Startschuss für die Designkarriere

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Text: Jasmin Jouhar

Mehr Aufmerksamkeit für das junge Design in Deutschland! Die neue Initiative „German Design Graduates“ will Absolventinnen und Absolventen deutscher Designhochschulen beim Start ins Berufsleben helfen – mit einem Online-Archiv, einer Ausstellung, Preisen und Greencards.

Es kann der entscheidende Moment einer Designkarriere sein. Wenn Absolventinnen und Absolventen die Hochschule verlassen, steht ihnen eigentlich die ganze Welt der Gestaltung offen. Sie können in einem Unternehmen anfangen, sie können sich mit einem eigenen Studio selbständig machen, manche schließen sich Kollektiven an, andere gründen Start-ups. Doch in diesem entscheidenden Moment, in dem die jungen Designerinnen und Designer aus dem geschützten Raum der Hochschule heraustreten, braucht es vor allem eines: Sichtbarkeit. Denn egal, ob sie nun eigene Projekte anschieben wollen oder einen Arbeitgeber suchen, als erstes hilft ihnen dabei Aufmerksamkeit für ihre Arbeit.

„Aus den Niederlanden bin ich es gewohnt, dass es am Ende eines jeden akademischen Jahres Graduation Shows gibt“, sagt Ineke Hans. „Sie sind an jeder Schule gut besucht. Es kommt vor allem Fachpublikum – Presse, Hersteller, Galerien, auch Privatkunden“, so die Designprofessorin der Berliner Universität der Künste weiter. „Oft ist das der erste Schritt in die Realität für die Absolventen. In Großbritannien gibt es sogar eine zentrale Ausstellung für alle Hochschulen des Landes in London, wo alle Absolventen ihre Arbeiten zeigen.“

Doch so eine Plattform für den Karrierestart fehlte der Niederländerin in Deutschland, seit sie vor zwei Jahren als Professorin für Design und Social Context nach Berlin berufen wurde. Es gäbe zwar an vielen deutschen Hochschulen öffentliche Rundgänge, aber gerade die Absolventinnen und Absolventen seien da meist nicht mehr dabei. Deshalb hat Hans gemeinsam mit ihren Kollegen Mark Braun von der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken und Herrmann Weizenegger von der FH Potsdam in diesem Jahr German Design Graduates (GDG) initiiert.

GDG ist ein mehrstufiges Format, das junge Gestaltung sichtbar machen und den Designerinnen und Designern bei den ersten Schritten ins Berufsleben helfen will. Dafür kooperieren die drei mit insgesamt zwölf Hochschulen; neben ihren eigenen sind unter anderem die Hochschulen für Gestaltung in Karlsruhe und Offenbach und die Burg Giebichenstein in Halle dabei. Gleich im ersten Anlauf nehmen 138 Graduierte der zwölf Hochschulen teil. Sie können ab August dieses Jahres ihre Abschlussarbeit auf der Webseite von GDG präsentieren, als Archiv des Jahrgangs 2018/19. Eine Jury aus Designexperten wählt daraus mindestens 36 Beiträge aus, die dann im Oktober in der German Design Graduate Show gezeigt werden. Die Ausstellung wird rund einen Monat lang im Berliner Kunstgewerbemuseum zu sehen sein.

Aber die Initiatoren wollen dem Nachwuchs noch mehr helfen. Sie konnten Kooperationspartner aus Kultur und Industrie gewinnen, sogenannte Botschafter, die Preise für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Ausstellung ausloben. Etwa die Vertreterinnen mehrerer deutscher Designmuseen – Claudia Banz aus Berlin, Angelika Nollert aus München und Tulga Beyerle aus Hamburg: Sie wollen gemeinsam einen Geldpreis an eine herausragende gestalterische Persönlichkeit und Haltung vergeben. Zusätzlich winken Greencards für renommierte Nachwuchsausstellungen wie die Pure Talents der Kölner Möbelmesse imm cologne oder die Ambiente Talents der Messe Frankfurt.
Möbelhersteller wie Nils Holger Moormann oder Stattmann Neue Möbel wollen Coachings anbieten, die BASF Designfabrik und der Online-Designhandel Magazin stellen weitere Preise in Aussicht. Einige der Botschafter unterstützen das Format zudem finanziell, die teilnehmenden Hochschulen leisten ebenfalls einen Beitrag. „Uns war es wichtig, Botschafter aus ganz verschiedenen Bereichen an Bord zu holen“, sagt Ineke Hans. „So können wir die ganze Bandbreite des heutigen Designs repräsentieren.“ Es sei leichter gewesen als erwartet, Unterstützerinnen und Unterstützer zu finden. „Wir haben mit unserer Idee so viel positive Resonanz erfahren, das hat uns schon überrascht“, sagt sie. „Viele haben enthusiastisch reagiert und sehen German Design Graduates als echte Bereicherung der deutschen Designszene.“

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