Wohnratgeber 12: Randständig

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Text: Norman Kietzmann

Am Beckenrand tut sich was. Wurde die Möblierung von Schwimmbecken über Dekaden hinweg nur Sonnenliege und Schirm überlassen, sind auch hier wohnliche Begleiter auf dem Vormarsch. Ob geflochten, verknotet oder lässig auseinandergeklappt: Wir zeigen, mit welchen Begleitern Sie bei der nächsten Poolparty auf der sicheren Seite sind.

Das Wohnzimmer ist ein nimmersatter Geselle. Erst verleibt es sich die Küche ein. Dann hinterlässt es seine Spuren im Badezimmer. Und schließlich werden Garten und Terrasse als vollwertige Außenstellen okkupiert. Ein weiteres Territorium, das mit wohnlichen Qualitäten aufgeladen wird, ist die Umgebung von Pools. Genügten hier lange Zeit nur Liege und Schirm, tummeln sich längst großzügige Sitzlandschaften und miniaturisierte Architekturen an der Beckenkante. Während Garten- und Terrassenmöbel häufig mit floralen Elementen den Anschluss an ihre Umgebung suchen, geht die gestalterische Reise am Pool in eine andere Richtung. Statt Dekoration herrscht zumeist Klarheit. Schließlich sollen die Liegen, Sessel und Sofas die orthogonale Ordnung des Beckens nicht ins Wanken bringen. Doch auch hier sind taktile Qualitäten und sinnliche Details gefragt. 

01 Die Liege
Klar und prägnant wirkt die Sonnenliege Illum, die das Designerduo Marc Merckx und Pieter Maes für den belgischen Outdoormöbelhersteller Tribù entworfen hat. Die mit einem leichten Kunststoffgewebe bespannte Sitzfläche sowie der pulverbeschichtete Aluminiumrahmen sind bestens gegen UV-Strahlung und Korrosion gewappnet. Damit der puristische Auftritt gelingt, wurde die gesamte Klappmechanik unsichtbar ins Gestell integriert. Auch das chinesische Designerduo Neri&Hu blieb bei seiner Jian Tumbona für Gandiablasco dem rechten Winkel treu. Während die gedoppelten, um die Ecke springenden Metallfüße für Leichtigkeit sorgen, wartet das Möbel mit einem weiteren markanten Detail auf: Das nach oben klappbare Kopfende geht nicht über die gesamte Breite der Liege, sodass eine stimmig integrierte Ablage für Getränke, Bücher oder Zeitschriften entsteht. 


Illum Lounger von Marc Merckx und Pieter Maes für Tribù

02 Der Sonnenstuhl
Eine Alternative zur Liege ist der klassische Sonnenstuhl, bei dem ein Textil in einen hölzernen oder metallenen Rahmen eingespannt wird. Die Sitzposition gleicht der eines Loungesessels, wenngleich unnötiger Ballast von Bord geworfen wird. Schließlich muss sich das Möbel mit wenigen Griffen auf- und wieder zuklappen lassen. Der Orson 006 Deck Chair, den Gordon Guillaumier für Roda entworfen hat, hat mit der Möblierung ordinärer Strandbars kaum etwas gemeinsam. Das Teakholz-Gestell bringt mit Rundprofilen eine angenehme wie hochwertige Haptik ins Spiel. Die Justierung zwischen Rückenlehne und Hinterfuß erfolgt über einen filigranen, verchromten Stahlbügel, dessen Materialität im schwenkbaren Sonnenschirm am Kopfende aufgegriffen wird. Wird hier Leichtigkeit und Komfort gepaart, setzt der Sonnenstuhl Boomy auf einen betont dynamischen Auftritt. Der Entwurf von Matteo Nunziati für Coro nimmt mit zwei verschlungenen Aluminiumrahmen das Funktionsprinzip einer Schere zum Vorbild. 


Orson 006 Deck Chair von Gordon Guillaumier für Roda

03 Das Daybed 
Mit sinnlichen Details wartet das Tosca Daybed von Monica Armani auf. Blaue Flecken sind bei diesem Möbel von Tribù gewiss nicht zu befürchten. Der Grund: Der metallene Rahmen ist von einem extrem grobmaschigen Flechtwerk umspannt, für das Schaumgummi-Würste mit einem nahtlosen Strickgewebe aus Textileen und Tricord bezogen werden. Die beiden Kunststofffasern sind nicht nur witterungsbeständig, sondern fühlen sich auch besonders weich und angenehm an. Eine Insel zum Versinken ist der Dala Loveseat, den Stephen Burks für Dedon konzipiert hat. Mit einem Durchmesser von 179 Zentimetern ist das Möbel nicht nur ausgesprochen voluminös. Dank eines seitlich montierten Schwenktisches bleiben Getränke und Utensilien griffbereit, während unsichtbare Rollen eine spielend leichte Ausrichtung zur Sonne ermöglichen. Für zusätzlichen Sonnenschutz sorgt Cottage von Patricia Urquiola für Kettal. Das Daybed gleicht einer miniaturisierten Architektur, die von einem stoffbespannten Satteldach gekrönt wird und mit Vorhängen in ein privates Refugium verwandelt werden kann.


