50 aus 2808: „iF Product Design Award“ 2009

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Text: Jasmin Jouhar


Nein, wir werden diesen Text nicht mit dem K-Wort beginnen. Obwohl es über der Verleihung der „iF Product Design Award 2009“-Auszeichnungen vergangene Woche in Hannover wie eine dunkle Gewitterwolke am Horizont schwebte. Wir schließen uns Moderator und „International Forum“-Geschäftsführer Ralf Wiegmann an, der für die Dauer der Zeremonie die dräuende Wolke beiseite schob. Denn erstens gilt Bangemachen nicht, und zweitens bewiesen die 50 Gewinner des iF-Preises in Gold, dass durchdachtes und originelles Design immer Konjunktur hat.


Für die Jury unter Vorsitz von Designer Fritz Frenkler hatte „durchdacht“ bei der Auswahl der Gewinner allerdings eindeutigen Vorrang vor dem Originellen: Die preisgekrönten Entwürfe zeichnen sich durchweg durch ihre funktionale, um nicht zu sagen nüchterne Gestaltung aus. Formale Extravaganzen waren nicht zu entdecken; laute, gar marktschreierische Objekte haben vor den Augen der 28 Jurorinnen und Juroren keine Gnade gefunden. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits bei der Verleihung der Produktdesign-Preise 2008 offenkundig war.
Wie im vergangenen Jahr räumte der kalifornische Computerkonzern Apple ab: Immerhin vier der 50 goldenen Preise gingen nach Cupertino. Fritz Frenkler forderte Designer und Hersteller auf, sich ein Beispiel an der Verlässlichkeit, Ernsthaftigkeit und Seriosität des Designs aus dem Hause Apple zu nehmen. Nur mit einem hohen Anspruch an die eigenen Produkte habe man eine Zukunft.

50 aus 2808 Produkten

Die 50 mit Gold ausgezeichneten Produkte heben sich dank der gelungenen Verbindung von formaler Qualität, Innovation und Funktion eindeutig heraus aus den insgesamt 802 prämierten Produkten: So viele befand die Jury des Internationalen Forums in diesem Jahr für würdig, sich künftig mit dem rot-weißen „iF“-Siegel schmücken zu dürfen. Die Jury-Auswahl ist beim Rundgang durch die Ausstellung auf dem Messegelände nachvollziehbar, zeigen sich doch teilweise erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen den Goldgewinnern und den restlichen 752 Ausgezeichneten. Es stellt sich daher die Frage, ob das International Forum nicht etwas wählerischer bei der Vergabe seines Siegels sein sollte. Insgesamt 2808 Produkte aus 39 Ländern hatten Hersteller und Designer beim iF eingereicht. Preise gab es in sechzehn verschiedenen Kategorien wie „Telekommunikation“, „Licht“, „Möbel“ und „Industrie“ zu gewinnen.

LED siegt

Beim Thema Beleuchtung waren augenscheinlich Produkte mit LED-Technik die Gewinner. Für die sparsamen und hellen Dioden finden sich immer mehr Anwendungen, wie die mit Gold ausgezeichnete Leuchtenfamilie „LET“ von Baltensweiler aus der Schweiz beweist. Deren klares und zurückhaltendes Design begeisterte bereits die Jury des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland. Eine Taschenlampe mit LED, aber ohne den sonst üblichen technoiden Look, war ebenfalls unter den Preisträgern. Die japanischen Designer haben eine sehr einfache Form gefunden, die es erlaubt, die Taschenlampe auch als kleine, aber atmosphärisch-schöne Tischleuchte zu nutzen.

Holz gewinnt

Im Möbelbereich erweist sich Holz weiterhin als ein Erfolgsgarant: Stefan Diez heimste mit seinem Stuhl „404“ für Thonet einen Preis in Gold ein, während sich sein Münchner Kollege und Ex-Arbeitgeber Konstantin Grcic für seinen Stuhl „Myto“ für Plank mit einer „normalen“ Auszeichnung begnügen musste. Gold gab es auch für das kleine Holzmöbel „Pivot“ vom niederländischen Hersteller Arco. Die originelle Kombination von Kommode, Tisch und Ablage stammt von Designer Shay Alkalay. Ebenfalls ganz aus Holz ist das Bett „Darling“ der Schweizer Firma Röthlisberger, dessen Breite je nach Bedarf variiert werden kann. Die Firma Ilio aus der Türkei gehörte mit „Twig“, einer Kreuzung aus Holzstuhl und Hocker, ebenfalls zu den Gold-Gewinnern.

Gute Ideen punkten

Dass im Elektronik- und Kommunikationssektor nicht nur Apple Anspruch an das Design stellt, beweist die UMTS-Box „Form-Line“ des chinesischen Herstellers Huawei: Das Gerät mit der originellen Aufhängung war der Jury Gold wert. Das Wagnis, eine anonyme und omnipräsente Gestaltung wie die des Farbstifts zu verändern, sind die Designer von Formidable Design eingegangen. Herausgekommen ist „Colorstripe“ für Lyra – die Jury und das Publikum der Preisverleihung waren gleichermaßen begeistert. Wie viele gute Ideen bei der Benutzung des Brainstorming-Tisches „Paperstorm“ künftig geboren werden, wissen wir natürlich noch nicht. Klar ist nur soviel: Die Idee vom Designbüro Elastique. We Design aus Köln für die Zweitverwertung eines Papierstapels wurde von der iF-Jury für gut und preiswürdig befunden.

Die Gedanken sind frei

Dank der überzeugenden Produkte, der ausgelassenen Freude vieler Gewinner und der eloquenten Moderation von Ralf Wiegmann konnte das Publikum das K-Wort tatsächlich für zwei Stunden vergessen und sich an der sonnigen Stimmung der Verleihung freuen. Ob sich das böse Wort beim anschließenden Empfang für die Preisträger wieder in die Gespräche einschleichen und die Laune verdunkeln konnte, soll ein Geheimnis bleiben.
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