Salone del Mobile 2018: Art déco & Disco

52

Text: Norman Kietzmann

Neuer Glanz: Die Neuheiten der 57. Mailänder Möbelmesse bringen Sinnlichkeit und Opulenz zurück ins Spiel. Messingfüße, Samtbezüge und dekorative Oberflächen gehen mit abgerundeten Formen einher und verwandeln den Wohnraum in eine Mischung aus Boudoir, Nachtclub und Kuschelzone.

Möbelmessen sind wie Zeitmaschinen. Selbst auf wenigen Quadratmetern Standfläche erlauben sie den Sprung von einer Dekade zur anderen. Auch beim diesjährigen Salone del Mobile wird die Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit betrachtet. Anders als in den vorherigen Jahren hat sich der zeitliche Fokus jedoch verschoben. Anstatt unentwegt den Klassikern des Mid-Century-Designs zu huldigen, ist eine neue Lust am Art déco zu beobachten: jener schmuckreichen Epoche der Zwanziger- und Dreißigerjahre, die den Übergang zwischen Vor- und Nachkriegsmoderne markiert.

Glamour Amour 
Möbel, Leuchten und Objekte sollen nicht mehr nur mit rationalen Argumenten wie Langlebigkeit und Funktionalität überzeugen, sondern ebenso die Sinne stimulieren. Die Dinge des Alltags dürfen edler, schimmernder und verspielter sein, ohne damit ein schlechtes Gewissen bei ihren Besitzern heraufzubeschwören. Glamour und Dekoration sind keine Schimpfworte mehr, sondern erstaunlich ironiefreie Strategien zur Steigerung des häuslichen Wohlbefindens.

Veredelte Wohlfühlzone
Die Konsequenz daraus ist eine Aufwertung der Materialität. Edle Hölzer werden mit Marmor, Naturstein, Bronze oder Messing kombiniert. Letzteres akzentuiert auffallend viele Tischbeine oder kommt mitunter sogar zur Verblendung von Ablagen zum Einsatz. Bei Polstermöbeln sorgen kuschelige Samt- und Teddybär-Bezüge für eine sanfte Haptik. Regale setzen mit versteckten Lichtleisten ihren Inhalt in Szene. Bei den Formen bestimmen geometrische Grundkörper, wobei vor allem Kreisen und Kreissegmenten eine Schlüsselrolle zufällt. Auch hier ist die Botschaft klar: Durch den Verzicht auf schroffe Ecken und Kanten soll das Zuhause als Wohlfühlzone inszeniert werden. Ein Ort, an dem nicht weniger, sondern mehr ganz einfach mehr ist.

Bildergalerie mit allen Highlights des Salone und der Milan Design Week…

Weitere Artikel 13 - 25 von 39 Personalities: Große Gefühle im Toaster Die Teppichweber von Cogolin Auf dem Teppich bleiben 200 Jahre (Stuhl-)Geschichte Hier stimmt die Atmosphäre Best-of: Raumausstattung 2019 Generation Köln: Viele Disziplinen Best of: Hängematten und Loungemöbel XXII. Triennale: die Länderbeiträge Formsache: Gepflegt Durchdrehen Design Miami Basel 2019: Grüne Welle Koloman Moser: Der Universalgestalter

Das Online-Magazin für Designprofessionals und Enthusiasten.