Personalities: Große Gefühle im Toaster

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Text: Anne Meyer-Gatermann
Foto: Carina Adam, Laurent Burst, Philipp Löffler, Fran Parente

Partner: USM

Der pinkfarbene Sessel, die Hanteln unter dem Spiegel, der Wackeldackel auf dem Sideboard – die Dinge, mit denen wir wohnen, verraten viel über unsere Persönlichkeit. Darüber gibt es jetzt ein Buch.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagte Paul Watzlawick. Das gilt nicht nur für Worte und Körpersprache, sondern auch für die Entscheidungen, die wir bei der Einrichtung treffen.

Eindrucksvoll zeigt dies der Bild- und Textband Personalities, der im Verlag Hatje Cantz erschienen ist. Er besucht 14 Wohnungen: Von der Designerin in São Paolo über den Lehrer und Graffitikünstler aus Freiburg, den Architekten aus Berlin bis zum Anwalt aus München: Sie alle gewähren uns einen Einblick in ihre privaten Räume. Was sie miteinander vereint, sind die USM-Möbel, die in ihren Wohnungen stehen. Diese bilden das übergeordnete Raster, in das die bunten Geschichten eingeordnet sind.

Großformatige Fotografien porträtieren die Menschen in ihren Wohnungen. Begleitet werden sie von kurzen Interviews, in denen die Protagonisten davon erzählen, was sie antreibt und nach welchen Kriterien sie sich einrichten.

Dieses Ensemble steht in der Wohnung der Architekten Catherine Gay Menzel und Götz Menzel in Saint-Maurice in der Schweiz.

Eingebettet sind diese persönlichen Geschichten in Texte, die das Themenfeld theoretisch abarbeiten. Anna Sinofzik eröffnet diesen Teil mit einer Liebeserklärung an das Regal – und ihre Mutter, die ihre Bücher nach Farben sortierte. Laura Storfner erzählt von der emotionalen Bindung zu einem Toaster, die im Museum of Broken Relationships in Zagreb gezeigt wird und dem Konzeptkünstler, der fremden Frauen ihre Handtaschen für 500 Euro abkauft, um sich danach Lebensgeschichten zu ihrem Inhalt auszudenken.

Psychologin Jule Specht berichtet vom Kollegen Sam Gosling, der an der University of Texas aufgrund der Einrichtung von Wohnheimzimmern auf die Persönlichkeit ihrer Bewohner schließen konnte. Und die ehemalige Designlines-Autorin Nina C. Müller schreibt über die Generation der Selbstsucher, für die Erlebnisse und einzigartige Unterkünfte neue Statussymbole sind.

Der Bildband ist hochwertig produziert, in Leinen gebunden, die Seiten sind matt und haptisch. Auch das vermittelt den Eindruck, dass man den Persönlichkeiten in diesem Bildband näherkommt. Die Porträts sind dennoch nicht voyeuristisch, sondern geben so viel preis, dass man beim Betrachten eine Idee davon bekommt, wer der Mensch ist, der darin wohnt.

 

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