Präzision, die begeistert

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Text: Jasmin Jouhar

Es ist nicht die Presse, die mit der Wucht von 1000 Tonnen Mulden in die Bleche zieht. Es ist nicht der Emaillier-Ofen, aus dessen orangeglühendem Schlund die Hitze wabert. Und auch nicht die Stanze oder die Drückmaschine. Die größte Freude beim Rundgang durch die Fertigung bereitet Peter Theissing der Laserschneider. Denn wenn sich der Lichtpunkt flink und computergenau durch das Metall frisst, dann wird der zentrale Wert von Alape anschaulich: Präzision. „Das macht das Material Stahl aus: präzise Flächen, klare Geometrien und minimale Radien“, sagt Theissing, der Marketingleiter der Design-Badmanufaktur aus Goslar.

Alape ist ganz auf glasierten Stahl eingestellt: Alle Waschtische und -becken des Herstellers bestehen aus dem leichten, robusten und gut formbaren Werkstoff und werden ausschließlich im niedersächsischen Goslar hergestellt. Das Sortiment ergänzt eine ebenfalls selbst produzierte Kollektion aus auf die Becken abgestimmten Badezimmermöbeln. Mit seinen schlichten, formschönen Stahlobjekten ist Alape in dem von Keramik bestimmten Markt die große Ausnahme, und das mit voller Überzeugung: Denn das Material erlaube individuelle Fertigung. „Und das ab Stückzahl eins“, sagt Peter Theissing. „Schauen Sie sich diese Kanten an.“ Er fährt mit der Hand an einem der Waschbecken entlang, die in der Werkshalle zur Endkontrolle aufgestapelt sind. „Das bekommen Sie mit Keramik so präzise nicht hin.“

Die Kunst der Glasierer
Doch in der Fertigung regieren die Maschinen nicht alleine, denn Handarbeit kann bei manchen Aufgaben präziser sein: Die Rohlinge der Waschtische und -becken beispielsweise werden in Goslar von Hand glasiert: Mit geschmeidigen Schwüngen führen die Glasierer ihre Pistolen über die Rundungen und tragen die hauchdünne Emaille-Glasur auf. „Dafür braucht man jahrelange Übung“, sagt Peter Theissing. „Mit Robotern erreichen Sie nicht dasselbe Ergebnis.“ Und nur wenn die Oberfläche in der Endkontrolle ohne Makel, glatt und porenfrei ist, darf das Produkt das Werksgelände verlassen. Für Alape ist das Nebeneinander von Mensch und Maschine kein Widerspruch, versteht sich das Unternehmen doch selbst als „industrielle Manufaktur“, sprich: Moderne Fertigungsmethoden und das Know-how der über 200 Mitarbeiter ergänzen sich.

Die beiden Möbellinien von Alape heißen A˘system init und A˘system addit.
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Die Spezialisten seit 1896
Der hohe Anspruch an Qualität und Gestaltung gehörte von Anfang an zum Selbstverständnis des Unternehmens, das 1896 von Adolf Lamprecht im sächsischen Penig als Stanz- und Aluminiumwerk gegründet worden war. Seit 1926 fertigte man auch Gegenstände für den Sanitärbereich, etwa Waschgarnituren, Seifendosen oder Wasserkrüge aus Stahlemaille. Wenige Jahre später tauchte in der Neuheitenliste bereits das erste, noch immer erstaunlich zeitgemäß wirkende Waschbecken in Schalenform auf. Als „Spezialwerk für die sanitäre Branche“ firmierte das Unternehmen damals. „Und das sind wir auch heute noch“, sagt der Marketingchef.

A-La-Pe
1954 wurde das Werk enteignet und in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt, worauf die Familie nach Westdeutschland umzog und ihre Firma unter dem Namen Alape (Adolf Lamprecht Penig) neu gründete. Bereits 1960 definierte Alape einen Markenkern und erklärte neben der formschönen Gestaltung auch „erstklassige Ausführung“, „solide Wertarbeit“ und „Qualität“ zu seinen Werten. Ein Anspruch, der bis in die Gegenwart immer wieder erneuert wurde.
Schon 1930 fertigte Alape das erste Schalenbecken.
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Premium fürs Bad
Und mit diesem Anspruch versteht es sich beinahe von selbst, dass sich die Manufaktur heute als Premium-Unternehmen begreift, das ein vielfältiges, designorientiertes Sortiment von Becken, Waschtischen, Waschplätzen und Zubehör pflegt. Die filigranen Becken (Programm A˘form) und Möbel (Programm A˘system) sind gleichermaßen für den privaten wie halböffentlichen Bereich gedacht und funktionieren als System von aufeinander abgestimmten, sich ergänzenden Elementen.

Architektenmarke
Architekten und Planer gehören seit langem zu den besten Kunden der Manufaktur: „Wir sind eine Architektenmarke“, sagt Peter Theissing. „Wir denken systemisch.“ Das schätze diese Zielgruppe besonders. Und weist im Showroom auf dem Goslarer Werksgelände stolz darauf hin, wie exakt sich die Einbaubecken in die passenden Ablagen fügen. So exakt, dass der Übergang vom Stahl zur Holzplatte wie fugenlos wirkt. Ecken, Kanten, Radien: So makellos wie die weißen Emaille-Oberflächen, so makellos sind auch die Geometrien bei Alape. Präzision, die begeistert.

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