Cottage von Patricia Urquiola für Kettal

04 Die Sitzlandschaft
Sofas waren früher am Pool Fehlanzeige. Doch dank wetterfester Füllungen und Stoffe rücken gleich ganze Sitzgruppen ans Becken heran. Mit der Butterfly-Kollektion von Patricia Urquiola stellte B&B Italia soeben das erste, komplett mit Stoff bespannte Sitzprogramm für den Außenbereich vor. Mithilfe mehrerer Ottomane sowie geflochtener Beistelltische können die Polsterelemente zu einer endlosen Sitzlandschaft verbunden werden. Ein betont wohnliches Sitzprogramm hat Rodolfo Dordoni mit der Riviera-Outdoor-Kollektion für Minotti präsentiert. Die Sofas, Sessel, Poufs und Beistelltische sind allesamt mit einer überstehenden Sockelplatte aus wetterresistentem Iroko-Holz ausgestattet, die mithilfe eines schlanken Metallgestells über dem Boden zu schweben scheint. Für Leichtigkeit sorgen die Rücken- und Armlehnen mit einem betont dreidimensionalen Polypropylen-Geflecht, das im selben Moment schützt und offenbart.


Riviera Outdoor von Rodolfo Dordoni für Minotti

05 Der Sonnenschirm
Wie die vertraute Typologie des Sonnenschirms neu belebt werden kann, zeigt Ensombra von Gandiablasco. Für den Entwurf ließ sich das spanische Büro Odosdesign vom Aufbau eines Fächers inspirieren. Anstatt ein Textil aufzuspannen, werden Lamellen ineinander geschoben oder auseinander gezogen. Weil sich die Lamellen mit dem Wind bewegen, verändert auch der Schirm seine Erscheinung. „Das Ergebnis ist ein Lichtspiel aus Farben und Schatten, das man nach dem Geschmack des Nutzers gestalten kann“, erklären die Designer. Wer größere Flächen überspannen mag, ist mit dem Schirm Manta von Tuuci auf der richtigen Seite. Dessen Form wurde dem eleganten Flossenschlag des gleichnamigen Rochens entlehnt und kommt auf eine stattliche Spannweite von 290 Zentimetern. 


Ensombra von Odosdesign für Gandiablasco

06 Der Beistelltisch
Auf eine erfrischende Portion Humor setzt der Monkey Table von Jaime Hayon für BD Barcelona. Dank seines Materials Beton können ihm weder Sonne noch Nässe etwas anhaben. Der Clou des Entwurfs liegt in der Gestalt eines Affen, der mit der einen Hand ein Tablett balanciert und sich mit der anderen Hand am Kopf kratzt. Das unumstrittene Lieblingsmaterial der Architekten erfährt so eine ironische Brechung und vermag sich in jeder Umgebung auf Anhieb Sympathien zu verschaffen. Ein Allrounder ist der Beistelltisch aus der Husk-Outdoor-Kollektion von B&B Italia. Mit seinem leicht angewinkelten Vierfußgestell findet der Entwurf von Patricia Urquiola überall den richtigen Halt. Ein rundes Tablett vermag mit hohem Rand auch wackelnde Cocktail-Gläser souverän zu bändigen.


Monkey Table von Jaime Hayon für BD Barcelona

07 Der Teppich
Sie verabscheuen Badelatschen, wollen sich aber dennoch nicht die Füße auf den sonnenheißen Fliesen am Beckenrand verbrennen? Dafür steht längst eine verlässliche Auswahl an wetterresistenten Teppichen zur Verfügung. Für Wohlbefinden sorgt der Outdoor Carpet von Tribù aus PVC-beschichtetem Polyester. Auch wenn dessen Struktur an einen grob geknüpften Zopfpullover erinnert, lässt er sich barfuß angenehm laufen. Dass ein Bodenbelag keineswegs als geschlossene Fläche erscheinen muss, beweist Paola Lenti mit dem Outdoor-Teppich Bisanzio. Dieser setzt sich aus verschiedenfarbigen Modulen aus Kordel zusammen, die mit ihren schlängelnden Konturen für hohe Durchlässigkeit sorgen. Der Boden vollzieht auf diese Weise ein doppeltes Spiel: Er sorgt für Wohnzimmer-Atmosphäre am Pool und bindet mit einer betont leichten wie luftigen Ästhetik das Lebensgefühl im Freien mit ein. Die Expansion des Wohnzimmers geht somit über eine reine Kolonialisierung weit hinaus. Es entsteht ein vielmehr ein Dialog zwischen vormals getrennten Welten.


Wetterfester Teppich Outdoor Carpet von Tribù

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