Wie Dynamobel das Büro zum Teamplayer macht

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Text: Cordula Vielhauer


50 Jahre alt wird der spanische Büroausstatter Dynamobel im Jahr 2009 – und seine aktuelle Produktpalette ist so frisch, als käme sie direkt aus dem Studio eines Topdesigners. Kommt sie ja auch – denn in die Möbelfabrik im Norden der iberischen Halbinsel werden regelmäßig die kreativen Köpfe der Branche geladen – und beauftragt.  Doch während die Firma in der Heimat längst eine feste Größe ist – und im Bereich der Büromöbelherstellung führend – erregt sie auf dem europäischen Markt erst seit einigen Jahren die Aufmerksamkeit von Kunden und Konkurrenz. Diese dafür umso intensiver: Seit der Fusion mit dem Profil- und Elementhersteller Movinord gehört Dynamobel zu den Partnern im Objektbereich, die ein Büro vom Sessel bis zum Wandsystem sowohl gestalterisch aus einem Guss als auch technisch und akustisch optimiert einrichten können. Während der Großvater noch hinter dem Tresen eines Eisenwarenladens stand, leitet der Enkel heute einen Global Player: Wie hat es das Familienunternehmen geschafft, sowohl die Avantgarde der Designwelt für sich zu gewinnen, als auch technisch ständig über sich hinauszuwachsen – ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren?

1959 unter dem Namen JEVIT in der spanischen Provinz Navarra von den Brüdern Jes&uactue;s und Víctor Troyas gegründet, avancierte die Firma hier schnell zum führenden Hersteller von Schul- und Gartenmöbeln. Ihr Wachstum verdankte sie dabei sowohl dem technischen Können der beiden Brüder – einem Elektriker und einem Metallarbeiter – als auch ihrem aus Neugier und Idealismus gespeisten Erfindungsreichtum und ihrer Ausdauer. Offen für Neues, stellten sie die Produktentwicklung jedoch  immer auf ein solides Fundament aus technischem Know-How. Das heute international agierende Unternehmen bewahrt dabei noch immer den Geist eines Familienbetriebs.

„Die große Herausforderung liegt darin, unsere Kreativität zu stärken und gleichzeitig den bewährten guten Ideen treu zu bleiben.“ (V. Troyas)

Die Wirtschaftskrise der siebziger Jahre und die damit verbundenen Auftragsrückgänge nutzte Dynamobel zur Weiterentwicklung der Produktionsbedingungen, unter anderem wurden Stahlbeschichtung und Aluminiuminjektion eingeführt sowie serielle Fertigungsabläufe. Zu Beginn der achtziger Jahre war das Unternehmen damit gerüstet für die Erschließung eines neuen Marktsegments: der Produktion von Bürostühlen. Ein Teil der Unternehmensphilosophie des Herstellers ist es, erst dann mit einer Neuentwicklung in Erscheinung zu treten, wenn sie technisch ausgereift ist: Dynamobels erster Bürostuhl galt in Spanien als wegweisend in Ergonomie und Design. Neue Technologien wie dem menschlichen Körper mittels Polyurethanschaum angepasste Polsterungen kamen hier so zum Einsatz, dass sich die Firma binnen weniger Jahre an die Spitze der Branche vorarbeitete. Seit 1986 ist sie in der Heimat Marktführerin in diesem Segment; in den neunziger Jahren erfolgte die Ausweitung auf den gesamten Bereich der Büromöblierung, wobei die Produktionsabläufe mit CNC-Bearbeitung und 3D-Modellierungen immer wieder auf den neuesten Stand gebracht wurden.

1 + 1 = 11

Die Fusion mit Movinord, dem führenden spanischen Hersteller für Wandsysteme, Profile und Fußbodenkonstruktionen, im Jahr 2006 ermöglichte es dem Unternehmen, sein Angebot zu erweitern. Seitdem fokussiert sich Dynamobel nicht mehr allein auf die Herstellung von einzelnen Büromöbeln, sondern bietet integrierte Lösungen für komplette Bürosysteme an: vom Fußboden bis zum Schreibtisch, vom Wandpaneel über das Sideboard oder die modulare Stauraummöblierung bis zum Drehstuhl können Büros aus einem Guss eingerichtet werden – Klima-, Licht- und Akustiksysteme inklusive. Bei der Entwicklung seiner Produkte arbeitet Dynamobel auch eng mit externen, namhaften Designern und Architekten tzusammen.

Bodenständigkeit und Innovationsgeist


Ein wichtiger Aspekt ist neben der Vielfalt und Bandbreite des Ausstattungsprogramms aber vor allem die große Fertigungstiefe der Produktion: Nur in wenigen Bereichen ist Dynamobel auf Zulieferer angewiesen, sogar die Polyurethanschäumung findet im eigenen Werk statt. Dies schafft optimale Bedingungen für die Neuentwicklung von Produkten, da durch den Wegfall externer Ausgaben die Entwicklungskosten – auch von Prototypen – gering gehalten werden können. Gleichzeitig kann kontinuierlich auf das technische Know-How der Werkmitarbeiter zurückgegriffen und das Produkt so bereits im Entstehungsprozess ständig kontrolliert und optimiert werden.

