Stockholm Furniture Fair 2018: Drama und Schönheit

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Text: Norman Kietzmann

Finde den Unterschied! Das beliebte Kinderspiel eignet sich auch für den Rundgang über Möbelmessen. Besonders schwierig wurde es vergangene Woche in Stockholm, als die skandinavischen Hersteller zum alljährlichen Stelldichein baten. Diesmal hoch im Kurs: klare Konturen, leuchtende Katzenaugen und wiederauferstandene Klassiker. 

Im Möbeldesign ist es wie mit Autos: Alles wird immer ähnlicher. Fast alle Hersteller arbeiten mit denselben Formen, Farben, Materialien und Designern. Der Unterschied liegt allein in den Nuancen, in denen die nordischen Mid-Century-Klassiker in beständiger Wiederholung neu aufgetischt werden. Es spricht Bände, wenn selbst junge Hersteller ihre Stockholm-Novitäten als „neuen Standard“ bewerben. I-Tüpfelchen sind hier nicht gefragt.

Die Dinge sollen Vertrauen stiften und erscheinen daher in bewährter Gestalt. Das ist brav, langweilig, doch überaus gemütlich. Und so überbieten sich die Firmen regelrecht darin, die beiden Schlüsselthemen des nordischen Designs so stimmig wie möglich unter einen Hut zu bringen: Zeitlosigkeit und Klarheit. Genau wie einst bei Jacobsen, Wegner und Co, nur eben ein klein wenig anders.

Sessel Eve von Timo Ripatti für Fredericia. Foto: © Fredericia

Narration und Wiederauferstehung
Vor allem bei Loungesesseln sind die Parameter festgesetzt: Kurvenreiche Polster greifen vorzugsweise präzise Kreisfragmente in ihren Silhouetten auf, kombiniert mit filigranen Storchenfüßen aus Metall. Purismus muss im Norden nicht kalt und brutal wirken. Er wird vielmehr mit sanft gebrochenen Farbtönen und Naturmaterialien sinnlich gemacht. Auch Holzmöbel lassen die rustikale Schwere hinter sich und setzen auf Leichtigkeit.

Der Lockruf der Klassiker ist ungebrochen. Neben erwartbaren Neuauflagen aus den Fünfzigerjahren werden auch einige überraschende Funde in den Archiven gemacht, bei denen architektonische Fragmente als Raumaccessoires eine Wiederauferstehung erleben. Auch hier bleibt sich Stockholm treu: Gefragt ist kein Bruch mit dem Bestehenden, sondern vielmehr eine behutsame Weiterentwicklung. Wer das Neue erkennen will, muss seine Augen weit öffnen.

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