Werksbesuch: Edelstahl mit System

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Text: Claudia Simone Hoff, Foto: Annette Kuhls, 30.01.2018

Fährt der Zug im schweizerischen Aarburg ein, sieht man das rot-weiße Unternehmenslogo schon von Weitem leuchten. Der weltweit größte Spülenhersteller Franke Küchentechnik gehört als Teil der Franke Gruppe zur Artemis Holding, die in Familienbesitz ist. Seine Produkte – darunter Arbeitsplatten, Spülen, Armaturen und Dispenser, Elektrogeräte wie Öfen, Kochfelder und Dunstabzugshauben, Abfallsysteme sowie passgenaues Zubehör – hat das Unternehmen in ein System eingebettet, das funktional und gestalterisch ineinandergreift.

Exemplarisch für diesen Ansatz steht die Produktlinie Frames by Franke, die durch ihre Modularität die Küchenplanung extrem vereinfacht. Das System umfasst bis zu 50 Elemente, darunter Einbaugeräte, Spülen, Armaturen und Accessoires. Der Clou: Alle Komponenten sind so untereinander kombinierbar, dass sie immer zueinander passen. Das funktioniert, weil diese Linie eine durchgängige Designsprache besitzt: einen elf Millimeter schmalen Edelstahlrahmen, aufeinander abgestimmte Oberflächen und Bedienelemente – egal ob es sich um eine Einzellösung oder um eine Profiausstattung handelt.

Franke trifft mit seinem vielseitigen, extrem durchdachten Produktangebot den Nerv der Zeit. Denn neben dem Badezimmer ist die Küche der Ort des Hauses, der sich in den letzten Jahren am meisten verändert hat. Die Küche von heute ist Kommunikationsnukleus, privates Kochlabor, wichtigster Wohnraum. Fest definierte Raumfunktionen lösen sich auf und werden durch flexibel genutzte Zonen ersetzt. Das hat Auswirkungen auf Form, Funktion, Materialität und Farbe aller Produktkategorien. Gutes Design, hochwertige Materialien, ergonomisch angepasste Arbeitshöhen, niedriger Energieverbrauch, gute Belüftung, leicht zu reinigende Fronten und Arbeitsplatten – das sind nur einige der Anforderungen, die heute an eine Küche gestellt werden. Im Fokus steht dabei die Spüle, denn nirgendwo sonst in der Küche werden so viele Arbeiten verrichtet wie hier. Deshalb muss sie nicht nur gut aussehen, sondern jede Menge funktionale Kriterien erfüllen: Sie sollte ergonomisch sein, robust, kratzfest, hitzebeständig und leicht zu reinigen. Kein Wunder, dass man auf Edelstahl als Material zurückgreift: Rund 70 Prozent der weltweit verwendeten Spülen sind aus dem korrosionsbeständigen und besonders hygienischen Material gefertigt.

Am Standort Aarburg befindet sich die Arbeitsplatten- und Spülenherstellung der Franke Küchentechnik AG, die Teil des Geschäftsbereichs Franke Kitchen Systems ist. Die Produktion ist zweigeteilt: in ein Designatelier, in dem die Produkte auf Bestellung maßgefertigt werden, und in eine Serienproduktion. Doch für alle Produkte gilt: Franke verwendet ausschließlich hochwertigen Edelstahl mit einem besonders hohen Nickel- und Chromanteil (Chromnickelstahl 18/10), 31.948 Tonnen allein im letzten Jahr. In Aarburg werden die Spülen nicht aus einem einzigen Stück Edelstahlblech im sogenannten Monoblock-Verfahren gefertigt, sondern in zwei Teilen, was qualitativ hochwertiger ist, erzählt Werner Schmid während einer Führung durch die Produktion. Der Fünfzigjährige ist ein echter Frankianer, wie man hier sagt. Seit über zwanzig Jahren ist er schon im Unternehmen tätig, inzwischen als Leiter der Serienproduktion.

In den weitläufigen Hallen, in denen Spülen von 50 Mitarbeitern in Serie gefertigt werden, ist es hell, sauber und aufgeräumt. Der Herstellungsprozess nimmt seinen Anfang im Rohmateriallager, wo sorgfältig aufgerollte Edelstahlbleche, sogenannte Coils, auf ihre Verarbeitung warten. Der gelernte Betriebstechniker Schmid zeigt uns, wie das Ausgangsmaterial auf die erforderliche Länge zugeschnitten wird. In der Rahmenfertigung wird das Herstellungsprinzip einer hochwertigen Franke-Spüle deutlich: Sie besteht aus zwei lokal gefertigten, sogenannten Halbfabrikaten – Rahmen und Becken –, die anschließend zusammengeschweißt werden. Der Maschinenaufwand ist groß, wie man im Werkzeuglager sehen kann, wo Millionenwerte lagern: Jede Schublade des Hochregals ist mit unterschiedlichen Press- und Stanzwerkzeugen bestückt. Sie kommen auch in der eigentlichen Beckenfertigung zum Einsatz, wo auf drei Pressenlinien produziert wird. Besonders faszinierend ist das sogenannte Blank- oder Rekristallisationsglühen, das bei rund 50 Prozent der Becken zur Anwendung kommt: Sie werden unter sauerstofffreier Atmosphäre bei 1.050 Grad Celsius so weit erhitzt, dass sie nicht schmelzen, aber anschließend weiter verformt werden können, um beispielsweise besondere Tiefen und Eckgeometrien herzustellen. Im Bereich Endkontrolle und Verpackung werden die fertigen Stücke dann noch einmal auf ihre Qualität überprüft.

