Verflechtung als Prinzip: bauhaus imaginista

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Text: Ari Loring, 20.03.2019

Die Ausstellung bauhaus imaginista im Haus der Kulturen der Welt wendet sich den internationalen Beziehungen und wechselseitigen Zusammenhängen des Bauhauses zu. Nicht die einzelnen Produkte wie berühmte Möbel stehen im Vordergrund, sondern die Schule als ein kosmopolitisches Geflecht von Ideen, Einflüssen und dem Zusammenwirken von Gestaltern, Architekten und Künstlern.

Die Gründung des Bauhauses liegt mittlerweile 100 Jahre zurück, und obwohl 1933 geschlossen, hat es sich nicht nur in Form ikonischer Gestaltungen in die Geschichte eingeschrieben. Das Bauhaus ist auch die Idee einer Schule und die in ihr entwickelten neuen Prinzipien für Gestaltung, die sich an vielen Orten der Welt wiederfinden. 
Die Jubiläumsschau bauhaus imaginista führt Recherchen zusammen, die seit 2016 zum Bauhaus unter anderen in Marokko, Indien, Mexiko und Japan stattfanden und im Haus der Kulturen der Welt in Berlin nun in vier Kapiteln präsentiert werden. Sie laden die Besucher und Besucherinnen ein, in selten gesehenes und lebendiges Material einzutauchen. Corresponding With, Learning From, Moving Away und Still Undead sind diese überschrieben und wenden sich unterschiedlichen Schwerpunkten zu: Welche Parallelen gibt es zu Gestaltungsschulen, die zur selben Zeit andernorts gegründet wurden – wie die Kunstschule Kala Bhavan in Indien oder das Seikatsu Kōsei Kenkyūsho (Institut für Lebensgestaltung) in Japan? Wie wurden die Gestalter des Bauhauses von anderen Ländern und deren Kulturen beeinflusst und welchen Einfluss wiederum hatten die Lehren des Bauhauses in anderen Teilen der Welt? Und wie schreibt sich Bauhaus als Idee bis heute fort?

Ausstellungsansicht, Foto: © Silke Briel / HKW

Bauhaus ohne Bauhaus

Diese und andere Fragen stellt die Ausstellung, gibt aber dankenswerterweise keine einfachen Antworten darauf, sondern verfolgt die Spuren der Schule in eine Vielzahl von Richtungen. Klassische Bauhausentwürfe zeigt sie dabei keine. Stattdessen präsentiert sie historische bis zeitgenössische künstlerische Arbeiten ebenso wie Fotografien, Gestaltungsskizzen und Briefe, Würfelhocker aus Bambus, gewebte Formen aus den Amerikas, aber auch zum Beispiel Entwurfszeichnungen von Walter Gropius und I. M. Pei. Unter Mitarbeit seines ehemaligen chinesischen Studenten an der Harvard University hatte Gropius Mitte der Vierzigerjahre einen Universitätscampus für Shanghai entworfen. Nach anfänglichem Zögern, so zeigen die Zeichnungen, ließ Gropius sich auf asiatische Traditionen und architektonische Elemente wie Innenhöfe und überdachte Wandelgänge ein und begeisterte sich zunehmend dafür.

Kurt Schwerdtfeger, Reflektorische Farblichtspiele, 1922, Courtesy of Microscope Gallery and Kurt Schwerdtfeger Estate © 2016

Von Schwerdtfeger zu Warhol

Jedes Ausstellungskapitel nimmt eine künstlerische Arbeit aus den Bauhausjahren zum Ausgangspunkt: Das Bauhaus-Manifest von Walter Gropius (Corresponding With), die Federzeichnung Teppich von Paul Klee (Learning From) und die Collage ein bauhaus-film. fünf Jahre lang von Marcel Breuer (Moving Away). Für das Kapitel Still Undead wurden die Reflektorischen Farblichtspiele von Kurt Schwerdtfeger (1922) gewählt. Der Apparat, der sie erzeugt, wird in der Ausstellung als Nachbau gezeigt. Licht, Erfahrung und Inszenierung, Technologie und konsumorientierte Populärkultur des 20. Jahrhunderts stehen rund um die Farblichtspiele im Vordergrund. Ein Film von Andy Warhol oder auch eine Fotografie aus einer Vidal Sassoon-Werbung beispielsweise werden mit Experimenten am Bauhaus in Beziehung gesetzt, aber auch mit einem Bühnenballett von Oskar Schlemmer.

Rethinking Bauhaus

Diese Offenheit ist es, die bauhaus imaginista besonders und einladend macht: Eine Vielzahl unterschiedlicher Stränge und Anknüpfungsmöglichkeiten entwickelt sich in jedem Kapitel aus dem Zusammenspiel der Ausstellungsstücke, die von selten gesehenen historischen Beispielen bis zu zeitgenössischen Neuproduktionen reichen. Diese Stränge aber stülpen sich dem einzelnen Exponat nicht über. Die von der Kooperative für Darstellungspolitik entwickelten Ausstellungsdisplays haben dafür eine wunderbare und vielfältige Entsprechung gefunden, die als „Anti-Einheit“ keine Leserichtung bevorzugt und kein einzelnes Gestaltungsmittel favorisiert. Darauf muss man sich einlassen und auch gelegentlich den kostenfreien Ausstellungsführer zur Hand nehmen, wenn man mehr über Einzelheiten erfahren will, aber das ist durchaus lohnenswert.

bauhaus imaginista, noch bis zum 10. Juni im Haus der Kulturen der Welt in Berlin

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