Natürlich wandelbar

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Text: Judith Jenner

Das Zusammenspiel von urbanem Leben und Natur diente dem amerikanischen Designer David Oakey als Vorbild für seine neue Teppichfliesenkollektion Human Nature für Interface.

Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, Zeit in der Natur zu verbringen. Ob am Strand, in den Bergen oder im Stadtpark: Zwischen Bäumen und am Wasser fühlen wir uns wohl, können entspannen und Energie tanken. Dieser dem Menschen innewohnenden Affinität zur Natur gab der Biologe Edward O. Wilson in einem Buch aus dem Jahr 1984 den Namen Biophilie. Designer David Oakey entwickelte für den Hersteller Interface auf Grundlage dieses Ansatzes die Teppichkollektion Human Nature, die er kürzlich im von Tadao Ando entworfenen Gebäude der Langen Foundation in Neuss vorgestellt hat.

Biophilie als Gestaltungsprinzip
„Die Natur ist nie gleich: Kein Blatt, kein Kieselstein sieht exakt aus wie das andere, aber als großes Ganzes ergeben die Einzelteile ein stimmiges Bild“, sagt David Oakey im Gespräch mit Designlines anlässlich des Launchs. Eine weitere Eigenschaft der Natur sei der Wandel im Wechsel der Jahreszeiten. Es sei wissenschaftlich belegt, dass sich Menschen nach sensorischer Veränderung und Abwechslung sehnten. Das gelte sowohl für haptische wie visuelle Aspekte: Ob im Wald oder am Strand, in der Natur laufe man auch nie auf exakt ebenen Flächen.

Abwechslung am Arbeitsplatz
Zu Oakeys Bedauern findet man diese Abwechslung am Arbeitsplatz aber nur sehr selten. Mit der Kollektion Human Nature möchte er das ändern. Mit Mustern und Farbtönen, die mal an Steine, mal an Beton, mal an eine saftige Wiese erinnern, wurde die Teppichkollektion nach Vorbildern aus der Natur und aus dem urbanen Leben gestaltet. Unterschiedliche Florhöhen schaffen ein angenehmes Gehgefühl, das dem in der Natur  nahekommt.

Städte als Vorbild
Die Inspirationen kamen Oakey aber nicht nur bei Spaziergängen durch Wälder und Felder, sondern auch in der Stadt. Er zeigte beim Launch Fotos von seinem Besuch in Berlin aus dem vergangenen Jahr: alte Gemäuer neben moderner Architektur, ein Grashalm kämpft sich durch einen Spalt im Beton. „Der Großteil der Weltbevölkerung lebt heute bereits in Städten, und es werden immer mehr“, sagt David Oakey. „Doch auch hier ist die Sehnsucht nach der Natur spürbar: Es gibt mehr und mehr Parks. Architekten planen begrünte Wände oder Terrassen in ihre Bauwerke ein. Einwohner pflanzen Obst und Gemüse an öffentlichen Plätzen an.“ Diese Verbindung aus mensch- und naturgemachter Schönheit in den Bauwerken war für ihn die Schlüsselidee zu Human Nature.

Schöne neue Arbeitswelt
Nicht nur die Städte, auch die Arbeitsumgebung verändert sich. Ein gutes Beispiel ist für David Oakey der Interface-Kunde Google. Der Internetriese ist bekannt für seine bunten Büros, in denen die Mitarbeiter wählen können, ob sie am Schreibtisch oder an einem mobilen Arbeitsplatz arbeiten wollen. „Bei den Mitarbeitern kommt diese Wahlfreiheit extrem gut an“, so Oakey. Einen gravierenden Nachteil haben die neuen Großraumbüros allerdings: die Akustik. Um den Schall zu dämpfen, eignet sich Teppich deutlich besser als ein glatter Boden aus Holz oder Estrich. Auch unter gesundheitlichen Aspekten schneiden textile Bodenbeläge besser ab, denn sie absorbieren Staub und Pollen.

In Zukunft 100 Prozent nachhaltig
Ein wichtiger Aspekt ist sowohl für David Oakey als auch für Interface das Thema Nachhaltigkeit. Interface hatte sich bereits Mitte der 1990 Jahre auf die Fahnen geschrieben, ihm Rahmen seiner Mission Zero bis zum Jahr 2020 komplett nachhaltig zu agieren. Für David Oakey bedeutet das aber nicht etwa, dass nur noch natürliche Fasern wie Wolle oder Hanf verwendet werden. Stattdessen setzt er auf Inclusive Business, wie es Interface bereits mit dem preisgekrönten Recyclingprojekt Net-Works unterstützt. Dabei werden auf den Philippinen und an der Küste Kameruns ausrangierte Fischernetze gesammelt, die für Meerestiere sehr gefährlich sind. Aus dem Nylon der Netze entstehen neue Teppichoberflächen. David Oakey, der auch Firmen wie Nike oder Boing zu nachhaltigem Design berät, würde nie mehr einen Teppich aus reinen Rohmaterialen entwerfen, sondern immer recycelte Materialien verwenden.

Flexibel kombinierbar
In fünf verschiedenen Mustern und acht Farben ist die neue Human Nature-Kollektion von Interface erhältlich. Sie wird im Skinny Planks-Format mit den Abmessungen 25 mal 100 Zentimetern angeboten. Auf diese Weise lässt sie sich auch mit den Teppichfliesen der Maße 50 mal 50 Zentimeter aus anderen Kollektionen kombinieren – wie ein Lego-Kasten, aus dem sich die Designer bedienen können. David Oakeys Vision ist es, dass die Muster mit der Zeit auch verändert werden dürfen. Denn die Arbeitsumgebung der Zukunft ist für ihn nicht statisch, sondern in einem ständigen Wandel begriffen – genau wie die Natur.

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Dixon