Der Polierprozess

Das Gegenstück zur Serienproduktion ist das Designatelier. Auf 3.000 Quadratmetern wird ausschließlich auf Bestellung und kundenindividuell gefertigt: Edelstahlarbeitsplatten, teils mit Becken und Aussparungen fürs Kochfeld versehen, Küchenfronten und Rückwände – rund 7.000 Stück pro Jahr. Die Produktion teilt sich auf in die Bereiche Rohmateriallager, Laserschweißen, Spenglerei, Oberflächenbehandlung und Endkontrolle. Im Designatelier werden auch dickere Materialstärken als in der Serienproduktion verwendet: massiver PureSteel oder dünnerer, holzunterleimter FineSteel, zwischen 1,2 und 8 Millimeter stark. Das Gros der Aufträge kommt von Küchenstudios: Sie liefern eine detaillierte Entwurfszeichnung, die dann bei Franke CAD-gestützt umgesetzt wird. Schmid zieht eine warmgewalzte, 500 Kilogramm schwere Arbeitsplatte mit feiner Maserung aus einer großen Schublade hervor und erklärt, dass es bei den massiven warmgewalzten Arbeitsplatten vier verschiedene Edelstahloberflächen gibt: das NatureFinish, das weitgehend naturbelassen ist, das wasserabweisende PearlFinish, das keine Fingerabdrücke hinterlässt, das schimmernde CrystalFinish, das weniger anfällig für Schmutz und Kratzer ist, sowie das hartverchromte DiamondFinish, das vollstens kratzresistent ist. Im Designatelier, in dem 30 Mitarbeiter tätig sind, kann man sehen, wie viel Handarbeit in einem vermeintlich einfachen Produkt steckt: Während die Edelstahlplatten zuerst zugeschnitten, abgekantet und in den Pressen hohlverformt wurden, werden die Becken aus der Serienproduktion in der Spenglerei (schweizerisch für Schlosserei) anschließend so in die Arbeitsplatte eingeschweißt und verschliffen, dass nachher alles wie aus einem Guss erscheint.

„Edelstahl ist ein nachhaltiges Material“, erzählt Werner Schmid. Bei Franke besteht er aus über 80 Prozent recyceltem Material und ist 100 Prozent recyclingfähig. Und da eine Küche im Schnitt alle 15–20 Jahre ausgetauscht wird, haben die Produkte per se einen Anspruch auf lange Lebensdauer. „Die Produktion ist ressourcenintensiv“, sagt der Produktionsleiter, weswegen Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema bei Franke sei. So gibt es in Aarburg mit Solarzellen ausgestattete Hallendächer, eine firmeneigene Kläranlage und eine CO2-neutrale Holzschnitzelheizung, die auch Prozesswärme herstellt. Nach der Führung fahren wir mit der Erkenntnis heim, dass bei Franke ein Spülbecken nicht einfach nur ein Spülbecken ist. Es braucht viele erfahrene Hände und Kompetenzen, um ein Qualitätsprodukt herzustellen, das lange hält und Freude macht.


Franke gehört zur Artemis Group und ist ein weltweit führender Anbieter von Lösungen und Ausstattungen für die Haushaltsküche, das private Bad, halb-/ öffentliche Waschräume, die professionelle Systemgastronomie und die Kaffeezubereitung. Die Franke Gruppe ist weltweit präsent und beschäftigt rund 9.000 Mitarbeitende in 40 Ländern, die einen Umsatz von über zwei Milliarden Schweizer Franken erwirtschaften. Franke Küchentechnik AG gehört zur Division Kitchen Systems und stellt am Firmensitz in Aarburg Schweizer Qualitätsprodukte für umfassende Küchenlösungen her. Das vielfältige Sortiment des Küchen-Komplettanbieters umfasst Spülen und Becken, Armaturen, Küchenabdeckungen, Kochfelder, Abzugshauben, Einbaugeräte, Abfallsysteme sowie passendes Zubehör.

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