Never stop Loving: Designers‘ Saturday 2018

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Text: Jeanette Kunsmann und Stephan Burkoff, 05.11.2018

Partner: Brunner, Girsberger, USM

„Never Stop Learning. Never Stop Trying. Never Stop Loving“, lautete der Apell von Sevil Peach. Auch wenn die Innenarchitektin leider nicht persönlich nach Langenthal reisen konnte (die Grippe…), ließ sie es sich nicht nehmen, Kurator Jan Geipel ihr Statement vorlesen zu lassen. Ihre Worte begleiten uns durch die Ausstellungen an sieben Orten. Und es gab noch weitere starke Inhalte, denn zum ersten Mal eröffnete der Designers’ Saturday in Langenthal mit Vorträgen und einem Talk – das Publikum versammelte sich im frischsanierten Stadttheater.

Studierende aus Düsseldorf inszenierten beeindruckend viel Mehl zu einer meterlangen Pyramide, um vor Ort frisches Brot zu backen: ein Handwerk, das etwas in Vergessenheit geraten ist. Die Akteure aus Japan – das erste Gastland des Designers’ Saturdays – fokussierten sich überwiegend auf das Material Papier und stellten winzige Papiermodelle, Papiervasen und Mode aus Papier im Depot for Design aus. Und auch Sebastian Herkner war dieses Mal mit dabei in Langenthal und präsentierte mit Classicon die wahren Helden hinter dem Bell Table: die Glasbläser der Poschinger Glasmanufaktur aus dem Bayerischen Wald.

Never Stop Learning
Mit wie viel Geduld, Leidenschaft und Feingefühl sie die extravaganten Glaspodeste herstellen, zeigten großformatige Projektionen mit Nahaufnahmen. Für die atmosphärische Videoinstallation, die den Prozess und nicht das Objekt ins Zentrum stellte, kürt die Jury Helden mit dem Grand Prix 2018, der auf dem 17. Designers’ Saturday ausnahmsweise zweimal vergeben wurde. Ebenso fragil wie der Glasfuß des Bell Tables ist auch das Werk der zweiten Preisträger: Die japanischen Architekten Naoki Terada und Koichi Suzuno, die auch auf dem Talk vertreten waren, werden für ihre fantastischen Papierwelten ebenfalls mit einem Grand Prix ausgezeichnet. Mit „Präzision, Leichtigkeit, Tradition und der oft unsichtbaren Schönheit unseres täglichen Lebens“ haben Terada und Suzuno eine spannungsvolle Installation in verschiedenen Maßstäben geschaffen. Der aufmerksame Besucher konnte in den Miniaturwelten von Naoki Terada sogar einen Mord auf offener Straße entdecken, die Airvase von Koichi Suzuno hingegen verzauberte die Besucher als Hybrid aus Produktdesign und Architektur.

Never Stop Trying
Die Kunst der Installation ergibt sich nicht einfach, man muss sie sich hart erarbeiten: Erfahrung wird dabei zu einem wertvollen Schatz. Die in Langenthal ansässige Industrie probiert schon seit Ende der Achtzigerjahre ein Format, das weder Messe noch Kunstausstellung ist, sondern sich dazwischen bewegt. Eben dieses Dazwischen sucht der Designers’ Saturday. Diese kleine, feine Biennale für Fachbesucher, Designer, Architekten fordert die Aussteller also immer wieder aufs Neue heraus, eine reine Messearchitektur genügt nicht. Und so muss man leider sagen, dass diese Synthese nicht jeder erreicht, einige der Inszenierungen hatten nur wenig Erinnerungspotenzial. Dafür begeisterten umso mehr die Hochschulen, der Schwerpunkt Japan und das neue Format der Talks.

Never Stop Loving
Die Jury bestehend aus Elisabeth Boesch, Sevil Peach, Luciano Dell’Orefice, Niklas Maak und Karin Schulte vergab eine Special Mention an Benjamin Thut und Team Création Baumann für die Inszenierung bei Création Baumann und eine weitere an Beate Hoyer und Andreas Reichlin für die Gesamtpräsentation mit dem „Hexer vom Entlebuch“ für den Hersteller Feuerring. Und auch die HEAD Genève erhält eine lobende Erwähnung für den komprimierten Nachbau der Wiener Loos Bar sowie die Peter Behrens School of Arts Düsseldorf für die eingangs bereits erwähnte Bäckerstube: Man muss das Brot eben backen, bevor man es essen kann.

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