Seit der Jahrtausendwende entwickelt Dynamobel den Großteil seiner Produktpalette mit namhaften Designern und Architekten zusammen – vorwiegend spanisch-stämmigen. Der Katalane Mario Ruiz gehört dabei zu den engsten Partnern des Unternehmens. Mit seinem kantig-schnittigen Bürostuhl „Dis“ spielten sich die Spanier mit einem Schlag in die internationale Liga des Officedesigns, und der Sessel wird bereits als künftiger Designklassiker gehandelt. Das ebenfalls von Ruiz entwickelte System „1:10“ reizt die Kompetenzen des neu erworbenen Unternehmens Movinord aufs Äußerste aus: So ist es möglich, ein Bürosystem anzubieten, das die komplette Innenarchitektur von Fußboden-, Wand- und Deckenkonstruktion integriert. Dabei ist das System gleichzeitig standardisiert und dennoch flexibel. Dem Architekten und Innenarchitekten sind somit kaum Grenzen in der Ausstattung gesetzt, egal welche Materialien als Ausfachung eingesetzt werden sollen – Holz, Stein oder Textilien; und gleichgültig, welches Raster dem Ausbau zu Grunde gelegt wird.

„Gemeinsam wachsen ist die Botschaft, im Team erschaffen ist der Weg.“  (V. Troyas)

Den Architekten und Designer Lluís Peiró verbindet eine lange erfolgreiche Zusammenarbeit mit Dynamobel: Er schuf eine Vielzahl minimalistischer Tische und Tischsysteme, die jeweils mit besonderen Features aufwarten. So überrascht der verlängerbare Tisch „Neta“ dank extremer Materialschlankheit mit seiner fast auf eine Linie reduzierten Länge. „Feng“ lässt sich als offener Arbeitsplatz ebenso einsetzen wie mit geschlossenen Seitenteilen als kompakter Schreibtisch – ergänzt durch bündig abschließende Rollcontainer, Schubladen oder Aufsätze. Und „Dublo“ ist komplett einklappbar.
Die Tischsysteme „Tec“ und „Base“ thematisieren einen weiteren Aspekt, der im Unternehmen Dynamobel eine große Rolle spielt: das Zusammenspiel von Individuum und Team. Bei „Tec“ sorgen halbhohe Trennelemente zwischen zwei gegenüberliegenden Tischen für einen fließenden Übergang von konzentrierter Einzelarbeit und Kommunikation und dienen gleichzeitig als Träger für Papierablagen, Stiftboxen und elektrische Geräte. „Base“ setzt auf abgeschlossene Arbeitsbereiche, die jedoch untereinander kombiniert werden können. Zudem kommen die höhenverstellbaren Tischplatten den individuellen Bedürfnissen der jeweiligen Mitarbeiter entgegen. Und Peirós bereits 1982 entworfenes Containersystem „T-Box“ bietet dank des modularen Aufbaus eine schier unendliche Zahl an Kombinationsmöglichkeiten.

Der Architekt Francisco Mangado entwickelte mit Dynamobel den Auditoriumssitz „Prima“, den er unter anderem in dem von ihm entworfenen Kongresszentrum von Navarra – Baluarte – sowie dem neuen Kongress- und Ausstellungszentrum von Àvila einsetzte. Antoni Arola und Jordi Tamayo schufen mit dem Sitzmöbel „Ginza“ eine geradlinige Wartebank, die trotz aller formalen Strenge so bequem ist wie ein Sofa. Und Alejandro Zaera Polo, Mitbegründer von Foreign Office Architects, hat mit „Pad“ seine erste Stuhlserie entworfen – einen Schreibtischsessel mit geteilter Rückenlehne und zwei organisch geformte Konferenzstühle.

Schaut man auf das Projektportfolio des Herstellers, so findet man dort Banken wie BBVA oder La Caixa, Versicherungen wie Seguros Santa Lucia, Unternehmen wie Monoprix oder Telekommunikationsfirmen wie Movistar, aber auch öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser oder die Universität von Navarra. Mit ihren Produkten überzeugt Dynamobel jedoch nicht nur Kunden aus der Welt der Banken, Verlage und Versicherungen: Auch das britische Architekturbüro EPR Architects ließ sich von Dynamobel einrichten. Und die jungen Berliner Designer von Kinzo bestellten sich für ihre eigene Büroausstattung bei Dynamobel gleich ein Set von Drehstühlen mit – und zeigen ihren preisgekrönten Schreibtisch „Kinzo Air“ nun am liebsten in Kombination mit dem Sessel „Dis“ ...

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