LivingKitchen 2015: Die Küche lebt

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Text: Claudia Simone Hoff, Foto: Hersteller, 08.12.2014

Das Auto war gestern. Jetzt ist die Küche das Statussymbol der Stunde. Warum das so ist, zeigt der erste Termin des neuen Jahres: das Kölner Küchenevent LivingKitchen im Januar. Für alle, die gutes Design und technische Finessen lieben, präsentieren über 180 internationale Hersteller ihre Produktneuheiten.

Küchenmöbel, Elektrogeräte, Spülen und Zubehör – die Küche von heute ist ein komplexes System, bei dem alles ineinander greift. Opulente Insellösungen, vernetzungsfähige Backöfen, technologisch avancierte Materialien, luxuriöse Spülbecken und Armaturen sind nur einige der Produkte, mit denen uns die Hersteller auf der LivingKitchen überraschen werden.

Schaulauf der Hersteller
Premiere in Köln feiert der deutsche Küchenmöbelhersteller Siematic, der sich zu Kollegen wie Eggersmann, Häcker Küchen, Nobilia, Rational, Leicht Küchen, Schüller, Team 7 und Warendorf gesellt. Italienische Hersteller, traditionell Trendgeber der Küchenbranche in Sachen Design, werden ebenfalls auf der LivingKitchen anzutreffen sein: Valcucine, Ernestomeda, Irinox, Steel Cucine, Riva 1920 und Ilve. Stark aufgestellt zur dritten Ausgabe des Messeformats sind Elektrogerätehersteller wie Bosch, Siemens, Gaggenau, AGA/ Falcon, Bauknecht, Miele, Gorenje, Küppersbüsch und Liebherr. Sie werden flankiert von Spülen-, Armaturen- und Zubehörherstellern wie Blanco, Franke, Villeroy & Boch, Dornbracht, Quooker, KWC und Cosentino. Das Schöne an der Kölner Messe: Neben den großen Namen machen auch Nischenhersteller auf sich aufmerksam und mit Pfeffersack & Söhne am Stand von Vooking, wo eine vegetarische Modellküche vorgestellt wird, mischt sich sogar ein Gewürzhändler darunter. Der Messestand der Tischlerei Sommer – in den letzten Jahren immer für eine Überraschung gut und mit dem eleganten Kochtisch k.13 dabei – wird dekoriert sein mit den Porzellantrouvaillen von Hering Berlin. Flix aus Bremen indes mag es mobil und hat neben der Faltküche flix Live den überraschenden Schrankkoffer flix Libero mit verstecktem Kicker im Gepäck.

Küche, quo vadis?
Der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge umfasst der deutsche Markt – ohne IKEA – jährlich rund 1,2 Millionen Küchen. Dafür gibt der deutsche Konsument im Durchschnitt 5.900 Euro aus. Nobilia fertigt inzwischen jede dritte in Deutschland verkaufte Küche und ist gut im Geschäft, ebenso wie Häcker Küchen. Das inhabergeführte Familienunternehmen stellt auf der LivingKitchen 2015 sechs Küchen aus den Programmen systemat und classic sowie die erste eigene Einbaugerätelinie unter dem Namen Blaupunkt vor. In einem höheren Segment verortet ist Leicht Küchen. Gestalterisches Highlight am Messestand des Herstellers, der am Unternehmensstandort Waldstetten gerade die Leicht Welt eröffnete, wird das Modell Concrete sein. Es transferiert das Material Beton in die Küche und spricht eine designaffine Zielgruppe an. Gefertigt wird die in drei verschiedenen Grau- und Rosttönen changierende Oberfläche weitgehend in Handarbeit. Ebenfalls einen Trend antizipiert QBox desselben Herstellers. Weil immer breitere Schränke verplant werden – der harmonischeren Linienführung wegen – wird die Organisation dieser Flächen immer wichtiger. QBox ist ein eigenständiges Ordnungssystem für die Schubladen-Innenausstattung, das in einer durchgängigen Designsprache gehalten ist und hochwertige Materialien kombiniert: Eichenholz für Lochrasterplatten und Trennbretter, hartelastische Bodenschalen in Karbonoptik, Porzellankeramikdosen und Glasdosen mit Edelstahldeckel. Siematic indes hat sein Ordnungssystem MultiMatic Aluminium um neue Komponenten aus Aluminium ergänzt. Franke bringt eine neue Dunstabzugshaube mit nach Köln: Maris Plus ist eine sogenannte Kopffreihaube, erreicht mit ihrem leistungsstarken Brushless-Motor eine extrem hohe Lüfterleistung und ist gleichzeitig energieeffizient.   

