Pixelkronen: Architekten machen Geld

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Calle Huth / Studio Illegal, 05.11.2018

Bis das Bargeld komplett abgeschafft ist, wird es wohl noch eine Weile dauern. Norwegen hat soeben mit dem 50 und dem 500 Kronenschein zwei von fünf neuen Banknoten in Umlauf gebracht, deren Frontseite von den Architekten Snøhetta gestaltet wurden. Wo sonst berühmte Persönlichkeiten abgebildet sind, sieht man auf den Scheinen verpixelte monochrome Farbflächen. Über die Auflösung der Banknote.

Es ist die achte Banknotenserie des Landes und vielleicht auch die letzte. Diese Woche hat Norwegen die neuen 50 und 500 Kronen-Scheine des Landes in Umlauf gebracht und komplettiert damit die Serie – fehlt nur noch die 1000-Kronen-Note. Wie auch schon die 100 und 200 Kronen-Note, die 2017 in Umlauf kamen, haben die bunten Scheine die norwegischen Architekten von Snøhetta gestaltet. Das Konzept: verpixelte Grafiken als abstrakte Farbkompositionen, mit der die Architekten die starke Beziehung zwischen Land und Meer darstellen wollen. Mit dieser Idee wurde Snøhetta 2014 von der norwegischen Zentralbank ausgewählt. 70 Agenturen und Künstler hatten an dem Wettbewerb teilgenommen.

Die jeweiligen Pixelmuster aller vier Banknoten mit ihren verschiedenen Farbräumen verbindet eine Gemeinsamkeit: Sie basieren auf dem System der Beaufortskala zur Messung der Windgeschwindigkeit. So ist auf dem 50 Kronen-Schein der Wind durch kurze, kubische Formen sanft dargestellt, während die scharfen, langen Formen auf der 1000 Kronen Note eine hohe Windstärke abbilden.

Auf der Rückseite der Banknoten wird es konventioneller: Hier sind traditionelle und zeitgenössische Segelschiffe, Meereslandschaften und Meeresleben abgebildet, die von dem Grafikdesignstudio Metric Design entwickelt wurden.

Vollständig wird die norwegische Banknotenserie dann sein,  wenn 2019 auch der 1000 Kronen-Schein in den Umlauf kommt. „Während die endgültige Veröffentlichung einen neuen und frischen Start für die gesamte Banknotensammlung bedeutet“, sagt das Team von Snøhetta, „könnte die Veröffentlichung auch das Ende der Ära sein.“

Norwegen gilt neben Schweden als eines der Pionierländer für die bargeldlose Gesellschaft. Im Frühjahr 2018 hatte die Zentralbank von Norwegen angekündigt, eine eigene Digitalwährung zu entwickeln, die zunächst ergänzend zum Bargeld eingesetzt werden soll. Die Zeiten von Mäusen unter dem Kopfkissen, Blüten als Falschgeld, gefalteten Geldscheinen in den Grußkarten der Patentante, Banküberfällen, Geldkoffern und Schwarzgeldgeschäften könnten damit eines Tages tatsächlich ein jähes Ende finden. Dann geht es digital weiter.      

 

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