Wellnessglück im Alpenland

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Text: Claudia Simone Hoff


Frau Mrose hat alles im Griff. Sanft streicht sie mit den angewärmten Feuersteinen übers porentief gereinigte Gesicht, ehe sie die geglätteten Bergkristall-Stäbchen hervorholt. Sie kühlen die erhitzte Haut und sollen für Beruhigung und Ausgleich sorgen. Aus dem Hintergrund erklingen sanfte Töne und draußen zwitschern die Vögel. Als Ausgleich zum anstrengenden Arbeitsalltag ist ein Wellness-Wochenende gerade das Richtige. Warum nicht in den österreichischen Alpen?


Betritt man den 2.300 Quadratmeter großen Wellness- und Spa-Bereich des Ifen-Hotels in Hirschegg im Kleinwalsertal, kommt man an in einer anderen Welt. Eine erdige Farbpalette in Kombination mit gebürstetem und eingefärbtem Eichenholz laden zu Ruhe und Entspannung ein. Am langgezackten Empfangstresen wartet eine mit Kuhfell bespannte Bank. Hier drinnen ist Handy- und Laptop-Verbot – schließlich soll auch der stressgeplagte Manager mal zur Ruhe kommen – und automatisch senkt der Besucher die Stimme. So hört er stattdessen dem beruhigenden Knistern des Kaminfeuers zu, während er – mit einer wärmenden Kirschkern-Nackenrolle im Rücken – in hölzernen Schaukelstühlen wippt. Oder er zieht seine Bahnen im 18-Meter-Innenpool. Dabei schaut der Gast durch die raumhohen Fenster auf die grandiose Bergkulisse mit Elfer, Zwölfer und Widderstein.

Idylle am Hang

Das legendäre, auf 1.111 Metern Höhe gelegene Hotel – in den dreißiger Jahren vom Hannoveraner Architekten Hans Kirchhoff erbaut und seitdem erstes Haus am Platz – wurde umgebaut und durch einen hölzernen Neubau des Vorarlberger Architekten Hermann Kaufmann ergänzt. Der Gast soll auch im Wellness-Bereich im Untergeschoss des Hotels das Erholsame der Alpen erfahren, deshalb ist das Interieur mit alpenländischen Anklängen versetzt: Natürliche Materialien wie Holz, Kuhfelle oder Tierhörner als Dekorationsobjekte werden kombiniert mit einer speziellen Beduftung der Räume: Öle, die mit Kräutern der Region versetzt sind.

Kräuterfrau aus dem Kleinwalsertal

Lydia Fritz-Ilg ist 43 Jahre alt, arbeitet tagsüber als Bankkauffrau, strahlt absolute Ruhe aus und hat eine Passion: Kräuter. Sie sammelt sie auf ihren Ausflügen in die Bergwelt des Kleinwalsertals rechts und links des Wanderwegs. Sodann werden Brennnessel, Beinwell, Blüten und Co. verarbeitet zu medizinischen und kosmetischen Salben, Cremes, Ölen, Peelings, Pflegepackungen und Wiesentees. Dabei sind alle Ingredienzien natürlicher Herkunft, denn von Konservierungsstoffen will Frau Fritz-Ilg nichts wissen. Deshalb rühren wir in der hoteleigenen Manufaktur selbst eine Creme an, die es in sich hat, obwohl oder gerade weil sie nur wenige Zutaten wie Kakaobutter, Bienenwachs und Duftstoffe wie Rosenöl enthält.

Neben einer Saunalandschaft, einem Sole-Klangbecken, einem Außen-Whirlpool, und sogenannten Alphaliegen – die durch Vibration einen Kurzschlaf simulieren sollen – stehen im Ifen-Hotel auch ein Cardio- und ein Kraftraum zur Verfügung. Hat der Gast hier genug Kraft getankt, reist er weiter durchs Alpenland.

Stille am See

Entlang des Zugspitz-Nationalparks geht es an Innsbruck vorbei nach Pertisau an den österreichischen Achensee. Majestätisch liegt der See da, unverbaut – mit den steil aufragenden Bergen und dem türkisfarben schimmernden Wasser einem Fjord ähnlicher als einem See. Einen spektakulären Blick auf das Wasser und das Rofan- und Karwendelgebirge genießt der Gast vom Wellness- und Spa-Bereich des Hotels Fürstenhaus am Achensee. Auf 3.000 Quadratmetern erwartet den Gast neben einer finnischen Sauna, einer Tiroler Schwitzstube, einer Solegrotte und einer Tropical-Rain-Dusche auch ein Swimmingpool, von dem aus der Bewegungshungrige nach draußen schwimmen kann. Frau Mikolasch ist im Spa-Bereich verantwortlich für 16 Behandlungsräume und bietet mit ihren Mitarbeiterinnen insgesamt 77 verschiedene Anwendungen an: Bäder, Massagen, Gesichtsbehandlungen oder Peelings.

Wenn Schiefer zu Öl wird

Bei diesen Behandlungen kommt bevorzugt eine Tiroler Spezialität zum Einsatz: schwefelhaltiges Steinöl. Erwiesenermaßen hervorragend geeignet im pharmazeutischen Bereich für die Erhaltung von Muskulatur und Knochen,  wird es zunehmend auch in der kosmetischen Behandlung eingesetzt. Tiroler Steinöl hat entzündungshemmende und antiseptische Eigenschaften und wie es hergestellt wird, kann man im Museum gleich gegenüber des Hotels im Erlebniszentrum Tiroler Steinöl Vitalberg erfahren. Herr Albrecht – ein Nachfahre des Entdeckers des Steinöls in dritter Generation – berichtet vom aufwändigen Produktionsprozess der Steinölprodukte. 80 Kilogramm des raren Bächentaler Schiefers, der einen Schwefelgehalt von 4 bis 6 Prozent aufweist, werden in den Sommermonaten jeden Tag im Steinbruch im Tagebau abgetragen und anschließend zu Salben, Shampoos, Tonics, Seifen und Cremes verarbeitet. In dem Ölschiefergestein befinden sich die Fette von versteinerten Schnecken, Fischen und Muscheln. Zermahlt und erhitzt man das Gestein, entsteht ein öliges Liquid. Wird einem damit der Rücken einmassiert – könnten das wohlige Gefühl und die Welt schöner nicht sein.



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