Der Preis der Preise - neu aufgelegt

Text: Cordula Vielhauer

Das Gerücht ging bereits auf der imm cologne um, seit gestern ist es offiziell: Der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland, der „Preis der Preise“, wird im Jahr 2012 von der Agentur des DMY ausgerichtet. In einer offiziellen Pressekonferenz im Bundeswirtschaftsministerium BMWI erklärte Staatssekretär Hans-Joachim Otto, dass man sich im Rahmen einer Überprüfung aller Förderprogramme des BMWI auch zu einer Umstrukturierung des wichtigsten staatlichen Designpreises entschieden habe. Bisher war der Preis vom Rat für Formgebung in Frankfurt ausgerichtet worden.

Die Entscheidung für die Agentur des DMY und ihren Geschäftsführer Jörg Suermann fiel auf Grund des überzeugenden Konzepts, das diese im Rahmen eines erstmalig durchgeführten Auswahlverfahrens abgegeben habe. Ziel der Neuausrichtung sei es, eine höhere Aufmerksamkeit für den Preis zu erreichen, eine klarere Struktur zu schaffen und mehr Transparenz und Gleichberechtigung – auch für kleinere Designfirmen – zu gewährleisten.

Dazu sollen alle Schritte im Ablauf des Awards innerhalb eines Kalenderjahres stattfinden – von der Bewerbungsfrist, die 2012 vom 1. März bis 30. April läuft, über die Jurysitzung und eine Ausstellung der nominierten Produkte im Juni parallel zum Designfestival DMY in Berlin bis zur eigenen Gala und Preisverleihung im Oktober 2012, ebenfalls in der Hauptstadt. Bisher fand die Preisverleihung im Rahmen der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt im Februar des Folgejahres des eigentlichen Designpreises statt, so wird auch im nun kommenden Februar 2012 der Designpreis 2011 auf der Ambiente verliehen, was regelmäßig für Verwirrung sorgt beziehungsweise sorgte.

Zudem darf in Zukunft nicht mehr jedes Unternehmen, das sich für die Verleihung des Preises mit einem Produkt bewirbt, dieses als „nominiert für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland“ bezeichnen. Das Auswahlkriterium, im Vorfeld mit einem anderen nationalen oder internationalen Designpreis ausgezeichnet worden zu sein, bleibt dennoch bestehen. Jedoch dürfen in Zukunft lediglich die im Juni von der Jury ausgewählten Produkte die Bezeichnung „nominiert“ als Qualitätsmerkmal tragen. Die Zusammensetzung des Preisgerichts steht bisher noch nicht fest.

Die Teilnahmegebühr an dem Auswahlverfahren wird einheitlich auf 350 Euro ohne weitere Kosten festgelegt. Die bisher vom Rat für Formgebung geübte Praxis, Preisträgern eine weitere Gebühr für die Fortsetzung des Wettbewerbsverfahrens (Ausstellung etc.) abzuverlangen, war in die Kritik geraten, da sie kleine Unternehmen oder Designer, die sich diese Gebühr nicht leisten können, benachteilige und somit wettbewerbsverzerrend wirke.

Auch die Vergabe der Mittel ändert sich. So gibt es in Zukunft keine festen Fördergelder mehr – für den Rat der Formgebung waren das bisher jährlich insgesamt rund 265.000 Euro – sondern es werden vielmehr so genannte Dienstleistungskonzessionen als Ausfallbürgschaften vergeben, die nur abgerufen werden können, wenn sich das Projekt nicht aus den Einnahmen trägt. Die Höhe dieser Bürgschaft liegt für den Designpreis bei 140.000 Euro. Auch die inhaltliche Ausrichtung des Preises gewinnt eine neue Kategorie hinzu: Neben den Sparten Industrie- und Kommunikationsdesign wird es in Zukunft auch eine Auszeichnung für Ökologisches Design geben. Zudem soll eine herausragende Persönlichkeit geehrt und ein Preis für Nachwuchsdesign vergeben werden. Einen „Kannibalisierungseffekt“ durch den vom Bundesumweltministerium kürzlich ausgelobten Bundespreis Ecodesign schloss Otto auf Grund der hohen Designkompetenz der Gremien des Designpreis der Bundesrepublik Deutschland aus.

Generalsekreär Otte betonte mehrfach, dass das BMI weiterhin gern mit dem Rat für Formgebung zusammenarbeiten werde, jedoch als Ministerium, das sich dem Wettbewerb des Marktes verpflichtet fühle, selbst den Wettbewerbsgedanken hochhalten und die Vergabe von Fördergeldern regelmäßig überprüfen müsse. Jörg Suermann vom DMY stellte heraus, dass die Ausrichtung des Designpreis der Bundesrepublik Deutschland für ihn nicht der Schaffung eines neuen Geschäftsfeldes diene – schließlich habe man mit dem DMY aus eigener Kraft ein funktionierendes Design-Festival etabliert –, sondern es vielmehr als besondere Ehre betrachte, die Durchführung dieses Preises in sein Portfolio aufnehmen zu dürfen.
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