Light + Building 2018: Alles wird connected

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Text: Kathrin Spohr, 21.03.2018

Treten Sie ein in das Zuhause von morgen, wo das Internet im Lichtschein steckt, der Kühlschrank weiß, was Ihnen schmeckt und alle Geräte fortwährend miteinander kommunizieren. Was die Light + Building 2018 in Sachen Smart Home zu bieten hat, wirft Fragen auf. Vor allem natürlich: Was kommt und was geht? Aber auch: Was soll das alles?

Es ist erstaunlich, was heute so im Smart Home möglich ist. Eingang per Fingerabdruck, Gesichtserkennung, Sprachsteuerung. Das Internet der Dinge, IoT, hält Einzug: Kühlschränke, die eigenständig fehlende Lebensmittel bestellen. Badematten, die Alarm auslösen, wenn jemand stürzt. Leuchten, die miteinander kommunizieren und immer zur passenden Zeit Lichter ein- und ausschalten und für höchsten Beleuchtungskomfort sorgen. Darüber hinaus wird nun das völlig autarke Haus möglich: Denn die Energie, die auf dem Dach aus der Photovoltaik-Anlage gespeist wird, kann in Batterieschränken gespeichert werden.

60 verschiedene Hersteller haben sich zusammengetan, um auf der Light + Building das E-Haus, das Master-Smart-Home, zu präsentieren, das State-of-the-Art-Technik integriert. Doch Sehnsüchte nach einem Leben im intelligenten Zuhause weckt diese Präsentation nicht. Es wirkt zu nüchtern. Eigentlich sollten smarte Technologien das Wohlbefinden im Zuhause steigern. Stattdessen: Skepsis. Das Smart Home stagniert seit Jahren, der große Durchbruch lässt noch auf sich warten.

Die große Datenangst
Laut IoT-Analyse von Accenture, einem der weltweit größten Technologie-Dienstleister, haben die Hälfte der zukünftigen Nutzer beim Einsatz smarter Technologien Bedenken hinsichtlich fehlendem Datenschutz oder Cyber-Attacken. Hinzu kommt: Viele Hersteller versprechen ein Plug & Play. Realität ist aber, dass man sich erst in komplexe Funktionalitäten von Fernbedienungen oder Panels einarbeiten muss. Womöglich noch das Smartphone mit Smart-Home-Geräten synchronisieren soll, die am Ende gar nicht miteinander kommunizieren können, weil sie auf völlig unterschiedlichen Systemen und Datenprotokollen basieren. So kommt es dann zu absurden Begebenheiten, wie auch Designer Eric Degenhardt es erlebte: Die eigene Haustür, die „keyless“ per App gesteuert werden sollte, ließ sich gar nicht mehr öffnen, auch nicht analog. Der Supergau im Zuhause.

Echt physisch und haptisch
Degenhardt hat für Siedle gerade das neue Produkt Axiom kreiert. Ein Tischpanel, das aussieht wie ein Telefon. Nur viel schöner, eleganter. Es ist als Objekt gedacht, das sich eben nicht in oder an der Wand entmaterialisiert, sondern physisch markant sichtbar ist und verschiedene smarte Funktionen miteinander verbindet. Per Kabelanschluss. In der Petersburger Hängung der Wandpanele, so wirkte das Gesamtbild der Präsentationen im Messebereich Haus- und Gebäudeautomation – ein absoluter Hingucker. Das Äußere von Axiom hat etwas Vertrautes, Gelerntes. Vielleicht lässt sich so Zukunftstechnik überzeugender verpacken?

Smartifizierung des Alltags
„Wir sind in 4.0 angekommen, der Smart Robotic“, erklärt Wolfgang Henseler, Professor für digitale Medien sowie Creative Director bei Sensory-Minds. 4.0 steht für ein technologisches Zeitalter, in dem alles über Sensoren miteinander vernetzt werden kann, indem situativ relevante Daten, Dienste ermittelt und selbstständig weitergegeben werden können. Etwa mit WLAN ausgestattete Straßenlaternen, die Informationen über Verkehrsaufkommen sammeln und weitergeben, die Ladestationen für E-Autos sind. Jedes Produkt kann zum „data hub“ werden mit Sensorik und Aktorik.

Licht, das denken kann
Auch Philips will das IoT mit Licht nach vorne bringen. Light Fidelity, LiFi, heißt eine neue Ära hochwertiger, energieeffizienter Beleuchtung, die Highspeed-Breitband-Internet integriert. Es soll eine „sehr sichere Methode“ sein, kabellos Daten zu übermitteln. Nicht mit Radiowellen, wie bei WiFi, sondern mit Lichtwellen. Die neue Philips-Plattform Interact soll künftig die Daten managen, die von vernetzten Lichtpunkten, Sensoren und Systemen gesammelt werden.

Das Leben erleichtern
So viel Innovation begeistert. Doch Wolfgang Henseler weiß: „Es sollte sich in erster Linie nicht um die Technologie drehen, sondern um den Nutzen der Technologie für den Menschen: Inwiefern lässt sich Lebensqualität verbessern? Es geht darum, die Menschen zu befähigen, Dinge zu tun, die sie heute nicht tun können, und sie zu entlasten. Sie aber nicht durch Technik zu entmündigen.“ Der Hersteller, der künftig Erfolg haben will, überlegt sich am besten, wie er nutzerzentriertes Denken mit IoT-Technologien zusammenbringt.

Einerseits ist die Vorstellung schön, dass wir immer mehr fantastische Services entwickeln und realisieren können, um unser Leben zu optimieren. Andererseits rückt die komplette Überwachung damit immer näher. Klar ist es sinnvoll, Leuchten mit Sensoren, mit Kameras auszustatten. Die Daten über Bewegungsströme der Mitarbeiter großer Büros aufzunehmen, um Infos für ein besseres Gebäudemanagement oder Ökoeffizienz zu erhalten. So wie es etwa in The Edge in Amsterdam, die wohl derzeit smarteste, nachhaltigste Büroimmobilie überhaupt, getestet wird. Andererseits ist es auch etwas gruselig, wenn man sieht, wie dort jedes Handeln beobachtet, verarbeitet und genutzt wird, um Informationen zu generieren, oder womöglich zu neuen „Data Driven Businesses“ zu verarbeiten.

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