Von Formen, Farben und Materialien
Ausgefeilte Formen, aufeinander abgestimmte Farbwelten (Color Matching genannt), haptisch ansprechende und hochwertige Materialien, technische Raffinessen – diese Trends spiegeln sich auch in den Produkten der Spülen- und Armaturenhersteller. Die Spüle steht, aller aufsehenerregenden Innovationen zum Trotz, noch immer im Zentrum der Küche. An der Spüle nämlich wird immerhin 60 Prozent der Arbeit verrichtet. Blanco, seit jeher Trendsetter der Branche, feiert 2015 seinen 90. Geburtstag und wird seine Produkte am neu gestalteten Messestand unter dem Motto A Story of Quality zeigen. Schwerpunkt des Messeauftritts: Spülen aus Silgranit PuraDur, einem extrem widerstandsfähigen und pflegeleichten Material, das in vielen Trendfarben angeboten wird. Verfeinert hat Blanco zudem die vor einem Jahr vorgestellte Materialinnovation Durinox, deren Edelstahl-Oberfläche jetzt noch glatter und samtiger ist.

Kochst du noch oder lebst du schon?
„Die Küche ist wohnlicher und wärmer in der Ausstrahlung geworden“, stellt auch Roland Hagenbucher, Geschäftsführer von Siemens-Electrogeräte, fest. Weil die voranschreitende Emotionalisierung der Küche und des Kochens maßgeblich über die Gestaltung hergestellt wird, setzen die Elektrogerätehersteller ebenfalls verstärkt auf den Mehrwert von Design. Robert Sachon, Chefdesigner von Bosch, erklärt das so: „Architektonisch passen sich Hausgeräte immer besser in das Wohnumfeld ein, sie werden integrativer und entwickeln sich weg vom Werkzeug, hin zum Möbel.“ Dabei sind zwei gestalterische Strömungen bestimmend: Auf der einen Seite geradlinige Gerätelinien wie iQ700 von Siemens oder Serie 8 von Bosch – die auf der LivingKitchen um einen Sensor-Backofen ergänzt wird – in Materialien wie Glas, Chrom und Edelstahl. Andererseits Geräte im ausgeprägten Retro-Look.

Retro, retro
Die werden am Stand des italienischen Herstellers Ilve zu sehen sein, ebenso wie bei AGA Rangemaster. Der Messestand des britischen Herstellers mit seinen Marken AGA und Falcon steht unter dem Motto „Generation Stadt". AGA will die LivingKitchen als Gelegenheit nutzen, um sich in Deutschland – einem der wichtigsten Exportmärkte überhaupt – dem Publikum zu präsentieren. Dafür hat man den neuen Herd Aga City 60 mitgebracht, der mit einer Breite von sechzig Zentimetern für die kleinere Küche gedacht ist. Auch hier wird ein Trend aufgegriffen, denn parallel zur Wohnküche, die vorwiegend in Neubauten zu finden ist, nimmt die Urbanisierung zu. Und das bedeutet weniger Raum allgemein und damit auch weniger Platz für die Küche. Aga City 60, der seine Zielgruppe gleich im Namen trägt, ist aus Gusseisen gefertigt, verfügt über zwei Öfen und eine Herdplatte, auf der man kochen und sieden kann. Das auffälligste Gestaltungselement sind die zwei übereinander angeordneten, aus Gusseisen (ohne Fenster!) gefertigten Ofentüren sowie vierzehn zur Auswahl stehende Farben, darunter die extravaganten neuen Töne Rose und Lemon.

Die neue Großzügigkeit
Dass Retro technisch überhaupt nicht retro sein muss, beweist Falcon. Der neue Range Cooker Nexus 110 verfügt über ein Gaskochfeld mit fünf Gasbrennern und einer Multikochzone, Heißluft- sowie Multifunktionsofen, Teleskopgrill und Wärmeschublade. Solch frei stehende Elektrogeräte sind als Eyecatcher gerade in der Wohnküche beliebt, auch wenn weitaus mehr Einbaugeräte verbaut werden. Viel Platz braucht man ebenfalls für die Produkte amerikanischen Ausmaßes, die Miele auf seinem knapp 1000 Quadratmeter großen Messestand präsentieren wird. „Für die Range Cooker […] ist die LivingKitchen ein wichtiger Seismograph“, erklärt Gernot Trettenbrein, Leiter des Geschäftsbereichs Hausgeräte International. „Wir wollen ausloten, ob wir diese Geräte auch in Europa auf den Markt bringen.“

Trendbarometer
Womit das Stichwort gefallen ist: Die LivingKitchen ist ein Seismograf. Denn der gesellschaftliche Wandel mit den Megatrends Globalisierung, Mobilität, Individualisierung, Alterung und Medialisierung hat Auswirkungen auch auf das Wohnen und die Küche. Wie die Hersteller von Küchenmöbeln, Elektrogeräten, Spülen, Armaturen und Zubehör auf die Herausforderungen dieses Wandels reagieren und welche Lösungsvorschläge sie machen – das zeigt die LivingKitchen im Januar 2015.

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