immer selbstverständlicher als Rituale im Alltag gleichwertig behandelt und in den Wohnbereich integriert. Doch der Trend führt noch weiter: Ein eigenes Fitnesscenter könnte zukünftig das persönliche Spa ergänzen und damit passive und aktive Wellnessbereiche im eigenen Zuhause miteinander verschmelzen lassen. In vielen Wohnungen wird bereits auf ein Wohn- oder Gästezimmer verzichtet, um Platz für solch einen Raum, den so genannten „Groom-Room“ zu schaffen. Der „Groom-Room“ (aus dem Englischen grooming = sich zurechtmachen, sich pflegen) vereint Yoga-, Gymnastikraum und Schönheitssalon sowie Badezimmer in einem. Genau richtig, um den eigenen Geschmack in die Ausstattung und Einrichtung einfließen zu lassen, um einen Raum zu kreieren, in dem wir uns verwöhnen, in dem wir uns zurückziehen und uns Zeit nehmen für die Pflege des Körpers, des Geistes und der Seele. Bisher müssen wir dazu noch in eines der vielen Spas und Wellnesscenter gehen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, aber vielleicht könnte Ihr Gästezimmer in Zukunft anstatt, zwei mal im Jahr genutzt zu werden, bald einer expandierenden Badlandschaft weichen.

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